Leerstehender Penny-Markt in Stein
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Trostloser Anblick: Seit über einem Jahr steht der ehemalige Penny-Markt im Gebäude der Baugenossenschaft Geretsried leer. Die Suche nach einem neuen Mieter aus der Lebensmittelbranche ist gescheitert. 

Stadtteil bleibt ohne Nahversorger

Penny-Markt in Stein soll Fahrradgeschäft werden

Der Geretsrieder Stadtteil Stein wird weiterhin ohne Nahversorger bleiben. Für den leerstehenden Penny-Markt wurde kein Nachfolger aus der Lebensmittel-Branche gefunden.

Geretsried – Bislang war es nur ein Gerücht, das die Baugenossenschaft Geretsried weder bestätigte noch dementierte. Seit der Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats am Dienstag ist es offiziell: In den leer stehenden Penny-Markt im Stadtteil Stein soll ein Fahrradgeschäft mit Werkstatt einziehen. Der notwendigen Nutzungsänderung erteilte das Gremium das gemeindliche Einvernehmen. Die Entscheidung fiel mit 6:5 Stimmen denkbar knapp aus.

Der Discounter hatte im Juni 2020 seine Filiale geschlossen. Die Baugenossenschaft Geretsried (BG), der das Gebäude gehört, tat sich wie berichtet schwer, einen Nachfolger aus der Lebensmittelbranche zu finden. „Die Eigentümerin hat mit allen erdenklichen Mitteln gesucht“, beteuerte Stadtbaurat Rainer Goldstein in der Sitzung. Darin involviert gewesen seien die Wirtschaftsförderung der Stadt und das Quartiersmanagement, das beim Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit Geretsried angesiedelt ist.

Ladenfläche nicht zukunftsfähig für Lebensmittel-Branche

Doch die Bemühungen waren vergeblich. Bei dem Laden handle es sich um „keine zukunftsfähige Einzelhandelsfläche“, fasste Susanne Ermer aus dem Bauamt zusammen. Sie sei zu klein für den Lebensmittelhandel und ungünstig über Erd- und Untergeschoss verteilt. Auch dass die Parkflächen teils auf der anderen Straßenseite liegen, sorgte für Absagen. Aus diesem Grund soll der Laden nun anderweitig genutzt werden. Da im Bebauungsplan jedoch die Nahversorgung festgeschrieben ist, musste die BG einen Befreiungsantrag stellen.

Begeistert war davon keines der Ausschussmitglieder. Sechs von ihnen stimmten dennoch zu. „Sehr ungern“, betonte Dr. Sabine Gus-Mayer (CSU). Da die Bemühungen in alle Richtungen gegangen seien, könne man der Eigentümerin aber nicht zumuten, den Laden ewig leerstehen zu lassen. Auch Sonja Frank (Freie Wähler) meinte, „Stein wird nicht attraktiver, wenn wir den Leerstand lassen“. Die Zweite Bürgermeisterin leitete den Tagesordnungspunkt, da sich Rathauschef Michael Müller (CSU) als Mitglied des BG-Aufsichtsrats befangen sah.

„Ich begreife bis heute nicht, dass Penny zugemacht hat.“

Ewald Kailberth (CSU) warnte davor, den Stadtteilbewohnern weiter die Zähne lang zu machen. „Wir wissen, dass bei dieser Größe nie ein Nahversorger reingehen wird.“ Er sehe keine andere Chance, auch wenn es ihm für die Leute leid tue. Allerdings habe er nie viele Kunden gesehen, wenn er im Penny-Markt einkaufen war. Er erinnerte an Getränkemarkt und Metzgerei, die es früher in Stein gab. „Die haben auch nicht aus Jux und Tollerei zugemacht.“ Dem widersprach Volker Witte (Grüne), in dessen Augen die Geschäfte gut gelaufen sind: „Ich begreife bis heute nicht, dass Penny zugemacht hat.“

Gegen die Nutzungsänderung stimmten fünf Ausschussmitglieder. Martina Raschke (Grüne) fand, es sei „zu früh, um aufzugeben“. Auch Edmund Häner (FDP) und Arthur Wolfseher (SPD) kam dieser Schritt zu früh. Heidi Dodenhöft (FW) meinte, dass sich kein Nahversorger finde, sei „ein Wahnsinn, für die Leute, die da wohnen“. Mit einem Fahrradgeschäft könnten sie „gar nichts anfangen“. Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) wollte die Bemühungen der Eigentümerin dokumentiert sehen und danach im Stadtrat entscheiden, fand dafür aber keine Mehrheit.

Bei der Entscheidung spielte auch die Entwicklung des Stadtteils im Rahmen des Förderprogramms Soziale Stadt eine Rolle. Rainer Goldstein plädierte dafür, das 2017 vorgestellte Konzept weiter zu verfolgen. Darin enthalten ist der Vorschlag, Entwicklungsflächen zur Nahversorgung zu schaffen, indem öffentliche Verkehrsflächen neugeordnet werden. „Das ist eine planerische Frage“, so der Stadtbaurat. Damit soll sich nun der Entwicklungs- und Planungsausschuss befassen.

sw

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