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Den Bau des Interkommunalen Hallenbads in Geretsried wertet Landrat Josef Niedermaier als einen Erfolg während seiner Amtszeit.

Am Stammtisch der Freien Wähler

Darum sind Landrat Josef Niedermaier „Überschriften egal“

Landrat Josef Niedermaier spricht am Geretsrieder FW-Stammtisch Klartext.

Geretsried Unfreiwillig Wahlkampf machte Landrat Josef Niedermaier am Freie-Wähler-Stammtisch im Gasthof Geiger am Donnerstagabend. Hanjo Osthues vom Geretsrieder Ortsverband fragte den Ehrengast in der lockeren Gesprächsrunde, wie er gegen den einen bislang bekannten Gegenkandidaten Anton Demmel von der CSU punkten wolle. Der Amtsinhaber antwortete auf seine pragmatische Art. Er sehe sich nicht als Politiker, der große Versprechungen mache, sondern in erster Linie als Leiter der Kreisverwaltung. Im Kreistag suche er den Dialog mit allen Fraktionen.

Josef Niedermaierist seit 2008 Landrat.

Zuvor hatte Niedermaier dargelegt, wie minimal seine politischen Gestaltungsmöglichkeiten seien. Er habe nur in einigen Fällen einen Ermessensspielraum. Ansonsten seien die Arbeit des Landratsamts und des Kreistags davon geprägt, Sozialleistungen zu erbringen und die weiterführenden Schulen in Schuss zu halten. Seit sechs Jahren sei die Verwaltung zudem mit der papierlosen Dateneinführung beschäftigt. Die Staatsregierung wolle den digitalen Bauantrag forcieren. Auch in der Kreisbehörde werde man sich demnächst damit auseinandersetzen müssen.

Ein wenig stolz blickte der Landrat dann doch auf seine bisherigen beiden Amtszeiten zurück: „Wir haben in den letzten zwölf Jahren unsere Finanzen extrem in Ordnung gebracht“, sagte er. Bei den Schulden liege Bad Tölz-Wolfratshausen unter dem Landesdurchschnitt. Alle 14 landkreiseigenen Schulen seien saniert worden oder würden saniert, wobei man sich kleine Extras wie die Lerninseln an der Geretsrieder Realschule leiste.

Das interkommunale Hallenbad werde dank finanzieller Beteiligung des Kreises gebaut, ebenso zahle man für eine S-Bahn-Untertunnelung in Wolfratshausen im Zuge der geplanten S7-Verlängerung mit. An allen Projekten könne sich der Kreis aus Gründen der Gerechtigkeit jedoch nicht beteiligen, betonte Niedermaier. So könne er nicht ein Pflegeheim in Lenggries bezuschussen und ein anderes in Dietramszell oder Schlehdorf leer ausgehen lassen. „Ich bin standhaft. Ich war immer für transparente Verhältnisse“, sagte er und ergänzte in Richtung Presse: „Mir sind Überschriften egal.“

Stammtisch-Besucherin Gerlinde Berchtold aus Wolfratshausen forderte, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu verbessern. Damit rennt die SPD-Stadträtin bei Niedermaier offene Türen ein. Das sei ein „Megathema“ im Flächenlandkreis, so der Landrat. Er halte allerdings nichts von 365-Euro-Tickets nach dem Vorbild Wiens oder kostenlosen Stadtbussen, wie ihn sich Teile des Geretsrieder Stadtrats wünschen. „Wir brauchen Qualität und Quantität“, erklärte er. Das heißt, die Einführung des MVV-Tarifs auch im Süden, verbesserte Takte im Linienverkehr sowie Ost-West-Verbindungen, die bald in Form von Express-Bussen kommen sollen.

Dem Wohnungsmangel, den Besucher Thorsten Thane ansprach, will Niedermaier mit Geschosswohnungsbau und Nachverdichtung begegnen. „Der Einzelne hat im Moment im Schnitt so viele Quadratmeter zur Verfügung wie noch nie. Da läuft was schief“, sagte er. Auch im eigenen Verwandtenkreis werbe er dafür, dass die Großeltern aus ihren Häusern in barrierefreie Wohnungen umziehen, um Platz für die Enkel mit ihren Familien zu machen – keine einfache Überzeugungsarbeit, wie er zugab.

Die Kritik einer Besucherin, es gebe zu wenige Betreuungsplätze für Kinder, konnte der Landrat nicht nachvollziehen. Bei den Kindertagesstätten habe der gesamte Landkreis „extrem nachgezogen“. SPD-Kreisrat Reiner Berchtold aus Wolfratshausen bestätigte, dass in seiner Stadt alle Kinder versorgt seien. Die Besucherin erklärte, speziell in Geretsried fehlten Hortplätze, was Niedermaier auf den starken Zuzug zurückführte. Das viele Bauen hat auch seine Schattenseiten.

tal

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