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Baggern und betonieren: Am Karl-Lederer-Platz wird derzeit an der Tiefgarage gebaut.

Zentrumsgestaltung

Parken in der "Neuen Mitte": Was sich Gewerbetreibende und Polizei wünschen

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Die Polizei drückt es drastisch aus: Alle Parkplätze in die Tiefgarage zu verlagern, sei „fernab jeder Realität“. Mit der Forderung nach oberirdischen Stellflächen in der „Neuen Mitte“ steht sie nicht alleine da. Die Gewerbetreibenden gehen sogar noch weiter.

Geretsried – Bruder Barnabas hat bei seiner Fastenpredigt den Finger in die Wunde gelegt: Er richtete den Wunsch an Bürgermeister Michael Müller, dass das Geretsrieder Alleinstellungsmerkmal „kostenfreies Parken“ auch in der Tiefgarage erhalten bleibt. „Miassn ja koana fünf Stund sei. Viere glangen aa.“ Die Verkehrsführung im Zentrum, wenn es denn einmal fertig ist, treibt die Geretsrieder um. 

Wie berichtet wird derzeit bereits am Karl-Lederer-Platz an der neuen verketteten Tiefgarage gebaut. Wenn sie einmal fertig ist, sollen rund 400 Autos Platz unter der „Neuen Mitte“ finden. Die Polizei fordert aber mit Nachdruck, auch ausreichend oberirdische Stellflächen zu schaffen. Dass der ruhende Verkehr unterirdisch stattfinden werde, sei „fernab der Realität“, schrieb sie in ihrer Stellungnahme zum Bebauungsplan für das neue Wohn- und Geschäftshaus an der Egerlandstraße 58 bis 74 – auch wenn die Verkehrsführung kein Bestandteil davon ist.

„Würden Sie sich in die viele Meter entfernte Tiefgarage stellen, wenn der Einkauf kürzer dauert, als der Weg zum Auto?“, fragt Daniel Kießling, Leiter der Geretsrieder Polizei-Inspektion. Er fürchtet, dass bei einem „Shared Space“ in der „Neuen Mitte“, einer Verkehrsfläche ohne Markierungen, die sich alle Verkehrsteilnehmer teilen, viele Autofahrer ihre Fahrzeuge kreuz und quer abstellen. „Das sorgt für Unmut bei den Leuten, und eine angenehme Zone zum Einkaufen wird nicht erreicht.“ 

„Letztlich lebt ein Zentrum ja auch davon, dass sich dort etwas rührt“

Dass Stellflächen auch sehr wichtig für die Gewerbetreibenden sind, betont Bernd Füger, Vorsitzender des Bunds der Selbstständigen. „Geretsried konnte immer damit punkten, dass die Geschäfte gut erreichbar waren“, sagt er. Er verstehe, dass man eine „schöne, gute Stube“ haben will – Verkehr gehöre aber auch dazu. „Sicher ist er nicht immer erquickend, aber letztlich lebt ein Zentrum ja auch davon, dass sich dort etwas rührt“, so Füger. 

Ludwig Schmid, Vorsitzender des Einzelhändlervereins ProCit, wünscht sich in erster Linie ein funktionierendes Zentrum. Und das lebe von der Durchmischung des Angebots. Er fürchtet, dass Geschäfte des kurzfristigen Bedarfs – etwa für Backwaren, Lotto oder Tabak – mittelfristig verschwinden, wenn der Weg zum Parkplatz nicht im Verhältnis zur Erledigung steht. „Kurzzeit-Parkplätze sind sehr notwendig.“ Schmid geht aber noch weiter: Auch für längere Einkäufe sollte das Parken wie bisher kostenfrei sein. „Ich hätte nichts gegen drei Stunden.“ 

Thema Verkehr ist noch nicht geregelt

Beide Forderungen kann Volker Reeh, Kreisvorsitzender des Handelsverbands Bayern und CSU-Stadtrat, nachvollziehen. „Die Bauzeit ist für die Gewerbetreibenden schon schwierig genug“, sagt er. Für die bestehenden und neuen Geschäfte müsse die Parksituation ausgewogen sein. „Eine Parkbewirtschaftung wird nötig sein, und ich verstehe, dass ein Parkhausbetreiber gar keine oberirdischen Parkplätze haben will“, so Reeh. Aber man werde sie benötigen, und für kurze Einkäufe müsse das Parken kostenfrei sein. In Bezug auf die Tiefgarage ist der Kreisvorsitzende gespannt, wie Vollsortimenter und Discounter mit dem Parkschein ihrer Kunden umgehen werden. „Man muss ja kundenfreundlich sein und das Parkgeld ersetzen. Aber das ist ein echter Nachteil für Gewerbetreibende.“ 

Wie das Thema Verkehr in der „Neuen Mitte“ geregelt wird, steht noch nicht fest. „Straßenführungen werden generell nicht in Bebauungsplänen festgelegt“, erläutert Ute Raach, Geschäftsführende Beamtin im Rathaus. Das Konzept zur Ausgestaltung der öffentlichen Verkehrsflächen befinde sich mitten in der Aufstellung – in Zusammenarbeit mit Gutachtern und Bürgern. Teil davon ist die Erkundungsfahrt nach Memmingen und Bregenz im Mai. Kurzzeitparkplätze bieten Bürgern kurze Wege in die Läden, nennt Raach einen Vorteil. „Sie ziehen aber auch den Parksuchverkehr nach sich.“ 

Was das Parken in der neuen Tiefgarage kostet, ist ebenfalls noch offen. „Ein Betreiberkonzept gibt es noch nicht“, sagt Raach. Es werde aber über eine Gratiszeit, oft „Semmeltaste“ genannt, nachgedacht, und es werde sicher eine Zeitstaffelung mit unterschiedlichen Preisen geben. sw

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