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Großteil der Katholiken in Geretsried ist älter als 75 Jahre

Kirche hofft auf neue Schäflein

Wer sind die Kirchgänger von Morgen? Wo sollten Angebote für Jugendliche geschaffen werden und in welchem Viertel leben die meisten Familien mit kleinen Kindern? Die Katholische Stadtkirche hat eine Sozialraumanalyse beim Erzbischöflichen Ordinariat in Auftrag gegeben, um künftig besser auf die Bedürfnisse ihrer Schäflein eingehen zu können.

Geretsried – Karin Niederländer von der Pastoralen Planungsstelle des Erzbischöflichen Ordinariats stellte die Ergebnisse dieser Tage im Pfarrsaal der Heiligen Familie am Johannisplatz vor. Für Dr. Bernd Schütze, stellvertretender Stadtkirchenrats-Vorsitzender, sind die Zahlen eher eine Bestätigung als eine Überraschung. Dennoch, so sagt er, sei die Analyse hilfreich, um in Zukunft Schwerpunkte zu setzen.

Stellte die Ergebnisse vor: Karin Niederländer vom Erzbischöflichen Ordinariat.

Wie in den meisten Städten sinkt die Anzahl der getauften Katholiken in Geretsried. Im Sprengel der Pfarrei Heilige Familie, in dem etwa 12.000 Menschen leben, liegt der Katholikenanteil bei 38 Prozent. In Maria Hilf mit rund 10.000 Einwohnern sind es 42 Prozent. Der Durchschnitt im Bistum beträgt 47 Prozent, in München liegt der Anteil aber nur bei 32 Prozent, berichtete Karin Niederländer.

Der Trend, dass Austritte und Beerdigungen Eintritte und Taufen überwiegen, werde sich trotz wachsender Bevölkerung fortsetzen, prognostiziert die Bistumsmitarbeiterin. Momentan machten die über 75-Jährigen das Gros der Gläubigen aus – rund 1400 in der gesamten Stadtkirche im Vergleich etwa zu rund 260 jungen Menschen zwischen 15 und 18 Jahren. „Sie werden in näherer Zukunft wegsterben“, drückte es Niederländer deutlich aus.

Für Schütze ist dies ein Signal, Jugendlichen über die Firmung hinaus mehr attraktive Angebote zu machen, damit sie in der Kirche bleiben. Wie die Analyse zeigt, leben die meisten von ihnen nordwestlich der Pfarrei Heilige Familie und in Stein. Die Zahl der Kirchgänger steigt wieder bei den jungen Familien. Sie versucht man bereits mit Kinder-und Familiengottesdiensten zu halten. Ein „Lichtblick“ für die Kirche könnten die erwarteten rund 1200 Neubürger auf dem ehemaligen Lorenz-Areal sein. Erfahrungsgemäß, so Niederländer, betrage der Katholikenanteil in Neubauvierteln 25 bis 27 Prozent.

Besonderheit: Viele alleinstehende Senioren

Eine Besonderheit sind der Referentin zufolge die vielen alleinstehenden Senioren in Geretsried (23 Prozent gegenüber 19 Prozent in der Region). Sie leben vor allem rund um das Pfarrzentrum Heilige Familie. Für sie gibt es unter anderem den Seniorennachmittag „Lustiger Kreis“, der den Organisatorinnen zufolge gut angenommen wird. Sie wiesen jedoch darauf hin, dass Senioren aus der weiteren Umgebung über Parkplatzprobleme rund um den Johannisplatz klagten.

In der Sozialraumanalyse wurden auch die Armutsquote und der Ausländeranteil untersucht. Beide Werte sind im Süden und in der Mitte Geretsrieds höher als im Norden. Reagieren könnte man darauf zum Beispiel mit polnischsprachigen Gottesdiensten. „Die Ergebnisse sind eine gute Grundlage für uns. Wir werden sie im Kirchenrat in unsere Zukunftsplanungen einbeziehen“, sagt Schütze. Er bedauerte, dass keiner der eingeladenen Stadträte an dem aus seiner Sicht sehr interessanten Vortrag teilgenommen hatte.

Tanja Lühr

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