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Verstehen sich gut: Lernpate Dr. Detlev Ringer und sein Patenschüler, ein achtjähriger Bub mit Migrationshintergrund.

Gemeinsam lernt’s sich leichter

Lernpaten unterstützen Geretsrieder Schüler – und alle profitieren davon 

Die Karl-Lederer-Grundschule sucht weitere Lernpaten. Dr. Detlev Ringer ist einer von bisher acht Ehrenamtlichen, die Kindern mit besonderem Bedarf regelmäßig helfen. „Für Schüler und Lehrer ist das eine riesige Entlastung“, sagt Konrektorin Elke Maurus-Goymann.

Geretsried – Dr. Detlev Ringer (68) kommt einmal in der Woche in die Karl-Lederer-Grundschule, um sein „Patenkind“ während des Unterrichts aus der Klasse zu holen. Er geht dann mit ihm den Lernstoff in einem eigenen Raum in aller Ruhe durch. Der achtjährige Bub lebt erst seit zwei Jahren mit seiner Familie in Deutschland und hat noch große Sprachdefizite.

An einem der Vormittage füllen der Lernpate und sein Schüler gemeinsam einen Lückentext aus. Der Bub mit Migrationshintergrund kann mit dem Wort „Axt“ nichts anfangen. Detlev Ringer zeichnet ihm das Werkzeug auf ein Blatt Papier. Ah, jetzt ist seinem Schützling klar, was gemeint ist, und er versteht den Sinn des Satzes.

Am Ende liest der Bub den gesamten Text laut vor. Ringer verbessert die Aussprache an manchen Stellen, lobt die Arbeit. Der Zweitklässler lächelt zufrieden. Weil noch etwas Zeit bleibt, bringt der Pate dem interessierten Schüler weitere Arbeitsgeräte wie Beil und Säge auf Deutsch bei. Mal redet Ringer mit Händen und Füßen, mal zeichnet er, mal umschreibt er. Die beiden haben jedenfalls Spaß am Entdecken neuer Wörter.

Der Bub sei ein ruhiges Kind, das sich im Unterricht oft nicht zu fragen traue, erzählt seine Klassenlehrerin Dorothee Glosauer. Dank der 1:1-Betreuung sei er dabei, gut aufzuholen. Ringer hat im Helferkreis Asyl, in dem er sich ebenfalls engagiert, von dem Projekt Lernpaten erfahren. Da in der Asylbewerberunterkunft ABU I am Robert-Schumann-Weg wegen der wenigen neuen Flüchtlinge im Moment nicht viel zu tun sei, habe er sich entschieden, an der Grundschule zu helfen, erklärt er.

„Wir freuen uns immer über männliche Unterstützung, weil in unserem Bereich doch überwiegend Frauen arbeiten“, sagt Konrektorin Elke Maurus-Goymann. Man versuche dann, den Männern Buben zum gemeinsamen Lernen zuzuteilen. An Voraussetzungen müssten die Lernpaten und -patinnen nur gutes Deutsch, Empathie für Kinder und ein polizeiliches Führungszeugnis mitbringen. Letzteres stelle die Stadt umsonst aus, wenn man sich eine Bestätigung bei der Schule holt.

In der Freizeit etwas Sinnvolles tun 

Die Paten geben auch Förderstunden in Mathematik oder Heimat- und Sachkunde. Je nachdem, wie viel Zeit sie erübrigen können, kommen sie ein- bis zweimal vormittags und/oder nachmittags an die Grundschule.

Ringer ist Rentner. Früher war er Ingenieur und Hochschullehrer im naturwissenschaftlichen Bereich. Er sagt, da er selbst keine Enkelkinder habe, Kinder aber gerne möge, wolle er auf diese Weise etwas Sinnvolles in seiner Freizeit tun. Ob sich aus der Lernpatenschaft, wie von der Schule gewünscht, eine längerfristige Begleitung seines Schützlings entwickelt, kann der 68-Jährige noch nicht sagen. Grundsätzlich sei er aber offen dafür.

Die Schule sucht nach weiteren Ehrenamtlichen. „Bei 420 Schülern, etwa der Hälfte davon mit Migrationshintergrund, ist der Bedarf an Lernpaten groß“, sagt Maurus-Goymann. Wer Interesse hat, meldet sich bei der Schule.

Tanja Lühr

Lesen Sie auch: Was Integration bedeutet - und was nicht

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