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Fast jeder hat einen Migrationshintergrund. Das verdeutlichte spielerisch Tina Lachmayr von der Fachstelle für Interkulturelle Kompetenzentwicklung in München.

Integrationsforum in Geretsried

Miteinander gegen Missverständnisse

Geretsried – Um interkulturelle Öffnung ging es beim siebten Integrationsforum. Am Montagabend wurde deutlich, dass viele Probleme mit Zuwanderern durch Missverständnisse entstehen.

Grundschullehrerin Heidi Dodenhöft wundert sich manchmal, wenn Eltern von Migrantenkindern ihr in der Sprechstunde gegenüber sitzen und während des Gesprächs nur auf die Tischplatte schauen. Sie empfinde dies als Unhöflichkeit, erzählte sie beim Integrationsforum in der Mensa der Karl-Lederer-Schule. Die Referentin des Abends, Tina Lachmayr von der Fachstelle „Interkulturelle Kompetenzentwicklung, IQ–Netzwerk Kommunikation durch Qualifizierung“ in München, erklärte, dass Blickkontakt ein typisch deutsches Verhalten sei: „Wir gelten im Ausland als Gaffer. In anderen Kulturen sieht man Älteren nicht direkt in die Augen.“

Dieses Beispiel zeigt, wie eine ungute Atmosphäre entstehen kann, nur weil man die Gepflogenheiten anderer Völker nicht kennt. Dodenhöft meinte, sie fände es gut, wenn Lehrer mehr über interkulturelle Kommunikation wüssten. IQ bemüht sich nicht nur um Deutschkurse und den Zugang zum Arbeitsmarkt für Zuwanderer. Die Organisation bietet auch Seminare für Vereine, Schulen und andere Interessierte an mit dem Ziel, das gegenseitige Verständnis zu fördern.

Was man in den Kursen lernt, umriss Tina Lachmayr kurz. Wichtig sei die Bereitschaft, sich für das Neue zu öffnen. Spiegelt sich die Ausländerfreundlichkeit einer Stadtverwaltung, eines Unternehmens in der Anzahl ihrer Beschäftigten mit Migrationshintergrund wider? Wird Asylbewerbern in Vereinen und Organisationen die Teilhabe ermöglicht? All dies müsse sich die Gesellschaft fragen.

In Geretsried gelingt die Eingliederung von Menschen aus anderen Ländern bekanntermaßen seit Jahrzehnten gut. Dies ist in jüngster Zeit vor allem der beim Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit angesiedelten Koordinationsstelle „Integration aktiv“ unter der Leitung von Dagmara Sosnowska zu verdanken, aber auch den extra geschaffenen Personalstellen für das Thema Asyl im Rathaus.

„Wir sind bunt und werden noch bunter“, sagte Bürgermeister Michael Müller in seinem Grußwort. In dem Zusammenhang bedankte er sich für die überwältigende Teilnahme an der Gegenveranstaltung zur Kundgebung der Alternative für Deutschland (AfD) Anfang März auf dem Neuen Platz. Dort standen 150 AfD-Anhängern gut 1200 Demonstranten gegenüber. „Das ist halt auch Geretsried“, sagte Müller stolz.

Um das Miteinander der Kulturen noch mehr zu stärken, wurden in Workshops zwei Ideen geboren: ein interkulturelles Tanzfest und ein internationales Buffet. Die Sozialreferentin des Stadtrats und ehrenamtliche Asylbewerber-Betreuerin Sonja Frank gab allerdings zu bedenken, dass sich die wenigsten Asylbewerber trauen würden, ihre Tänze öffentlich aufzuführen. Dies brauche noch etwas Zeit.

Der Streetworker des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit, Michael Mock, berichtete von einem interkulturellen, kulinarischen Fest in seiner Heimatstadt Münster, das sehr gut ankomme: „Es wäre einen Versuch wert in Geretsried.“ Die aus Einheimischen, schon länger in der Stadt lebenden Migranten und Flüchtlingen bestehende Jugend versucht Mock vor allem durch Sport zusammenzubringen. Auch das soll mit Hilfe der Koordinationsstelle „Integration aktiv“ ausgebaut werden.

von Tanja Lühr

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