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Erinnerungsfoto in Tracht: Die Siebenbürger Sachsen beteiligten sich 2014 an der Europeade im polnischen Kielce. An dem Festival nahmen Folkloregruppen aus ganz Europa teil.

Kreisgruppe feiert 60-jähriges Bestehen

Die „Siweberjer“ halten zusammen

Geretsried - Die Siebenbürger Sachsen in der Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen feiern ihr 60-jähriges Bestehen. Zusammenhalt und Gemeinschaftsdenken prägen die Vertriebenen und Spätaussiedler bis heute.

„Siebenbürgen, Land des Segens, Land der Fülle und der Kraft, mit dem Gürtel der Karpaten um das Grüne Kleid der Saaten, Land voll Gold und Rebensaft“: So schwärmerisch beginnt das Siebenbürgenlied von Leopold Maximilian Moltke. Im zwölften Jahrhundert siedelten sich die ersten deutschen Siedler in Siebenbürgen an, das nach dem Ersten Weltkrieg Rumänien zugeschlagen wurde.

Die Menschen kamen vorwiegend aus dem Rhein-Mosel-Gebiet. Die Bezeichnung Sachsen leitet sich vom lateinischen „saxones“ für Siedler ab, hat also nichts mit den Sachsen zu tun. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Siebenbürger wie alle im Osten lebenden Deutschen deportiert oder vertrieben. Diejenigen, die blieben, litten in den Folgejahren unter dem Regime Ceaucescus. Ab 1990 setzte ein wahrer Massenexodus ein. Heute leben nur noch 16 000 Siebenbürger in Rumänien.

Starke Zunft: Am Faschingsdienstag vertreiben die Urzeln in ihren schwarzen Zottelgewändern die bösen Geister.

In Geretsried war die erste Station der Flüchtlinge das Durchgangslager für Aussiedler in Stein. Im April 1956 gründete ein gutes Dutzend Siebenbürger unter der Leitung von Karl Friedrich Theil eine Kreisgruppe. Ging es anfangs hauptsächlich darum, konkrete Starthilfe bei Amtsgängen und bei der Suche nach Unterkünften und Arbeitsplätzen zu geben, so erweiterte sich das Betätigungsfeld der Kreisgruppe ab den 1970er Jahren unter dem Vorsitz von Kurt Schoppel, Peter Knall, Hans Schmidts, Herta Daniel und Gerlinde Zurl-Theil, der Vorsitzenden seit 2008, immer mehr in kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht. Die Kreisgruppe hat laut Zurl-Theil heute 618 Mitglieder, von denen rund 200 Landsleute aller Altersgruppen aktiv in verschiedenen Kulturformationen mitwirken. Die Mitglieder wohnen in Geretsried, Wolfratshausen und Bad Tölz und weiteren 20 Ortschaften. Die „Siweberjer“, wie sie sich in ihrem Dialekt nennen, pflegen ein reges Vereinsleben. Es gibt einen gemischten Chor, eine Tanz-, eine Sport-, eine Theater- und eine Handarbeitsgruppe. Wichtiger Bestandteil der Kreisgruppe sind die so genannten Zehntfrauen. Nach siebenbürgischem Vorbild stellen sie eine Art Nachbarschaftshilfe dar. In Geretsried kümmern sich heute noch 27 Zehntschaften um bedürftige Familien und alleinstehende Senioren. Vor und nach der Revolution in Rumänien versuchte die Kreisgruppe außerdem, die größte Not in der alten Heimat durch Hilfspakete zu lindern.

Eine Geretsrieder Besonderheit sind die Urzeln der Siebenbürger Sachsen. 1986 riefen Horst Wagner und Michael Herbert eine Urzelzunft ins Leben. Inzwischen ist die Gruppe auf 50 Frauen und Männer angewachsen. Die Gestalten in schwarzen Zottelgewändern vertreiben zur Faschingszeit mit Rasseln und Ratschen die bösen Geister. „Sie sind als Brauchtumsgruppe ein fester Bestandteil im Faschingsprogramm“, berichtet Zurl-Theil. Zu den jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen der Landsmannschaft zählen der Faschingsball, der Maitanz, das Kronenfest – in Siebenbürgen früher das „Sommerfest der bäuerlichen Jugend – und der Kathreinerball.

„Es ist gerade in der heutigen Zeit wichtig festzuhalten, dass wir Aussiedler und Spätaussiedler Deutsche sind und unsere Kultur ein Teil der deutschen Kultur ist“, sagt die in Geretsried lebende Bundesvorsitzende der Siebenbürger Sachsen, Herta Daniel. Dafür, dass dies so bleibt, trägt nicht zuletzt die starke Jugendgruppe, die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland, teil.

Das Festprogramm

Die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen beginnen am Freitag, 20. Mai, um 18 Uhr mit der Eröffnung einer Sonderausstellung („Trachten, dekorativ Gewebtes und Gesticktes aus Siebenbürgen“) im Stadtmuseum. Johann Depner führt in die Ausstellung ein. Gezeigt wird außerdem die Neithauser Bockelung. Bei der Bockelung handelt es sich um eine besondere Haube, die früher nur verheiratete Frauen tragen durften. Groß gefeiert wird am Samstag, 28. Mai. Los geht’s mit einem Gottesdienst um 12.15 Uhr in der evangelischen Petruskirche. Um 15 Uhr findet der Festakt mit Kulturprogramm in den Ratsstuben statt. Festrednerin ist die Verbandsvorsitzende Herta Daniel. Um 20 Uhr findet der Jubiläumsball mit der „Rocky 5Band“ statt (Beginn 20 Uhr, Einlass 19 Uhr). Karten zum Preis von zwölf Euro gibt es an der Abendkasse. Am Sonntag, 29. Mai, lädt die Theatergruppe ab 15 Uhr (Einlass 14 Uhr) zum Singspiel „Der Himet reft“ in die Ratsstuben ein. Der Eintritt kostet sieben Euro.

Tanja Lühr

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