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Ein Hoch auf den Volkstanz: Ingeborg Heinrichsen ist die diesjährige Geretsrieder Kulturpreisträgerin. Hier mit Bürgermeister Michael Müller.

Geretsrieder Kulturpreisträgerin Ingeborg Heinrichsen

Ein Leben für den Volkstanz

Geretsried hat einen neuen Kulturpreisträger. Genauer eine Preisträgerin: Ingeborg Heinrichsen. Die knapp 80-Jährige leistet seit „vielen Jahrzehnten wertvolle Kulturarbeit“.

Ingeborg Heinrichsen ist eine „Bewahrerin alter Tänze“ und ein „Abziehbild für die kulturelle Vielfalt, die in Geretsried zum Ausdruck kommt“, begründet Bürgermeister Michael Müller die Vergabe des Kulturpreises an die ehemalige Grundschullehrerin. Deren Liebe galt schon immer der Volkskultur. Insbesondere den historischen Tänzen und der Bewahrung alter Schrittfolgen hat sie einen Großteil ihres Lebens gewidmet. 

1939 in Guben in der Niederlausitz geboren, kam die heute 79-Jährige Anfang November 1945 als „Displaced Person“ zuerst in das zerstörte München und von dort aus nach Münsing am Starnberger See. „Wir waren in der Schwabrucker Straße beim damaligen Postboten Max Will in einem winzigen Zimmer ohne Heizung untergebracht“, erzählt sie. Bald lernte sie in der Dorfschule die ersten bayerischen Lieder kennen und wurde für den Kirchenchor zum Mitsingen eingeladen.

 Seit 1970 ist sie nun in Geretsried beheimatet. „Eigentlich bin ich auch eine Heimatvertriebene, ein Flüchtling“, sagt sie. „Aber es sind nun genau 70 Jahre her, dass das Land zwischen Isar und Starnberger See meine eigentliche Heimat wurde.“ Hier habe sie lieben gelernt, was ihr Leben heute erfüllt: „die alpenländische Landschaft, aber vor allem die Volksmusik, die heimatlichen Lieder und Tänze, das Brauchtum und die bayerische Sprache.“

Die diesjährige Kulturpreisträgerin fühlt sich sowohl als Bayerin als auch als „Europäerin“. Ihre Mutter war Französin. „Mein Vater, ein Berliner, lernte sie in Nizza kennen und nahm sie mit.“ Ihr Großvater war Italiener. Seit dem Tag der Geretsrieder Stadterhebung im Jahr 1970 war Heinrichsen als Tanzlehrerin (damals noch Grundschullehrerin) tätig. Auch Bürgermeister Michael Müller kann sich noch gut an die Tanzveranstaltungen erinnern, als er selbst noch Grundschüler an der Isardammschule war. Während ihrer Lehrerausbildung lernte Heinrichsen den berühmten Musiker und Volksliedsammler Wastl Fanderl kennen. Aus der „Landlergruppe Heinrichsen“ entstand später der Isartaler Volkstanzkreis. Regelmäßig initiierte sie Tanzwochenenden, Seminare und Kurse. Sie organisierte Redouten (Ballsaaltänze), veröffentlichte einige CD’s und Bücher, etwa zur „Münchner Francaise“ und historischen Volkstänzen. Sie repräsentierte Geretsried im Ausland wie etwa in der französischen Partnerstadt Chamalières und in der norwegischen Freundschaftsstadt Eidsvoll. Sie komponierte eigene Tänze und entwarf an die 30 Choreografien selbst. Zudem ist Heinrichsen Mitglied des Münchner Tanzkreises St. Thomas Morus sowie des Tanzkreises „La Morusca“. Neben dem Volkstanz pflegt Heinrichsen auch das (alpenländische) Volkslied. Hier gilt ihre Liebe vor allem den Werken von Herzog Max. Neben der Goldenen Ehrennadel der Stadt Geretsried (2014) erhielt die heute 79-Jährige auch die Ehrenmedaille der Stadt München, die Isar-Loisach-Medaille (2004) sowie im Jahr 2002 den Ehrenpreis der Hanns-Seidel-Stiftung.

Kein Wunder, dass die Mitglieder des Geretsrieder Stadtrates in ihrer Sitzung am 24. November einstimmig entschieden haben, den Kulturpreis 2015 – in Form der Skulptur „Der Gehende“ von Otto Süßbauer – an Ingeborg Heinrichsen zu vergeben. Die Preisverleihung findet am 28. Januar (zwei Tage nach ihrem 80. Geburtstag) im Ratsstubensaal statt.

Roswitha Diemer

Info 

Wer Interesse an alten Tänzen hat, kann sich bei Ingeborg Heinrichsen unter Telefon 0 81 71/60 87 melden. Vor allem die jüngere Generation ist willkommen.

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