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Nikolaus ohne Nikolaus: Kolpingfamilie muss Besuchsdienst erneut absagen

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Mit Rauschebart und Bischofsstab: Seit 1985 ist Boris Teuber als Nikolaus unterwegs. Wegen Corona muss der Besuchsdienst der Kolpingfamilie auch heuer abgesagt werden.
Mit Rauschebart und Bischofsstab: Seit 1985 ist Boris Teuber als Nikolaus unterwegs. Wegen Corona muss der Besuchsdienst der Kolpingfamilie auch heuer abgesagt werden. © privat

Der Nikolaus besucht Familien jedes Jahr am 5. und 6. Dezember. Dieses Jahr ist das coronabedingt erneut nicht möglich. Darüber spricht Boris Teuber von der Kolpingfamilie Geretsried im Interview.

Geretsried – In große Kinderaugen schauen die Kolpingfamilien Geretsried, Wolfratshausen und Waldram jedes Jahr am 5. und 6. Dezember. Da sind die Ehrenamtlichen im Dienst des Nikolauses in den beiden Städten unterwegs und besuchen Familien, um den christlichen Brauch zu erhalten. Nach dem Lockdown vergangenes Jahr sollte es heuer wieder einen Nikolaus-Besuchsdienst geben, doch erneut kam die Corona-Pandemie dazwischen. Darüber sprach Redakteurin Susanne Weiß mit Boris Teuber (55), Vorsitzender der Kolpingfamilie Geretsried.

Herr Teuber, auch Nikolaus ist nicht vor der irdischen Pandemie gefeit?

Boris Teuber: Leider nicht. Es ist sehr schade. Diese Woche müssten wir mit den Anmeldungen anfangen, aber die Fallzahlen sind so hoch, und unsere Leute sind auch nicht mehr die jüngsten.

Wie viele Nikoläuse beschäftigt die Geretsrieder Kolpingfamilie?

Boris Teuber: Wir sind eigentlich jedes Jahr an zwei Tagen mit drei, vier Nikoläusen unterwegs, je mit einem Begleiter und einem Fahrer. Vor der Corona-Pandemie haben wir jedes Jahr 60 bis 80 Haushalte besucht.

Ganz schön viel.

Boris Teuber: Ja. Früher war der Andrang sogar noch größer. Da mussten wir teilweise Familien abweisen. Aber inzwischen gibt es immer mehr, die mit dem christlichen Brauch nichts zu tun haben wollen. Das liegt wohl daran, dass das Interesse an der Kirche allgemein abnimmt.

Wie lange gibt es den Nikolaus-Besuchsdienst der Kolpingfamilie schon?

Boris Teuber: Ich bin seit 1985 bei der Kolpingfamilie, da gab es ihn schon.

Und Sie sind selbst Nikolaus?

Boris Teuber: Seit über 20 Jahren immer wieder. Manchmal bin ich auch als Helfer dabei. Wir wechseln immer ein bisschen durch.

Ist es schön, die Familien zu besuchen?

Boris Teuber: Es ist immer wieder interessant, weil man die Kinder doch anders kennenlernt. Manche bereiten unseren Besuch sehr schön vor und freuen sich sehr darüber, gerade Familien, die nicht so viel Geld haben.

Wie ist Ihre Erfahrung: Stehen im Goldenen Buch vom Nikolaus mehr gute oder mehr schlechte Taten der Kinder?

Boris Teuber: Manche Eltern schreiben uns auf, dass das Kind mehr Gemüse essen, sein Zimmer aufräumen, mehr für die Schule lernen und vieles mehr machen soll. Aber der Nikolaus kann nicht bei der Erziehung helfen. Wir sind immer um einen Ausgleich bemüht, also auch mal etwas Nettes zu sagen. Nikolaus von Myra war für Bedürftige da und hat nicht auf Schlechtes hingewiesen. Am schönsten ist es aber für uns, wenn wir einfach mit den Kindern sprechen und sie sich frei entfalten können.

Was erzählen die Kinder dann?

Boris Teuber: Viele haben ein Nikolausgedicht oder Lieder vorbereitet. Manche Kinder fragen, ob wir mit dem Schlitten da sind oder Rentiere dabei haben. Aber manche Kinder kennen sich auch gut aus und wissen, dass Nikolaus ein Heiliger und Schutzpatron der Seefahrer, Kinder und vieler anderer ist. Das ist recht schön.

Als Nikolaus haben Sie sicher schon viel erlebt. Was ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Boris Teuber: Da gibt es vieles. Einmal waren wir in einer Familie, in der sich die Eltern wohl gerade haben scheiden lassen. Da hat sich der Bub beim Nikolaus beklagt, dass sein Papa nicht mehr da ist. Ein anderes Mal musste der Nikolaus Kindern sagen, dass sie ihren Wellensittich lieber nicht noch mal baden sollten. Das hatten die wohl gemacht, und er hat es nicht überlebt. Und es ist auch schon vorgekommen, dass im Goldenen Buch stand, dass das Kind immer dazwischen redet. Als wir uns mit dem Kind unterhalten wollten, saß Oma, Opa oder eine andere Person aus der Verwandtschaft auf dem Sofa und hat es immer wieder unterbrochen. Da denkt man, dass der Nikolaus wohl besser zu den Erwachsenen kommen müsste.

Wie verbringt der Nikolaus den Nikolaustag heuer, wenn er nicht zu den Kindern kann?

Boris Teuber: Vielleicht zeigt er sich in der Kirche. Das müssen wir kurzfristig entscheiden.

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