+
Markus Söder hängt wieder überall Kreuze auf. Die Begründung dafür passt Christoph Schirrmacher gar nicht.

Gastbeitrag

Kultur oder Zumutung? Was ein Geistlicher von Söders Kreuz-Befehl hält

Ministerpräsident Markus Söder wünscht sich ein Kreuz in jeder staatlichen Behörde. Was Christoph Schirrmacher, Pastor der Geretsrieder Christuskirche, dazu zu sagen hat. 

Geretsried – Diese Woche kam aus der Bayerischen Staatskanzlei die Nachricht, gültig ab dem 1. Juni: „Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes im Freistaat ist (…) ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland anzubringen.“ Der Ministerpräsident erklärte dazu, dass er in dem Kreuz „unsere bayerische Lebensart“, elementare Werte wie „Nächstenliebe, Menschenwürde und Toleranz“ und die „christlich-abendländische Identität“ vertreten sähe. Das Kreuz sei für ihn darum ein „kulturelles Symbol“.

Das ist sehr geschickt argumentiert, wer will sich schon über ein Kultursymbol beschweren? Damit können auch Atheist und Muslim klarkommen. Ich allerdings komme damit nicht klar, weil für mich das Kreuz auf diese Weise (wie „Zeit“-Redakteur Jan Roß es einmal ausdrückte) zu einem „folkloristischen Ausstattungsstück“ abgewertet und mit „Gamsbart und Lederhose“ auf eine Stufe gestellt wird.

Entsprechend dieser Logik wäre das Kreuz akzeptabel, weil es bedeutungslos geworden wäre. Das passt aber nicht zu der Botschaft des Kreuzes, wie ich sie in der Bibel finde. Es steht dafür, dass Gott Mensch wird. Jesus von Nazareth ist nicht einfach nur frommer Mensch, er ist nicht einfach nur Gott nahe. Er ist Gott – in ihm kommt Gott auf diese Welt. Seine Hinrichtung am Kreuz ist der Tod Gottes.

Damit ist es aber nicht vorbei, in seiner Auferstehung am dritten Tag besiegt Jesus den Tod – für sich und seine Nachfolger. Christen glauben daran, dass sich der Wert von uns Menschen nicht aus unserer Leistung ergibt, sondern aus der Beziehung zu Gott. Weil Gott jeden einzelnen Menschen liebt, wird er Mensch, um die Kluft zwischen Gott und Menschheit zu überbrücken, die wir Menschen durch unseren Egoismus, unsere Lüge und unseren Zorn aufgerissen haben.

Darum kommt Gott uns in Jesus nahe, um uns als der Leidende gerade in unserem Leid verbunden zu sein. Das Kreuz stellt darum alles auf den Kopf, was sonst in dieser Welt wichtig ist. Der Gekreuzigte ist eben kein Superheld, sondern genau das Gegenteil. Gerade dieser Gegenentwurf ist der Grund für den Erfolg des Christentums.

Ich wünsche mir darum, dass Menschen in der Lage sind, trotz der vielen neuen Kreuze ab dem 1. Juni immer noch die Zumutung dahinter zu erkennen, aber eine Zumutung, die Hoffnung in Zeiten der Hoffnungslosigkeit gibt, Kraft in Zeiten der Kraftlosigkeit und Liebe in Zeiten der Lieblosigkeit.

Lesen Sie auch: Nach Söder-Befehl: So halten es Ämter und Behörden im Landkreis mit dem Kruzifix

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schwarz-Rot-Gold und gesund: Diese Last-Minute-WM-Snacks sind eine gute Alternative zu Chips
Fußball spielen verbrennt Kalorien, Fußball schauen eher weniger. Diese gesunden Snacks in den Farben Schwarz-Rot-Gold sind eine gute Alternative zu salzigen und süßen …
Schwarz-Rot-Gold und gesund: Diese Last-Minute-WM-Snacks sind eine gute Alternative zu Chips
Diese Münsinger Villa kann Glücksgefühle auslösen
Die Erbengemeinschaft, die die Villa Rambaldi in der Nähe des Allmannshauser Schlosses hegt und pflegt, hat den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis bekommen. Die Villa ist das …
Diese Münsinger Villa kann Glücksgefühle auslösen
Die Fans der deutschen Gegner: Die Schweden feiern leiser 
Zur WM stellt unsere Zeitung Menschen aus den Ländern der Spielgegner der deutschen Mannschaft vor. Dr. Carl Johnzén in Großegelsee bei Dietramszell. Deutschland hatte …
Die Fans der deutschen Gegner: Die Schweden feiern leiser 
Seit 25 Jahren unterstützen die Freunde der Kreisklinik ihr Krankenhaus 
Geräte, Ausstattungen und Fördermaßnahmen im Wert von 630.900 Euro konnten die Freunde der Kreisklinik akquirieren. Dem zollten die Mitglieder in der Jahresversammlung …
Seit 25 Jahren unterstützen die Freunde der Kreisklinik ihr Krankenhaus 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.