200 Gramm Marihuana hatte der Angeklagte in Geretsried gekauft.
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200 Gramm Marihuana hatte der Angeklagte in Geretsried gekauft.

Nach Drogeneinkauf in Geretsried

Prozess am Amtsgericht: Münchner schwört den Drogen ab

  • vonRudi Stallein
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Mit 200 Gramm Marihuana ist ein Münchner am S-Bahnhof Wolfratshausen erwischt worden. Jetzt reicht es ihm. Vor Gericht schwor er, dass er in Zukunft clean bleiben will.

Geretsried – Wenig Spaß hatte ein Münchner (47) an den knapp 200 Gramm Marihuana, die er am 9. Januar dieses Jahres gegen 15.20 Uhr bei einem Dealer in Geretsried erwarb. Nur eine knappe Stunde nach seinem Großeinkauf wurden ihm die zwei Tüten Cannabis von der Polizei wieder abgenommen, als er in Wolfratshausen in die S-Bahn steigen wollte. Nun musste sich der gelernte Heizungsbauer wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie Handeltreibens mit selbigen vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten.

Zwar konnte ihm Drogenhandel nicht nachgewiesen werden, dennoch wurde der Münchner zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungschance hatte sich der Angeklagte mit „entwaffnender Offenheit“, wie Verteidiger Hartmut Girshausen den Auftritt seines Mandanten vor dem Schöffengericht beschrieb, verdient. Und dass trotz eines Vorstrafenregisters, das „kein Ruhmesblatt“ sei.

Das letzte Jahr war für extrem schwierig

Bereits neun Mal beschäftigte der 47-Jährige die Justiz, davon mehrmals wegen Drogendelikten. „Das war’s jetzt für mich mit diesem Thema“, beteuerte der Angeklagte, dem die Verhaftung auf dem S-Bahnhof wie ein Déjà-vu vorgekommen sein muss. Schon in seinem ersten Betäubungsmittelverfahren, als Heranwachsender, vor rund 20 Jahren, sei ihm das Zeug gleich nach dem Einkauf abgenommen worden. „Damals war es jugendlicher Leichtsinn. Aber es zieht sich durch mein Leben“, räumte der Beschuldigte ein, betonte aber auch, „zwischendurch immer mal ‘ne Zeit lang clean“ gewesen zu sein. „Das letzte Jahr war schwierig“, begründete der 47-Jährige seinen jüngsten Rückfall. Er habe eine erschreckende medizinische Diagnose erhalten, im Sommer habe sein bester Freund Suizid begangen, dann erkrankte die Mutter schwer. Er verlor seinen Job.

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Ins Visier der Kripo war der Handwerker geraten, weil die Rauschgiftfahnder das Handy des Dealers überwacht hatten. Dort hatte der Münchner seinen Besuch einen Tag vor der Übergabe angekündigt. Wegen der großen Menge, die bei ihm sichergestellt worden war, ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass zumindest ein Teil des Marihuanas zum Weiterverkauf bestimmt gewesen sei. „Aber wir haben bei der Handyauswertung nichts gefunden, dass auf Handeltreiben hinweisen würde“, sagte ein Kripobeamter.

Das Urteil: 18 Monate Haft auf Bewährung

„Das wäre mein Vorrat für ein Dreivierteljahr oder Jahr gewesen“, erklärte der Angeklagte. Seit der Kontrolle am 9. Januar sei er „komplett sauber“. Sein Verteidiger bestätigte dies – zumindest für den Moment –, indem er dem Gericht negative Drogentests aus den vergangenen Monaten vorlegte.

Die wird der Beschuldigte auch in den nächsten Jahren regelmäßig benötigen. Denn zu seinen Bewährungsauflagen gehört, dass er während der vierjährigen Bewährungszeit „jeden Drogenkonsum zu unterlassen und dies durch Screenings nachzuweisen hat“, wie Amtsrichter Helmut Berger betonte. Außerdem muss der Verurteilte 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen und eine bereits begonnene ambulante Psychotherapie fortsetzen.

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