Wolfratshauser Amtsgericht von außen
+
Der Streit um einen Mann eskalierte - und zwar so heftig, dass sich die beiden jungen Frauen vor Gericht wieder sahen.

19-Jährige zu sieben Monaten Jugendstrafe verurteilt – und muss einen Entschuldigungsbrief schreiben

Zickenkrieg um Mann endet vor dem Amtsgericht

  • vonRudi Stallein
    schließen

Mit der Freundschaft ist es lange vorbei: Zwei Geretsriederinnen trafen sich nun vor dem Amtsgericht wieder. Grund für den handfesten Streit war ein gemeinsamer Ex-Freund.

Geretsried/Wolfratshausen – Sie waren mal beste Freundinnen. Doch damit ist es vorbei, seit sie nacheinander mit demselben Kerl das Bett teilten. Seither benehmen sich zwei junge Geretsriederinnen (19 und 20 Jahre) – freundlich ausgedrückt – wie Hund und Katze. Nun trafen sie sich vor Gericht wieder, weil die 19-Jährige es bei zwei Zusammentreffen im vorigen Jahr nicht beim Ankeifen belassen hatte, sondern handgreiflich geworden war.

Die angehende Auszubildende wurde wegen vorsätzlicher sowie gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten verurteilt. Die Strafe wurde für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt – mit einer bemerkenswerten Auflage: Die Verurteilte muss sich bei ihrer ehemaligen Freundin schriftlich und ausführlich entschuldigen.

Der Anklage lagen zwei Vorfälle zugrunde. Am 23. Mai vorigen Jahres gegen 13 Uhr begegneten sich die jungen Frauen vor einem Café in Geretsried. Dabei soll die Beschuldigte ihre Ex-Freundin zwei Mal mit der flachen Hand auf die linke Wange geschlagen haben. „Habe ich nicht“, sagte die Angeklagte schnippisch und erläuterte: „Sie hat mich geschubst, ich habe den Arm raus, ihr gesagt: Geh weg von mir! Wir haben geredet, das war alles.“ Exakt vier Wochen später gerieten die zwei abends gegen 23 Uhr am Busbahnhof in Wolfratshausen aneinander. Dort soll die Angeklagte der Geschädigten mehrmals mit dem Handy gegen den Kopf geschlagen haben. Auch das sei falsch. „Ich habe auf sie gewartet, wollte sie zur Rede stellen“, räumte die 19-Jährige ein. „Aber ich habe sie nicht geschlagen.“ Woher die Beule über der linken Augenbraue der angeblichen Nebenbuhlerin stamme, könne sie sich nicht erklären.

Ex-Freund sagt aus

Die Angeklagte gab jedoch zu, dass es damals „Psychostress“ gegeben hatte. Die einstige Freundin sei immer wieder „Streitthema“ zwischen ihr und ihrem inzwischen Ex-Lover gewesen. Der Mann (24) sitzt seit geraumer Zeit in Stadelheim. „Seitdem ist Ruhe“, sagte die Geschädigte. Weil die Angeklagte sich von seiner Aussage Pluspunkte bei der Richterin erhofft hatte – die hatte kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie den bisherigen Ausführungen wenig Glauben schenkte – bestand die 19-Jährige darauf, dass ihr Ex ebenfalls zu den Zwischenfällen angehört werde. „Es gab so Eifersuchtsdramen wegen mir“, erinnerte sich der 24-Jährige, der in Handschellen vorgeführt wurde. Darüber hinaus konnte er wenig Erhellendes beisteuern.

Angeklagte saß bereits im Jugendarrest. „Sie kommen raus und machen gleich weiter“, meint die Richterin.

Die Angeklagte hat bereits drei Einträge im Bundeszentralregister. Zuletzt war sie wegen Diebstahls und Körperverletzung zu drei Wochen Jugendarrest verurteilt worden. Den hat sie im Frühjahr 2020 abgesessen. Das sei „ganz, ganz, ganz schlimm“ gewesen, berichtete die junge Frau, die inzwischen aus Geretsried weggezogen ist.

Lesen Sie auch: Weil er einen Mann auf der Toilette verprügelte, landete ein Geretsrieder vor Gericht. Auslöser der Schläge waren 100 Euro

Eine nachhaltige Wirkung hatte der kurzzeitige Knastaufenthalt jedoch nicht entfalten können. „Sie kommen raus und machen gleich weiter“, hielt Richterin Friederike Kirschstein-Freund der Angeklagten vor. Deshalb sei nun eine Jugendstrafe die logische Konsequenz und eine Dauer von sieben Monaten durchaus angemessen. Die könnten zur Bewährung ausgesetzt werden. Als Auflage muss die Verurteilte die für den Herbst geplante Ausbildung antreten und durchziehen, sie muss 250 Euro in Raten an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen – und schriftlich eine ausführliche Entschuldigung an ihre ehemalige Freundin formulieren.

Richterin redet Angeklagten ins Gewissen

Das halbherzige Bemühen, im Gerichtssaal, ein paar entschuldigende Worte zu sagen, endete mit Gekeife zwischen der Angeklagten und der Zeugin. „Wenn es so weitergeht, sieht’s schlecht aus“, fasste die Richterin zusammen. „Sie dürfen sich jetzt nichts mehr zuschulden kommen lassen. Sonst müssen sie die sieben Monate verbüßen.“

Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare