Patina angesetzt hat der beliebte Schriftzug an der B11. 

Wahrzeichen der Stadt

Geretsried-Schriftzug setzt Rost an

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Der beliebte Schriftzug in der Hollywood-Kurve an der B11 hat Rost angesetzt. Die Stadt will sich darum kümmern.

Geretsried – „Alte Liebe rostet nicht“, besagt ein Sprichwort. Der Geretsried-Schriftzug an der Bundesstraße 11 zwischen den Einfahrten Schulzentrum und Rathaus scheint sich allerdings nicht an dieses ungeschriebene Gesetz zu halten. Rötlich-braune Rostspuren zieren mittlerweile die weißen Metallbuchstaben.

Besonders alt ist die sogenannte Hollywood-Kurve noch nicht. Doch der beschriftete Erdwall, der an die bekannten Hügel in Kalifornien erinnert, entwickelte sich rasant zum Wahrzeichen der größten Stadt im Landkreis. Wer schon einmal in Geretsried war, kennt die zehn Buchstaben, die die Stadt inzwischen als Gebrauchskunst deklariert.

Dabei entstand das Wahrzeichen eher zufällig. Ausgangspunkt war eine beinahe unbemerkte Maßnahme des Bauamts vor zehn Jahren. Im Frühjahr 2009 begann die Stadt, einen Erdwall zwischen Radweg und B11 aufzuschütten. Peu à peu kam Abraum von anderen Baustellen an die Hirth-Kurve, wie sie damals noch genannt wurde – als kostengünstiger Lärmschutz für das angrenzende Wohngebiet.

Ganz so unkompliziert, wie zunächst angenommen, kam die Stadt mit der Lärmschutzmaßnahme aber nicht durch. Im Mai 2009 hatte der Erdwall solch ein Ausmaß angenommen, dass die Stadt einen Bauantrag nachreichen musste – der Erdwall war ein Schwarzbau. Der Bauträger des Pflegeheims an der Johann-Sebastian-Bach-Straße hatte angeboten, seinen Aushub kostenlos an die B11 zu fahren, und das ergab schließlich mehr Material als erwartet. In den darauffolgenden Jahren fristete der mit Humus befestigte und teils begrünte Erdwall ein wenig beachtetes Dasein. Das änderte sich schlagartig in der Freinacht auf den 1. Mai 2012.

Eine Bande Geretsrieder kletterte im Schutz der Dunkelheit auf den Hügel und rammte zehn Buchstaben aus Pressspan in den Boden. Der Schriftzug GERETSRIED prangte nun an der Hirth-Kurve, die fortan Hollywood-Kurve genannt wurde. Bis zum Herbst ließ die Stadt den Schriftzug liegen, dann mottete sie ihn über den Winter ein. Im Juli 2013 kehrte das Kultobjekt zurück – in hochwertiger Form. Die Stadt baute für 6000 Euro ein Metallgerüst. Vier Monate später hatte der Spaß ein Ende. Der Schriftzug sollte weg, weil das Bundesfernstraßengesetz solche Anlagen außerhalb geschlossener Ortschaften verbietet. Die Buchstaben lenkten Autofahrer zu sehr ab, urteilte das Landratsamt.

Bei den Bürgern kam diese Nachricht gar nicht gut an. Sie kämpften für ihr neues Wahrzeichen. Eine eigens gegründete Facebook-Gruppe ging durch die Decke. Landrat Josef Niedermaier versuchte das aufgebrachte Volk sogar per Videobotschaft zu beruhigen. Doch die Protestwelle ebbte nicht ab.Schließlich kam Innenminister Joachim Herrmann persönlich zur Hollywood-Kurve. Sein Machtwort: Der Schriftzug darf bleiben – bis die S-Bahn nach Geretsried fährt. Das wäre nach aktuellem Stand frühestens 2028.

Auch wenn sich die Verlängerung der S-Bahn-Trasse immer wieder verschiebt, scheint das Ablaufdatum der Hollywood-Kurve bestehen zu bleiben. Für die Stadt ist das aber kein Grund, das von den Bürgern geliebte Wahrzeichen verrosten zu lassen. „Das Bauamt betreibt bestandssichernde Maßnahmen vor Ort“, versichert Ute Raach, Geschäftsführende Beamtin im Rathaus, auf Nachfrage unserer Zeitung. Abmontiert werden die Buchstaben dafür aber nicht. „Die Mitarbeiter des Bauhofs haben es auf ihrem Aufgabenzettel.“ 

sw

Lesen Sie auch das Interview mit einem der Scherzbolde, der an der Aktion beteiligt war

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