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Home-Schooling: (v. li.) Jasper, Moritz und Jonathan Kübler mit ihrer Mama und Aushilfslehrerin Jennifer. 

Unterricht dahoam

Nach zwei Monaten endet das Home-Schooling bei Familie Kübler teilweise

Zurück bei Familie Kübler in Geretsried: Nach zwei Monaten endet das Home-Schooling teilweise.

Geretsried – Seit Wochen haben Jasper und Jonathan Kübler ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Ihr Bruder Moritz geht inzwischen wieder in den Unterricht, allerdings unter besonderen Bedingungen. Nach zwei Monaten im Home-Schooling fällt es den Brüdern immer schwerer, sich für ihr Homeoffice zu begeistern – und auch für die Eltern wird die Situation zunehmend zu einer Belastung.

Moritz besucht die vierte Klasse der Karl-Lederer-Grundschule. Der Zehnjährige und seine Kameraden waren die ersten, die die Einrichtung wieder besuchen dürfen, wenn auch unter verschärften Hygienemaßnahmen: Die 23-köpfige Klasse wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, um ausreichend Abstand zwischen den Kindern zu schaffen. Moritz’ Gruppe darf täglich von 8 bis 10.15 Uhr die Schulbank drücken, die andere von 10.45 bis 13 Uhr. Er selbst freut sich: „Das ist besser, als zu Hause lernen zu müssen, auch wenn es im Moment noch ein bisschen komisch ist.“

Freundschaften müssen vormittags ruhen

Von einem normalen Schulalltag sind seine zweistündigen Besuche nämlich ein gutes Stück entfernt: „Wir haben viel Abstand zueinander, wenn wir auf unserem Platz sind.“ Sobald man aufstehen möchte, um zum Beispiel auf die Toilette zu gehen, muss man seine Maske anziehen. Auch wenn sich die Kinder vor der Schule treffen, und auf festgelegten Positionen – alle mit mindestens 1,5 Metern Abstand zueinander – darauf warten, dass die Schule öffnet, tragen die Viertklässler ihre Masken. 

Die Schulfreundschaften müssen vormittags ruhen. Es gibt keine Pausen, in denen die Kids miteinander spielen könnten. Einen Sitznachbarn haben sie auch nicht. Freunde zu treffen ist nur nachmittags möglich, da dürfen sich Kinder seit ein paar Wochen wieder zum Spielen treffen.

„Die Regeln in der Schule funktionieren bisher ganz gut“, erzählt Moritz am Küchentisch, den seine beiden Brüder noch immer regelmäßig als Schreibtisch nutzen. Jasper (11) und Jonathan (13) warten nämlich noch auf ihren Schulbesuch. Jasper freut sich „sogar darauf – so sehr, wie man sich halt auf die Schule freuen kann“.

Die wenigsten Schüler hätten vor ein paar Monaten geahnt, dass sie einmal gerne in ihre Klassenzimmer gehen, um Gleichungen zu lösen oder Grammatik zu pauken. Jasper glaubt, „dass vor allem die ersten Tage wieder gut werden“. Ab dem 25. Mai darf der Elfjährige für ein paar Tage zurück ans Geretsrieder Gymnasium.

Schriftliche Übersicht über Hygieneregeln  

Alle Eltern erhielten vorab eine Übersicht über die Hygieneregeln per E-Mail, um ihre Kinder darauf vorzubereiten. „Der neue Alltag – auf dem Pausenhof und in der Schule – wird leider ganz anders aussehen als bisher“, sagt Mutter Jennifer Kübler. Dennoch: Der Neustart an den Schulen – und vor allem das Fußballtraining, das der passionierte Kicker Jasper dann ebenfalls endlich wieder besuchen darf – stellen eine willkommene Abwechslung zum Home-Schooling-Alltag dar.

Die nun zehn Wochen daheim sind nämlich – anders als vielleicht von einigen erhofft – keine Ferien und schon gar keine Erholung. Täglich lernen die beiden Älteren mehrere Stunden Mathe, Deutsch oder Französisch. Jonathan beschäftigt sich an seinem Laptop mit Physik. Ihm fällt es „vor allem schwer, wenn wir komplett neue Themen alleine bearbeiten sollen“. Ist der Lernstoff komplex, sind auch seine Eltern gelegentlich überfragt. Der 13-Jährige hofft deshalb, „dass wir das alles in der Schule nochmals mit den Lehrern besprechen und wiederholen können“. Der jüngere Jasper liegt „gut in der Zeit“. Ein paar Vokabeln hat er noch zu lernen, dann ist sein Tagessoll erfüllt. „Danach habe ich Zeit für Sachen, die mir mehr Spaß machen“, sagt er, als er sich verabschiedet.

Home-Schooling nicht so schlimm wie oft dargestellt

Ganz so schlimm, wie manche Schüler die Situation darstellen, empfindet sein Bruder Jonathan das Home-Schooling trotz relativ fader Ferien und massig Lernstoff nicht: „Manchmal kriegt man ja bei Berichten das Gefühl, dass das völlig dramatisch ist. Aber eigentlich läuft es ganz gut.“ Ein Vorteil des Unterrichts daheim fällt den drei Buben schon ein: Sie müssten nicht mehr um 6.30 Uhr aufstehen, um pünktlich in die Schule zu kommen. Jonathan findet es „schön, auch mal bis acht Uhr schlafen zu können“. Er weiß aber auch, dass in einigen Familien die technische Ausstattung fehlt, um zu Hause komfortabel lernen zu können. Er selbst arbeitet alle Themen ab, die die Lehrer ihm per Mail auftragen. Ob das alle in seiner Klasse so machen, weiß er nicht.

Es könnte also durchaus sein, dass das Leistungsniveau innerhalb einer Klasse unterschiedlich ist. „Wenn die Eltern jeden Tag in die Arbeit fahren müssen und die Kinder tagsüber nicht zum Lernen motivieren oder ihnen helfen können, werden die mit erheblichen Lücken zurück in die Schule kommen“, befürchtet Jennifer Kübler. Sie arbeitet seit einigen Wochen hauptsächlich im Homeoffice und fungiert quasi im Nebenjob als Lehrerin für ihre drei Söhne.

Nach den Pfingstferien Schule für alle

Nach den Pfingstferien ist damit aber Schluss – dann darf auch der älteste der drei Brüder zurück in die Schule. „Wir freuen uns sehr, wenn alle wieder in den Alltag zurückfinden und wir Eltern uns wieder auf ganz andere Bereiche unserer Kinder konzentrieren können, als nur auf das Lernen und Abfragen von Schulstoff“, sagt Jennifer Kübler. Den Job als Aushilfslehrerin möchte sie nämlich gerne wieder an den Nagel hängen.

Dominik Stallein

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