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Retter des Präsenzunterrichts? Mobile Luftfilter in Klassenräumen sind umstritten. Geretsried hat sich dagegen entschieden.

Stadtratsausschuss sieht keinen Mehrwert

Mobile Luftfilter für Geretsrieder Schulen abgelehnt

Für den Bürgermeister und die Mehrheit des Haupt- und Finanzausschusses war die Sache klar: Sie sehen in mobilen Luftfiltergeräten keinen Mehrwert für Schüler.

Geretsried – Die Stadt wird vorerst keine mobilen Luftreinigungsgeräte für ihre beiden Grund- und Mittelschulen anschaffen. Der Haupt- und Finanzausschuss sprach sich in seiner Sondersitzung am Dienstag stattdessen dafür aus, die Ausstattung mit stationären raumlufttechnischen Anlagen (RLT) voranzutreiben. In manchen Klassenräumen gibt es solche Geräte bereits (siehe Kasten).

Die Diskussion über mobile Luftfilteranlagen an Schulen wird angesichts der Corona-Pandemie derzeit landauf, landab geführt. In Geretsried hatten sich SPD und Geretsrieder Liste in einem Antrag für deren Anschaffung eingesetzt. Bürgermeister Michael Müllers (CSU) Hauptargument gegen eine Investition in diese Technik war, dass nicht abschließend geklärt sei, ob sie einen Vorteil bringen. „Es geht nicht darum, dass wir nichts machen wollen“, sagte der Rathauschef. „Wenn mir eine Garantie von der Staatsregierung bekommen würden, dass Distanzunterricht und Maskenpflicht wegfallen, würden wir sofort mobile Luftfiltergeräte kaufen.“ So ähnlich lautete am Ende auch der Beschluss des Gremiums. Dagegen stimmten Dr. Elmar Immertreu (Geretsrieder Liste), Hans Hopfner (SPD) sowie Martina Raschke und Dr. Detlev Ringer (beide Grüne).

Mobile Luftfilter sorgen für lebhafte Diskussion im Ausschuss

Vorangegangen war eine lebhafte Diskussion unter den Ausschussmitgliedern. Den Standpunkt von Martina Raschke wollte Müller trotz mehrerer Anläufe partout nicht verstehen. Die Stadträtin meinte: „Eine Garantie haben wir seit Beginn der Pandemie für gar nichts.“ Es gehe darum, vorbereitet zu sein, falls Sonderregeln kommen.

Hans Hopfner verwies auf Bayerns Kultusminister Michael Piazolo und Ministerpräsident Markus Söder. Sie hätten die Kommunen vor Wochen aufgefordert, mobile Luftfiltergeräte anzuschaffen. „Das sind doch keine Dumpfbacken. Entschuldigung, wenn ich das so sage.“ Wie von der Verwaltung vorgeschlagen auf RLT-Anlagen zu setzen, sei schön und gut. Hopfner: „Aber es geht darum, dass im Herbst etwas passiert.“

Stadt orientiert sich an Empfehlungen des Umweltbundesamts

Mit Blick auf die Lieferzeiten „glaube ich nicht, dass wir auf die Schnelle Geräte herbekommen würden“, warf Ewald Kailberth (CSU) ein. Heiko Hawla (Freie Wähler) warnte davor, durch Lüftungsanlagen falsche Sicherheit vorzugaukeln. Auch für Sabine Lorenz (CSU) überwogen die Nachteile. „Vor allem, weil wir in der glücklichen Lage sind, dass wir lüften können“, sagte sie.

Die Nachteile hatte Verwaltungsmitarbeiterin Kerstin Pratzel ausführlich dargestellt. Sie bezog sich vor allem auf Aussagen des Umweltbundesamts. Nach diesen wolle sich die Stadt nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt in Bad Tölz richten, erklärte Müller. Gegen die mobilen Geräte spreche, dass es noch keine Zertifizierung für sie gebe, dass sie regelmäßig durch Fachpersonal gewartet werden müssten und dass sie Lärm verursachen würden. Vor allem aber müsste trotzdem regelmäßig gelüftet werden. „Die Kälte ist das Hauptproblem für die Kinder“, berichtete Pratzel. Angesichts dessen fürchtete Zweite Bürgermeisterin Sonja Frank (FW) für Steuergeld nur späteren Elektroschrott zu kaufen. „Kalt wird’s mit oder ohne Gerät.“

Elmar Immertreu schlug vor, wenigstens mal das eine oder andere mobile Gerät auszuprobieren. Damit erklärte sich der Rathauschef einverstanden. Anschließend wolle er berichten. Müller: „Wenn tatsächlich ein Nutzen festgestellt ist, brauchen wir nicht mehr zu diskutieren.“

An den Schulen sind 31 Lüftungsanlagen in Betrieb

Die Stadt Geretsried ist Sachaufwandsträgerin für die Isardamm-Grundschule, die Adalbert-Stifter-Mittelschule sowie die Karl-Lederer-Grund- und Mittelschule. Insgesamt kommen 107 Klassen- und Fachräume zusammen. Laut Bürgermeister Michael Müller fallen sie alle unter die Kategorie 1, in der laut Umweltbundesamt kein Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten notwendig ist. Dort sei ein Luftaustausch durch regelmäßiges Stoß- oder Querlüften oder durch raumlufttechnische Anlagen (RLT) gewährleistet. Dies werde mit CO2-Messgeräten überprüft. Auf Nachfrage von Dr. Detlev Ringer (Grüne) ergänzte Rathausmitarbeiterin Kerstin Pratzel, dass die Stadt 20 Stück pro Schule angeschafft habe, die durchgereicht werden.

Das Problem, dass in den Wintermonaten die Raumtemperatur durch regelmäßiges Lüften absinkt, könnte man laut Roswitha Foißner, Energiemanagerin der Stadt, nur mit RLT-Anlagen mit Wärmerückgewinnung in den Griff bekommen. Sie seien „die nachhaltigste Maßnahme zur Verbesserung der Innenraumlufthygiene“, zitierte sie das Umweltbundesamt. 31 Anlagen gibt es insgesamt an den Geretsrieder Schulen. Am besten ausgestattet ist die Karl-Lederer-Grundschule mit einer zentralen Lüftungsanlage. Im Altbau der Isardamm-Grundschule und in der Adalbert-Stifter-Mittelschule müssten jeweils 20 Räume nachgerüstet werden. Letztere soll saniert werden. Den Einbau von RLT-Geräten könnte man laut Foißner aber vorziehen. In der Karl-Lederer-Mittelschule gibt es in der Turnhalle und in den Toiletten Abluftanlagen, in den 25 Klassenräumen nicht.

sw

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