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Ein Bild aus guten Zeiten: Regierungsvertreter Peter Kuloba besuchte im Sommer 2012 Geretsried und berichtete über das Projekt der Kolpingfamilie in Uganda. 

Handwerkerschule sollte „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein, doch sie trägt sich nicht

Kolping stellt Uganda-Projekt ein

Nach 25 Jahren will die Kolpingfamilie Geretsried ihre Unterstützung für eine Handwerkerschule in Uganda einstellen. „Unsere Zahlungen sollten Hilfe zur Selbsthilfe sein. Leider hat es mit der Selbstständigkeit nicht geklappt“, erklärt der Kolping-Vorsitzende Siegfried Lorz.

Geretsried– Schon 1987 begann die Kolpingfamilie die Erzdiözese in Tororo in Uganda zu unterstützen. 1993 entstand die Idee, eine alte Berufsschule in Mulagi, einem Ort 40 Kilometer von Tororo entfernt, wiederaufzubauen. Dank der großen Spendenbereitschaft der Geretsrieder und der Eigenleistung der Kolpingmitglieder konnte die St. Boniface Technical School in Mulagi 1993 eröffnet werden.

78 Lehrlinge werden zurzeit ausgebildet

In der Schule werden junge Männer zu Maurern, Schlossern und Schreinern ausgebildet. Drei Jahre lang dauert die Lehre. Zusätzlich gibt es Kurzzeitkurse für Kfz-Mechanik, Elektrotechnik und Landwirtschaft. Die Schülerinnen der benachbarten, von italienischen Klosterschwestern unterhaltenen Mädchenschule haben die Möglichkeit, Computerkurse in St. Boniface zu belegen. Zur Zeit werden 78 Lehrlinge von sieben Lehrern ausgebildet.

Ursprünglich wollte der Staat Uganda die Unterhaltskosten für die Handwerkerschule übernehmen. Doch der hat kein Geld. Deshalb sandte die Geretsrieder Kolpingfamilie weiterhin Spenden, um vor allem die Lehrer zu bezahlen. „Rund 165.000 Euro haben wir bis jetzt da runtergeschickt“, berichtete Siegfried Lorz in der Jahresversammlung der Kolpingfamilie. Damit soll nun Schluss sein. Denn eigentlich, so erklärt er, sollte die Schule sich schon zur Jahrtausendwende selbst tragen durch den Verkauf der von den Lehrlingen erzeugten Produkte und durch das in Afrika übliche Schulgeld.

Jedes Jahr überweist Kolping 5.000 Euro

Kolping überwies jedes Jahr 5.000 Euro. Die Leitung von St. Boniface schickte im Gegenzug eine Kostenaufstellung an den Eine-Welt-Beauftragten von Kolping, Bernhard Kraus. Aus der Aufstellung von 2017 geht hervor, dass die Schule sich nur dank der Spenden über Wasser hält. „Die Schule rechnet und plant jedes Jahr mit unserem Geld. Darunter verstehen wir nach so vielen Jahren aber keine Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärte Siegfried Lorz. Sein Bruder Wolfgang Lorz, der stellvertretende Vorsitzende Boris Teuber und andere Mitglieder waren anfangs selbst vor Ort, um beim Aufbau der Schule tatkräftig anzupacken. „Das war eine gute Sache. Wir standen voll dahinter“, erinnert sich Wolfgang Lorz. Es sei schade, dass die Rechnung, dass die St. Boniface Technical School bald auf eigenen Beinen stehen könnte, nicht aufgegangen sei. Als auch noch Bischof James Odongo, laut Siegfried Lorz einer der „Motoren des Projekts“, 2007 emeritierte, geriet die Entwicklung an der Schule noch mehr ins Stocken.

Künftig sollen kurzfristige Projekte weltweit gefördert werden

„Das Kolpingwerk in Essen hat uns empfohlen, die Unterstützung für Mulagi zu beenden“, sagt Siegfried Lorz. Man wolle die regelmäßigen Zahlungen innerhalb der nächsten zwei Jahre einstellen. Es gebe noch eine Geldsumme aus einem privaten Nachlass für Uganda, die wolle man der Schule noch überweisen. Künftig werde die Geretsrieder Kolpingfamilie – so wie das Kolpingwerk – eher kurzfristige Projekte weltweit finanziell fördern, kündigt Lorz an. Ein Großteil der Spenden werde nach wie vor bedürftigen Menschen in Geretsried zugute kommen. 

Tanja Lühr

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