Die Tölzerin Heidemarie Piffl (li.) und die Eurasburgerin Elke Holzer vom Christophorus Hozpizverein Bad Tölz-Wolfratshausen.
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Expertinnen in Sachen Letzter Hilfe: Die Tölzerin Heidemarie Piffl (li.) und die Eurasburgerin Elke Holzer vom Christophorus Hozpizverein Bad Tölz-Wolfratshausen.

Kompass für den letzten Weg

Christophorus-Hospizverein bietet Letzte-Hilfe-Kurse an

Wie man Sterbenden umgehen? Wie ihn helfen? Das vermittelt der Christophorus Hospizverein in so genannten Letzte-Hilfe-Kursen.

Bad-Tölz-Wolfratshausen – Fast jeder erwachsene Mensch hat in seinem Leben einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Was man unter Letzter Hilfe versteht, wissen allerdings die wenigsten. In den Kursen, die der Christophorus Hospizverein im Landkreis anbietet, geht es nicht darum, im Notfall Leben zu retten. Die Teilnehmer lernen vielmehr, wie sie einen sterbenden Angehörigen auf seinem letzten Weg würdevoll und angemessen begleiten.

Der Tod sei für viele Menschen immer noch ein Tabu-Thema, meint Elke Holzer vom Hospizverein. „Die Letzte Hilfe ist ein Konzept, mit dem die Menschen geschult werden, wie sie normaler und natürlicher mit dem Tod umgehen können“. Gemeinsam mit der Tölzerin Heidemarie Piffl lehrt die Eurasburgerin Maßnahmen der Letzten Hilfe, die der Palliativmediziner Dr. Georg Bollig entwickelt hat. Der Hintergrund des Konzepts ist einfach erklärt: „Der Großteil der Menschen wünscht sich, zu Hause zu sterben“, erklärt Holzer, „trotzdem sterben die meisten im Krankenhaus“. Viele Angehörige würden sich nämlich mit der Pflege und Betreuung der Sterbenden überfordert fühlen. Das sollen laut Holzer „doch lieber die Experten in der Klinik machen“. Sie hält das für eine verständliche Reaktion, „aber man kann lernen, wie man mit dem Tod umgeht“.

Sterben als Teil des Lebens

In den Kursen bekommen die Teilnehmer erklärt, das Sterben als einen Teil des Lebens zu begreifen. Sie lernen, was sie über Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen wissen müssen. „Das ist für viele Pflegende wichtig, weil sie durch solche Weichenstellungen eben nicht hilflos und dank verschiedener Ansprechpartner nicht alleine sind“, sagt Piffl.

Wer einen Angehörigen in seiner letzten Lebensphase angemessen begleiten möchte, muss die körperlichen, psychischen und sozialen Nöte der Sterbenden verstehen und lindern können – auch das wird in den Kursen des Hospizvereins vermittelt. „Es ist eine große Angst vieler Menschen, dass sie unter Schmerzen und Leid sterben müssen“, weiß Holzer. Wer sich in der Letzten Hilfe auskennt, kann seinen Angehörigen diesen Weg erleichtern. „Man muss kein Mediziner sein, um in vielen Fällen zu helfen“, so die erfahrene Hospizbegleiterin weiter. In kniffligen Momenten sei es besonders wichtig, ruhig und besonnen mit der Situation und dem Thema Tod umzugehen.

Um zu helfen, muss man kein Mediziner sein

Das hört sich leichter an, als es den meisten Angehörigen bei einem geliebten Menschen fällt. Holzer, von Beruf Krankenschwester, hätte selbst „nie gedacht, dass mich das Thema Tod einmal stark belasten würde“. Im familiären Kreis machte sie jedoch genau die Erfahrung, die viele Menschen durchleben, wenn ein geliebter Angehöriger stirbt. Der Perspektivwechsel hat ihr etwas aufgezeigt: „Trauer gehört zum Abschiednehmen dazu.“ Im geschützten Rahmen der Kurse können die Teilnehmer Erfahrungen austauschen, Trauer zulassen, und „dann fließen schon mal Tränen“.

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Schwermütig laufen die vier Kursstunden trotzdem nicht immer ab. „Wir versuchen, das Thema normaler zu machen und als etwas Natürliches zu behandeln“, bekräftigt Piffl. Die beiden Kursleiterinnen betonen zudem, was diese Arbeit einem geben kann: „Es erfüllt einen mit einer tiefen Demut und Dankbarkeit, jemanden auf dem letzten Weg zu begleiten.“ Das gelte übrigens auch dann, „wenn es unglaublich traurig ist“.

Letzte Hilfe Kurse

Der Christophorus Hospizverein Bad Tölz-Wolfratshausen bietet in regelmäßigen Abständen Kurse am Neuen Platz Geretsried an. Am Freitag, 13. November, gibt es noch freie Plätze. Weitere Infos unter Ruf 0 81 71/ 99 91 55

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