Ivo Neubert trainiert Viertklässler auf dem Geretsrieder Übungsplatz.
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Da lang: Ivo Neubert trainiert Viertklässler auf dem Geretsrieder Übungsplatz.

Die Sache mit dem „anderen Rechts“

Mit Viertklässlern in der Verkehrsschule

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Polizeihauptmeister Ivo Neubert bringt Viertklässlern auf dem Verkehrsübungsplatz in Geretsried die Verkehrsregeln bei. Er ist Nachfolger von Hans-Peter Eidenschink.

Geretsried – Auf dem Verkehrsübungsplatz am Robert-Schumann-Weg wuselt es nur so. 24 Viertklässler aus Egling ziehen hier mit Fahrrädern ihre Runden, üben, wie man Zeichen beim Abbiegen gibt, sich im Kreisverkehr oder an einem Hindernis verhält. Mittendrin: Hans Krey und Ivo Neubert von der Jugendverkehrsschule. Letzterer ist der Nachfolger von Hans-Peter Eidenschink, der nach 16 Jahren kürzer treten wollte.

„Es macht absolut Spaß, jede Klasse ist anders“, sagt Neubert. Ein Junge radelt mitten auf der Fahrbahn. „Rechts am Fahrbahnrand bleiben“, mahnt der Polizeihauptmeister. Der Zehnjährige zieht stattdessen sein Fahrrad Richtung Mittelstreifen. „Das ist links“, schaltet sich Neubert erneut ein und deutet in die andere Richtung. „Ich meinte sozusagen das andere Rechts.“ „Ach so“, bedankt sich der Schüler und fährt brav an den Straßenrand. Neubert blickt ihm hinterher. „Schon klar, die Aufregung“, zeigt er Verständnis, „die erste Fahrstunde, die Polizei – und dann schaut auch noch die Presse zu.“ Nichtsdestotrotz: Bis zur Fahrradführerschein-Prüfung muss muss es sitzen, bis dahin sollte jedes Kind fit für den Straßenverkehr sein.

Rund 1300 Viertklässler aus dem Landkreis werden auf Übungsplätzen in Geretsried, Kochel und Bad Tölz trainiert, um sich später mit ihren Rädern sicher im Verkehr zu bewegen. „Die Praxis ist einfach wichtig, gibt Sicherheit.“ Zudem werden bei den Übungen auch die Koordination und das räumliche Sehen trainiert. „Zwei Punkte“, betont Krey, „die nicht zu unterschätzen sind.“

Im Prinzip hatte Neubert schon immer ein wenig mit der Verkehrserziehung geliebäugelt. Das begann während seiner Ausbildung in Sachsen. „Damals, 1998 im Praktikum, durften wir in die verschiedenen Bereiche hineinschnuppern“, erinnert er sich. „Ich weiß noch gut, wie die Kinder damals noch in einer Turnhalle ihre Runden gedreht haben – und mir hat es einfach Spaß gemacht, mit ihnen zu arbeiten.“

2002 wechselte Neubert nach Bayern, verrichtete seinen Dienst in München, war später für sechseinhalb Jahre in Grünwald. „Als der Klapperstorch bei uns Halt gemacht hat, habe ich mich von München ins Oberland beworben“, erinnert er sich, „und bin in Geretsried gelandet.“ Neun Jahre ist das nun her, in denen Neubert im Streifendienst hauptamtlich tätig war, aber bereits auch schon die vergangenen Jahre Vorschul- und Ferienpasskinder betreute.

Dass sein jetziges Arbeitsfeld neben Fahrradunterricht, Schulwegtraining, Jugendverkehrserziehung und Ausbildung der Verkehrshelfer auch einige Überraschungen bereit hält, merkte der junge Vater kürzlich: „Drei Klassen aus Wolfratshausen nahmen im Unterricht wohl das formelle Briefeschreiben durch“, erzählt er und lacht. „Und da schrieben sie eben an mich – mit Betreff, Anschrift, Absender und einer Menge Fragen.“ Neubert ging darauf ein und antwortete ebenso förmlich.

Inzwischen ist die Übungsstunde zu Ende. Die Kinder stellen die Räder zurück. „Und was machen wir das nächste Mal?“, will ein Mädchen wissen. Neubert muss nicht lange überlegen. „Linksabbiegen und Verkehrszeichen.“  

sh

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