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Mit ihren Gestecken hat Franziska Strobl die Jury in Berlin überzeugt.

Sie blieb sich und dem Motto treu

Mit Fantasie zum Erfolg: Geretsrieder Floristin wird Dritte bei Deutscher Meisterschaft

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„Be real“ war das Thema der Deutschen Meisterschaft der Floristen. Franziska Strobl aus Geretsried ist dem Motto und sich selbst treu geblieben – und hat es so auf Platz 3 geschafft.

Geretsried/Berlin – Franziska Strobl liest und ist ratlos. „Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ Zu diesem Zitat von Physiker Albert Einstein soll die 27-Jährige ein Blumenarrangement kreieren, nur mithilfe von Pflanzen und Dekoartikeln wie Filz, Schaumstoff und Draht. Die Inhaberin der „Stroblume“ fackelt nicht lange und legt los. In 90 Minuten verbiegt sie Drähte, drapiert pinke Blüten neben grünen Blättern und lässt so ein kunstvolles Gesteck entstehen.

„Was genau meine Absicht war, weiß ich gar nicht mehr genau“, sagt Strobl im Nachhinein und lacht. „Ich habe weniger Wert auf Wissen gelegt, sondern meiner Fantasie freien Lauf gelassen.“ Das war kein Fehler: Mit dem Ergebnis der Überraschungsaufgabe hat die Geretsriederin überzeugt – ebenso wie mit den anderen Beiträgen. Franziska Strobl schaffte es bei der Deutschen Meisterschaft der Floristen in Berlin auf den dritten Platz.

Als Strobl, die am Montag auf dem Rückweg in die Heimat war, die Geschichte am Telefon erzählt, klingt sie ein bisschen erschöpft, aber überglücklich. „Das ist mehr, als ich je erwartet hätte.“ Mit einem Platz im guten Mittelfeld hatte die Bayerische Landesmeisterin gerechnet, umso überraschter war sie, als die Jury sie am Samstagabend als Drittplatzierte im Bundeswettbewerb nannte.

Wie berichtet reiste Strobl am vergangenen Wochenende in die Bundeshauptstadt, um dort gegen neun Mitstreiter anzutreten. Im Gepäck ihre Eltern, eine Mitarbeiterin und jede Menge Blumen und Utensilien, passend zum Wettbewerbsthema „Be real“ – „Sei echt“. „Die fünf Aufgabenstellungen verlangten, sich selbst treu zu bleiben und sich nicht nach Internet-Idealen zu richten“, erklärt Strobl. Gleichzeitig sollten virtuelle Welten und Realität miteinander verknüpft werden.

Vier der fünf Wettbewerbsaufgaben waren den Teilnehmern bereits seit mehreren Wochen bekannt. Neben dem Tagesgeschäft noch Zeit und die Muße zu finden, sich damit auseinanderzusetzen, sei nicht immer einfach gewesen. „Am Anfang konnte ich mit den Themen nicht viel anfangen“, gibt Strobl zu. Doch nach und nach entwickelte sie Ideen. Zum Motto „Welche Hashtags bewegen die Welt?“ überlegte sie sich das Schlagwort Upcycling. „Aus Alt mach’ Neu – das ist gerade ja ein großes Thema“, sagt Strobl. Sie organisierte vier alte Kabeltrommeln aus Holz, stapelte sie übereinander, verband die Konstruktion mit rostigem Weidezaun und ließ Blumen daran emporranken. „Zum Bewässern habe ich gebrauchte Kaffeefilter verwendet. Meine Freunde mussten zuvor viel Kaffee trinken“, sagt sie schmunzelnd.

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Für einen Strauß zum Thema „Perfekt unperfekt“ nahm die Geretsriederin die Korkenzieherhasel als Gerüst. „Mit den schönen Schnörkeln schaut das Gewächs für uns perfekt aus. Dabei entsteht diese Form eigentlich wegen einer Krankheit.“ Dazu arrangierte die Floristin getrocknete Pflanzen. „Von uns wird immer Perfektion erwartet, dabei arbeiten wir mit vergänglichem Material.“ Außerdem gestalteten Strobl und ihre Konkurrenten eine florale Raumkonstruktion und einen Tischschmuck.

All das geschah nicht nur unter den kritischen Augen von Fachleuten, sondern auch unter Beobachtung von neugierigen Passanten. Denn der zweitägige Wettbewerb, den der Fachverband Deutscher Floristen zusammen mit der Fleurop AG veranstaltete, fand in einem Einkaufszentrum am Potsdamer Platz in Berlin statt. „Man ist so konzentriert, dass die Zuschauer egal sind“, sagt Strobl.

Als die zehn Teilnehmer, zwei Männer und acht Frauen, nach getaner Arbeit auf die Preisverleihung warteten, machte sich bei Strobl kaum Nervosität breit. „Ich war einfach froh, dass alles geschafft ist. Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.“ Noch froher war die Geretsriederin, als die Jury die Ergebnisse verkündete und sie es nach Michael Liebrich aus Baden-Württemberg und Heiko Steudtner aus Sachsen als Dritte auf das Treppchen schaffte.

Die Urkunde und den Berliner Bär, die Strobls Leistung würdigen, werden ein schönes Plätzchen im Blumenladen an der Sudetenstraße bekommen. Ein Fachmagazin hat sich schon angekündigt, um über die Geretsriederin und ihre Leidenschaft zu berichten. Ansonsten wird sich in der „Stroblume“ wohl nicht sehr viel verändern. Franziska Strobl bleibt sich selbst treu – ganz nach dem Motto „Be real.“ mh

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