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Psychisch kranke Frauen, die ein Baby erwarten, dürfen ihr Kind nach der Geburt oftmals nicht behalten. Der Verein Freunde psychisch Behinderter könnte solchen Müttern ein Zusammenleben mit ihren Kindern ermöglichen – wenn er eine passende Unterkunft für eine Wohngemeinschaft finden würde.

Er sucht eine Unterkunft für eine WG

Psychisch Kranke dürfen Kinder oft nicht behalten –Geretsrieder Verein will das ändern

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Psychisch kranke Frauen, die ein Baby erwarten, dürfen ihr Kind nach der Geburt oftmals nicht behalten. Der Verein Freunde psychisch Behinderter könnte solchen Müttern ein Zusammenleben mit ihren Kindern ermöglichen – wenn er eine passende Unterkunft für eine Wohngemeinschaft finden würde.

Geretsried – Seit 16 Jahren betreibt der Verein Freunde psychisch Behinderter eine sozialtherapeutische Wohngemeinschaft an der Blumenstraße. 18 Frauen und Männer im Alter von 21 bis 74 Jahren leben dort auf drei Etagen in drei Wohngemeinschaften. Jeder hat sein eigenes Zimmer. Geteilt werden Küche und Bad. Ausgebildete Krankenschwestern, Heilerziehungspfleger und Sozialpädagogen betreuen die Bewohner.

„Wir sind fachlich anerkannt und werden vom Bezirk finanziert“, erklärt die Geschäftsführerin des Vereins, Sabine Lorenz. Ziel sei es, die Bewohner wieder in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt einzugliedern – und dass sie eine eigene Wohnung finden. Ist das der Fall, werden sie noch ein bis zwei Jahre nachbetreut. „Es gibt genügend, die wieder stabil sind und eigenbestimmt leben“, berichtet die Psychiatrie-Krankenschwester.

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Sabine Lorenz leitet eine Wohngruppean der Blumenstraße.

So ein Modell wünscht sich die Kreisvorsitzende der Frauen-Union auch für psychisch kranke Schwangere und Mütter. Sie befinden sich oft in einer aussichtslosen Lage. Denn Schwangerschaft und Geburt können eine schwere Belastung für psychisch kranke Frauen sein. „Meist müssen die stabilisierenden Medikamente während der Schwangerschaft abgesetzt werden, da die Gefahr einer Schädigung des Fötus’ bei der Einnahme von Psychopharmaka sehr groß ist“, berichtet Lorenz. Fehlende Ausbildung und Tagesstruktur, Schulden sowie kaum tragfähige Beziehungen tragen zusätzlich zu einer Verschlimmerung der Erkrankung bei. Oder sie führen zu einer akuten Krise in der Schwangerschaft. „Häufig kann nach der Geburt das Baby nicht oder nur unzureichend versorgt werden“, so die Erfahrung der Geretsriederin. Die Folge: Die Kinder kommen zu Pflegefamilien oder in ein Heim. Den Umstand, dass ihnen das eigene Kind „weggenommen wird“, würden viele Frauen als sehr belastend erleben. „Die Sorge um das Kind und das eigene Versagen führt oftmals zu einer weiteren Destabilisierung“, bedauert die 55-Jährige, die selbst zwei Kinder groß gezogen hat. „Es würde auch anders gehen.“

Die Zusage des Bezirks über die Finanzierung einer Frauen-Wohngemeinschaft hat Lorenz bereits in der Tasche. Auch eine Kooperation mit dem Jugendamt stehe in Aussicht. „Was uns fehlt, ist eine Wohnung“, sagt die 55-Jährige. Zwar habe man ihr schon ein Haus angeboten, das sei aber zu groß gewesen. „Wir müssen das Ganze ja auch finanzieren können.“ Auch bei der Geretsrieder Baugenossenschaft sei sie vorstellig geworden. Allerdings habe man ihr dort eine Absage erteilt. „Das war für mich wie eine Watschn“, gibt die CSU-Stadträtin zu. Von dieser Reaktion sei sie „schwer enttäuscht“ gewesen. Aber Lorenz gibt die Hoffnung nicht so schnell auf: Gesucht wird eine bezahlbare Vier- bis Fünf-Zimmer-Wohnung, irgendwo im nördlichen Landkreis. Die Geschäftsführerin ist sich sicher, auch entsprechendes Fachpersonal für die Betreuung zu finden. „Aber ich benötige ein halbes Jahr Vorlaufzeit.“ nej

Kontakt

Wer dem Verein Freunde psychisch Behinderter helfen kann, eine Wohnung zu finden, meldet sich bei Sabine Lorenz unter der Telefonnummer 0 81 71/48 24 49.

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