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In memoriam: 20 Musiker gedachten im Hi nterhalt des verstorbenen Schlagzeugers Oskar Pöhnl. Der Live-Stream wurde mehr als 1600 Mal angeklickt. Foto: Peter Herrmann

Ein letztes Stamperl auf Oskar Pöhnl

Musiker gedenken per Online-Konzert verstorbenem Schlagzeuger

  • vonPeter Herrmann
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Vor Kurzem starb unerwartet der Jazz-Drummer Oskar Pöhnl. Ihm zu Ehren gaben 20 Weggefährten im Geltinger Hinterhalt ein Konzert per Live-Stream. 

Gelting – Es war angesichts der strengen Corona-Auflagen zweifellos ein Wagnis – und nicht nur für die Techniker eine Herausforderung: Rund 20 Musiker aus verschiedenen Bands erinnerten am Samstagabend im Rahmen der Live-Stream-Reihe des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) im Hinterhalt mit Songs und Anekdoten an das Leben ihres Weggefährten Oskar Pöhnl.

Als zwölftes Kind einer Arbeiterfamilie wurde Oskar Pöhnl 1951 in der Oberpfalz geboren. Schon in jungen Jahren erwarb sich der Blues-Drummer den Ruf eines „Shuffle-Königs“. Später begleitete er unter anderem Blues-Größen wie Louisiana Red, Champion Jack Dupree und Tommy Tucker. Seit den 1990er Jahren führten ihn Auftritte mit den Stimulators regelmäßig in die Kulturbühne Hinterhalt. „Er war der Einzige, der immer mit Anzug und Hemd bei uns sein Schlagzeug aufgebaut hat“, erinnert sich Hinterhalt-Betreiberin Assunta Tammelleo. Ihr ehemaliger Lebensgefährte Wolf Steinberger erhob zu Beginn der Aufzeichnung ein Stamperl Schnaps auf Pöhnl. Denn der verstorbene Musiker war – wie Stimulators-Bassist Uli Lehmann später im Gespräch mit unserer Zeitung erzählte – ein „charmanter Alkoholiker“. Auf nächtlichen Autofahrten zu weit entfernten Auftrittsorten besorgte er sich an Tankstellen oft Weinbrand-Fläschchen und unterhielt die Bandmitglieder im Tourbus mit philosophisch geprägten Erzählungen. „Er konnte über alles Mögliche referieren und war der beste Beifahrer der Welt“, ergänzte Bandleader Peter Schneider. Passend zu seinem überraschenden Tod spielten die Stimulators den Song „Man Overboard“.

Seit seiner Jugendzeit kannte Al Jones den Verstorbenen. Der Sohn eines schwarzen GIs und einer Deutschen trat mit Pöhnl später in ganz Europa auf. „Wir haben mit 16 Jahren unsere erste Band gegründet und dann einfach weitergemacht“, berichtete Jones vor seinem Auftritt. Bald verfeinerte Pöhnl seine Shuffle-Technik und überraschte bei einem Auftritt der Stimulators in der amerikanische Blues-Metropole Chicago sogar alteingesessene Spitzenkönner. „Die haben alle gestutzt: Da kommen Typen aus Deutschland, die den Chicago-Blues mindestens so gut wie die Einheimischen spielen“, erinnerte sich Lehmann.

Nach einem Kurzauftritt von Williams Wetsox, deren Sänger und Gitarrist Williams Fändrich rund 40 Mal mit Pöhnl musiziert hat, kam sogar das alte Hinterhalt-Klavier zum Einsatz. „Es musste am Nachmittag gestimmt werden, damit Christian Willisohn darauf spielen konnte“, verriet Tammelleo. Die über zweistündige Aufzeichnung endete mit einem von Peter Schneider zusammengestellten Dokumentarfilm, der die besten Fotos und Musikaufnahmen von Oskar Pöhnl präsentierte.

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Die Resonanz war bereits während der Übertragung groß: Über 1600 Aufrufe verzeichnete der Kulturverein – so viele wie bei keiner der bislang zwölf Live-Streams-Veranstaltungen. Zudem gingen zahlreiche Spenden – teilweise im dreistelligen Bereich – ein. „Damit können wir eine würdige Beerdigung des Musikers finanzieren“, freute sich Tammelleo. Alle Künstler verzichteten auf ihre Gagen. 

ph

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