Zwei Schülerinnen und ein Professor bauen eine Wetter-Messstation.
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Feinschliff: Prof. Henning Rust von der Freien Universität Berlin hilft den engagierten Schülern, hier Verena Haushofer (Mitte), beim Zusammenbau ihrer Messstationen.

Freiwillig eine Wetterstation im Garten

Dem Klimawandel auf der Spur: Schüler forschen in den Sommerferien

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Ein Forschungsprojekt der LMU und der Bürgerstiftung Energiewende Oberland untersucht die Auswirkungen des Klimawandels im Oberland. Daran beteiligt sind Schüler des Gymnasiums Geretsried und Hohenburg – ganz freiwillig.

  • Starkregen wirkt sich lokal unterschiedlich aus
  • Das erforschen LMU und Energiewende Oberland in einem Modellprojekt
  • Schüler unterstützen die Experten mit 20 eigenen Wetterstationen

Geretsried/Lenggries – Mithilfe einer eigenen Wetterstation im Garten beobachtet Verena Haushofer Sonne und Regen nun ganz genau. Sie kommt nach den Ferien in die zehnte Klasse des St.-Ursula-Gymnasiums Hohenburg und hat sich im vergangenen Schuljahr freiwillig für das Projekt Erhebung- und Kommunikation von (Extrem-) Wetterereignissen, kurz KARE-CS, gemeldet. Sie gehört zu den knapp 20 Schülern aus Lenggries und vom Geretsrieder Gymnasium, die sich in ihrer Freizeit mit dem Klimawandel beschäftigen.

Ursprünglich wollte die Energiewende Oberland (EWO), die das Projekt gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und dem Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin leitet, das Laien-Wettermessnetz mit einer Klasse aufbauen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die EWO umdisponieren und auf Online-Workshops umsteigen. „Es ist toll, wie sich die Gymnasien da engagieren“, lobt Elisabeth Freundl, Mitglied im Vorstand der Energiewende Oberland.

Im Blumenbeet erfassen die Messstationen des Laien-Wettermessnetzes Daten in Geretsried und Lenggries.

Die Schüler von der achten Klasse bis zur Oberstufe, hauptsächlich aus den jeweiligen Umwelt-Arbeitsgemeinschaften, meldeten sich freiwillig. „Ich bin generell an allem interessiert, was mit Wissenschaft zu tun hat“, sagt Verena Haushofer. Es sei spannend, mit einer Uni zusammenarbeiten zu können. Wie ihre Mitschüler erhielt sie einen Bausatz für ihre Wetterstation samt einer 120-Seiten-Anleitung. Das Montieren war „zum Großteil ziemlich einfach, nur bei ein, zwei kniffligen Teilen musste ich meinen Vater dazuholen“, so die Schülerin.

Die insgesamt 20 Messstationen sind laut Freundl im Umkreis von Geretsried und Lenggries verteilt. „Manche stehen im Garten, manche auf dem Schulhof.“ Dort messen sie Lufttemperatur- und feuchte, Strahlung, Luftdruck und Niederschlag. Die Schüler können über eine App jederzeit auf die Wetterdaten zugreifen. Zudem sollen sie persönliche Eindrücke notieren, etwa dass wegen Starkregens Straßen gesperrt werden mussten. Im Herbst erfolgt die Auswertung, bei der die Daten und Eindrücke der Schüler mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes verglichen werden.

Forscher wollen Bürger für das Thema Klimawandel sensibilisieren

Mit dem Projekt wollen die Forscher herausfinden, wie ein Laien-Wetternetz dazu beitragen könnte, Wettervorhersagen besser zu machen, so Freundl. Außerdem sei das Ziel ein Konzept zu entwickeln, um „Bürger für die Auswirkungen des Klimawandels zu sensibilisieren“. Extremwettereignisse wie der Starkregen Anfang August im Oberland seien durch den Klimawandel bedingt, erklärt Freundl mit Blick auf den Stand der Wissenschaft. Zudem wirkten sie sich lokal unterschiedlich aus.

Das erforschen EWO und LMU mit weiteren Partnern im Rahmen von KARE (Klimawandelanpassung auf regionaler Ebene). Die Wettermessungen der Schüler sind ein Schwesterprojekt davon. Für KARE beobachten die Wissenschaftler, wie sich die Klimaänderungen auf die Pilotkommunen Garmisch und Weilheim auswirken. Die erste Messstation in der Nähe der Talstation der Wankbahn stehe bereits, so Freundl. Es gehe darum herauszufinden, wie man mit Extremwetterereignissen umgeht und ein Sturzflutrisikomanagement zu etablieren. „Die Idee ist, Leitfäden mit allgemeingültigen Aussagen für andere Kommunen zu entwickeln“, erklärt Freundl. Das Oberland ist mit KARE eine von sechs Modellregionen der bundesweite Forschungsinitiative RegIKlim (Regionale Informationen zum Klimahandeln).

sw

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