„Schrecklich, dieses Scheiß-Internet“

Kinderpornografische Bilder auf dem Laptop: Geretsrieder vor Gericht

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Weil auf seinem Laptop kinderpornografische Bilder gefunden worden waren, musste sich ein Familienvater aus Geretsried vor dem Amtsgericht verantworten.

Geretsried/Wolfratshausen – Wer einen PC oder Laptop besitzt, ist für den Schund, der sich womöglich darauf befindet, verantwortlich. Diese Erkenntnis muss ein Geretsrieder (46) teuer bezahlen: Wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Schriften wurde der Familienvater vom Amtsgericht Wolfratshausen zu 8250 Euro Geldstrafe (150 Tagessätze à 55 Euro) verurteilt.

Als sie am 6. April vorigen Jahres um 6 Uhr morgens im Schlafanzug der Polizei die Tür öffnete, habe sie geglaubt, einem ihrer Söhne sei etwas passiert, berichtete die Ehefrau des Angeklagten. Dem war nicht so, der Anlass dennoch ein unschöner. „Ich habe gedacht: Das kann ja wohl nicht wahr sein.“

„Ich kenne diese Fotos nicht“

Die Beamten der Kriminalpolizei Weilheim und der Polizeiinspektion Geretsried hatten gleich vier Durchsuchungsbeschlüsse mitgebracht. Bei Ermittlungen der Kripo Heilbronn war die Familie ins Visier geraten – ein Nutzername in einem Skype-Chat mit pädophilen Inhalten führte zu ihr. Tatsächlich fand ein Sachverständiger auf einem der sichergestellten Geräte 49 inkriminierte Dateien – neun kinderpornografische und 40 jugendpornografische Bilder.

„Ich kenne die Fotos nicht. Ich habe sie weder gesehen noch heruntergeladen“, beteuerte der Angeklagte. Den Laptop habe man 2014 für 150 Euro gebraucht in einem Computercenter gekauft, um mit einem der Söhne während seiner Studienreise nach England skypen zu können.

Eine Mitarbeiterin des Geschäfts bestätigte den Verkauf des Laptops an die Gattin des Beschuldigten. Das Gerät sei „platt gemacht“ worden, bevor es an die Kunden ausgehändigt wurde. Allerdings habe man dabei quasi nur das Inhaltsverzeichnis gelöscht, erläuterte ein Sachverständiger. „Das Bild bleibt dabei im Hintergrund erhalten.“

Mit einem klaren „Nein“ beantwortete er die Frage, ob es möglich sei, in eine Skype-Gruppe zu geraten, ohne es zu bemerken. „Das muss vom Teilnehmer bestätigt werden“, so der Sachverständige. Der Angeklagte hatte gemutmaßt, dass womöglich sein damals erst zwölf Jahre alter Sohn zufällig Dateien eingefangen habe.

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Der Skype-Chat, zu dem sich während der Ermittlungen „alle bedeckt hielten“, wie die Staatsanwältin bemerkte, war auf dem Gerät unwiederbringlich gelöscht worden. Nach Ansicht der Anklagevertreterin sprach das ebenso für die Schuld des Angeklagten wie die Tatsache, dass das Skype-Konto nach Auskunft des Sachverständigen deutlich vor dem angegebenen Kaufdatum angelegt worden war.

Für Verteidiger Andreas Hlavaty stand nach der Beweisaufnahme fest: „Es kann nicht aufgeklärt werden, wie die Bilder auf den Laptop gekommen sind.“ Deshalb sei sein Mandant nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ freizusprechen.

In seiner Urteilsbegründung machte Richter Helmut Berger aber deutlich: „Das Gericht geht nur davon aus, dass die Bilder auf dem Laptop waren – und der Besitz ist strafbar.“ Wie sie die Sache heute sehe, hatte der Richter die Ehefrau des Angeklagten während deren Zeugenaussage gefragt. Sie antwortete: „Schrecklich, dieses Scheiß-Internet.“ rst

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Rubriklistenbild: © dpa / Daniel Reinhardt

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