+
Ein Geretsrieder der ersten Stunde: Werner Sebb engagiert sich seit Jahrzehnten in der Kultur und in de r Aufarbeitung der Geschichte der Stadt. Dafür wird er nun mit dem Kulturpreis ausgezeichnet. 

Auszeichnung für Geretsrieder der ersten Stunde

Kulturpreis für Werner Sebb

  • schließen

Zum siebten Mal verleiht die Stadt heuer ihren Kulturpreis. Ausgezeichnet wird in diesem Jahr mit Werner Sebb ein Geretsrieder der ersten Stunde. Seit Jahrzehnten engagiert er sich ehrenamtlich für die Stadt.

Geretsried – Werner Sebb gehört zu den 554 Graslitzern, die am 7. April 1946 als erste Vertriebene in Geretsried ankamen. Zuflucht fand der damals Sechsjährige zusammen mit seiner Mutter und den Großeltern im Barackenlager auf der Böhmwiese. Geretsried wurde zu ihrer neuen Heimat. „Geretsried ist der Ort, an dem ich so viele schöne Dinge erlebt habe“, sagt Sebb im Gespräch mit unserer Zeitung rückblickend. „Ich habe den Aufbau der Stadt in fast allen Phasen miterlebt.“

Der Graslitzer stammt aus einer musikalischen Familie. Seine Großmutter und seine Mutter „haben schon immer gern gesungen“. Sebb entschied sich zunächst aber für eine Ausbildung im Labor. Im Alter von 25 Jahren schrieb er sich am Richard-Strauß-Konservatorium in München ein, um Gesang zu studieren. „Ich war berufstätig und hatte schon Frau und Kind“, erinnert sich der heute 78-Jährige an diese Zeit. Nach vier Jahren Studium versuchte der Tenor, seinen Traum vom Berufssänger in die Tat umzusetzen. „Ich habe an vielen Theatern vorgesungen, aber die wollten fast nichts zahlen.“ So blieb Sebb seiner Arbeit im Labor treu und hängte noch ein Fernstudium zum Chemie-Ingenieur dran. Im Nachhinein betrachtet war es eine „gute Entscheidung“, sagt der Geretsrieder. Ihm boten sich dadurch andere Perspektiven.

1966 wirkte Sebb fürs ZDF bei einer Aufzeichnung des Belszazzar-Oratoriums von Georg Friedrich Händel mit. 1980 sang er beim Passionssingen am Salzburger Festspielhaus den Jesus in „Oana geht um im Land“. Der 78-Jährige erinnert sich: „Das war wirklich ein ganz besonderer Augenblick für mich.“

In seiner Heimatstadt engagiert sich der Sudetendeutsche seit Jahrzehnten. Seit 40 Jahren leitet er die 1951 gegründete Chorvereinigung, die aus der Liedertafel Tachau entstanden ist. Sebb war Mitinitiator der Interessensgemeinschaft Kulturförderung, die über neun Jahre Abo-Konzerte organisierte. Außerdem ist der pensionierte Chemie-Ingenieur im Förderverein Geretsrieder Heimatmuseum und beim Arbeitskreis Historisches Geretsried (AHG) aktiv. Im vergangenen Jahr gab der Arbeitskreis ein Fortsetzungsheft über die Munitionsfabriken heraus, an dem Sebb als Autor mitwirkte. Fast abgeschlossen ist das Projekt Straßenzusatzschilder. Wie berichtet werden nach einer Idee von Sebb Straßen mit berühmten Namen durch Zusatzschilder ergänzt. „Wenn das abgeschlossen ist, werde ich mir wieder etwas Neues suchen“, kündigt der 78-Jährige jetzt schon an.

Für sein Engagement wurde der Geretsrieder 2015 mit der Isar-Loisach-Medaille des Landkreises ausgezeichnet. In diesem Jahr folgt nun der Kulturpreis der Stadt Geretsried – worüber sich Sebb nach eigenen Worten sehr freut. „Schon deshalb, weil ich vor zwölf Jahren als Kulturbeirat an der Entstehung des Preises mitgewirkt habe.“

Nach Angaben der Stadt Geretsried wurde Werner Sebb von unterschiedlichen Personen für den Kulturpreis vorgeschlagen. „Er hat sich Zeit seines Lebens sehr stark im kulturellen Bereich engagiert“, teilt der Pressereferent der Stadt, Thomas Loibl, auf Nachfrage mit – sei es als Leiter der Chorvereinigung oder des Graslitzer Stammtisches, als Mitglied im Arbeitskreis Historisches Geretsried oder in der Interessensgemeinschaft Kulturförderung. Loibl: „Der Stadtrat hat auf Empfehlung des Ausschusses für Jugend, Senioren, Soziales, Kultur und Sport entschieden, alle diese Leistungen mit dem Kulturpreis zu würdigen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Trotz Debatten bei Planung: Ickinger freuen sich über renovierte Kirche
Nach eineinhalb Jahren Renovierungszeit haben die Ickinger die Wiedereröffnung der Heilig-Kreuz-Kirche gefeiert. Mit der Umgestaltung war nicht jeder einverstanden.
Trotz Debatten bei Planung: Ickinger freuen sich über renovierte Kirche
Wie Wolfratshauser Sternsinger Kinder in Rumänien unterstützen 
Der Erlös der Sternsingeraktion von St. Andreas hilft, in einem rumänischen Kinderhaus die schlimmste Not zu lindern. Michaela Seebauer hat dort einige Tage verbracht - …
Wie Wolfratshauser Sternsinger Kinder in Rumänien unterstützen 
Speed-Debating im „Pistolero“: Jugendliche fühlen Lokalpolitikern auf den Zahn
Politische Themen statt Drinks und lauter Musik gab es am Freitag beim „Speed-Debating“  im „Pistolero“ in Bad Tölz.  Rund 50 Erstwähler waren gekommen.
Speed-Debating im „Pistolero“: Jugendliche fühlen Lokalpolitikern auf den Zahn
18-Jähriger überschlägt sich mehrmals mit seinem BMW - wohl wegen einer Zigarette
Ein Fahranfänger aus Wackersberg hat sich am Montagabend in der Gemeinde Eurasburg mit seinem Pkw überschlagen. Schuld war wohl eine Zigarette.
18-Jähriger überschlägt sich mehrmals mit seinem BMW - wohl wegen einer Zigarette

Kommentare