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Über ihren Kohlendioxid-Ausstoß macht sich die Stadt Geretsried intensiv Gedanken.

Neue Voraussetzungen, neue Ziele

Klimaschutz nach Scheitern des Geothermie-Projekts

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Der Bohrturm in Gelting ist abgebaut. Das war’s mit dem Plan, ein großes Geothermie-Fernwärmenetz über Geretsried zu spannen. Nun muss die Stadt wohl ihre Klimaziele anpassen.

Geretsried – 305 Seiten hat das integrierte Klimaschutzkonzept für die Stadt Geretsried, das der Stadtrat im Jahr 2011 verabschiedet hat. Seine Zielvorgabe: 40 Prozent des Kohlendioxid-/CO2-Ausstoßes – bezogen auf die Werte des Jahres 1990 – bis 2020 einsparen. Damals waren die Räte allerdings davon ausgegangen, dass sich durch die Geothermie-Bohrung ein großes Fernwärmenetz über die Stadt spannen wird. 70 Prozent macht dieser Plan bei den Zielen aus. Der Traum von ausreichend heißen Thermalwasser unter dem Boden am Hofgut Breitenbach ist geplatzt.

„Wir sind von den Meldungen aus Gelting natürlich sehr enttäuscht“, erklärt Thomas Loibl, städtischer Pressereferent. Für das gesetzte Klimaschutzziel bedeutet das Scheitern der Geothermiebohrung eine neue Ausgangssituation. „Der Stadtrat wird sich damit in einer der kommenden Sitzungen erneut beschäftigen“, so Loibl. Eine Anpassung der Klimaschutzziele sei „insofern leider nicht auszuschließen“.

Energie Geretsried GmbH  wurde aufgelöst

Zwischenzeitig hat sogar die Gesellschafterversammlung die Energie Geretsried GmbH aufgelöst, da mit dem Scheitern des Geothermie-Projekts die Grundlage ihrer Arbeit weggefallen ist. Sie war 2012 von den Geretsrieder und Tölzer Stadtwerken gegründet worden, um in der größten Stadt des Landkreises ein großes Geothermie-Fernwärmenetz zu errichten.

„Die Zusammenarbeit beider Stadtwerke wird, gemeinsam mit den anderen Mitgliedskommunen, im Rahmen der 17er-Oberlandenergie, fortgesetzt“, versprechen die Geschäftsführer Jan Dühring und Walter Huber in einer Pressemitteilung. Das bestehende Wärmeversorgungsprojekt in Geretsried-Süd werde fortgeführt. Zudem nehmen die Stadtwerke Geretsried die Umsetzung von Insellösungen in Angriff.

Plan B muss greifen

Wie berichtet ist das Plan B des integrierten Klimaschutzkonzeptes. „Wir verfolgen für unsere Einrichtungen die Entwicklung von kleineren Nahwärmeverbundnetzen an geeigneten Standorten“, erklärt Loibl. Ein Beispiel ist die Hackschnitzel-Heizzentrale am Schulzentrum, die Schulen, Stadtbücherei und das geplante interkommunale Hallenbad versorgen soll.

Im Rahmen der Diskussion über die Anpassung der Klimaschutzziele wolle sich der Stadtrat laut Pressereferent auch mit einer erneuten Erhebung des CO2-Ausstoßes beschäftigen und diese gegebenenfalls beauftragen. Sie war vorgesehen, sobald Ergebnisse aus Gelting vorliegen. „Dieser Fall ist vor Kurzem – wenn auch anders als erhofft – eingetreten“, erklärt Loibl.

Drei Prozent des CO2-Ausstoßes werden von kommunalen Einrichtungen verursacht

Der Aufwand, den CO2-Ausstoß für das gesamte Stadtgebiet zu erheben, ist immens. Zuletzt wurde das im Jahr 2010 im Rahmen der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes getan. Viele und unterschiedliche Verursacher müssten berücksichtigt werden, so der Pressereferent. „Die Verbräuche von Gewerbe, Industrie, Sonderkunden, Privathaushalten und auch des Verkehrs machen mehr als 97 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes aus.“

Die restlichen drei Prozent entstehen im kommunalen Bereich, werden also unter anderem von Schulen, Rathaus, Feuerwehr und Sportstätten verursacht. „Hier gehen wir mit gutem Beispiel voran. Seit 2010 konnten wir den CO2-Ausstoß unserer Liegenschaften um etwa 50 Prozent senken“, sagt Loibl.

Stadt will CO2-Ausstoß verringern

Seitdem der Stadtrat das Klimaschutzziel festgelegt hat, arbeitet die Kommune an der Umsetzung. Sie setzt auf grünen Strom, hat die Straßenbeleuchtung auf energiesparende Natriumdampflampen und LED umgestellt und die energetische Sanierung der Adalbert-Stifter-Schule angestoßen. Zudem untersucht die Stadt die Liegenschaften zusammen mit dem Institut für systematische Energieberatung der Hochschule Landshut.

Bleiben die 97 Prozent der 219.830 Tonnen CO2, die 2010 ausgestoßen wurden – und von denen man noch nicht sagen kann, wie sich die Zahl bis heute verändert hat. Die Stadt setzt auf Aufklärung: unter anderem durch Solarkataster, Energieberatung, Sonnenfrühstück, Stadtradeln und Energiemanagerin Roswitha Foißner. Loibl: „All das hat zum Ziel, unsere Bürger für diese Themen zu sensibilisieren, zu informieren und für den Klimaschutz zu gewinnen.“

Das Geretsrieder Klima in Zahlen

  • Der Kohlendioxid-/CO2-Ausstoß im Stadtgebiet lag im Jahr 2010 bei 219 830 Tonnen. 
  • Im Vergleich zum Bezugsjahr 1990 will die Stadt Geretsried den CO2-Ausstoß um 40 Prozent verringern. Der zugehörige Beschluss des Stadtrates vom 29. März 2011 hat bis auf weiteres Gültigkeit. 
  • 100 Prozent ihrer Liegenschaften versorgt die Stadt Geretsried mit Strom aus regenerativen Energiequellen, also Ökostrom und Wasserkraft – der CO2-Ausstoß im elektrischen Energieverbrauch liegt damit bei null. 
  • Der zweite Versuch einer Geothermie-Bohrung in Gelting ist am 7. November 2017 gescheitert.

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