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Vor dem Schöffengericht wirkten die einst wilden Kerle ausgesprochen handzahm.

Verhandlung am Wolfratshauser Amtsgericht

Randalierendes Trio zu Jugendstrafen verurteilt

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Im volltrunkenen Zustand haben drei junge Männer zwischen 17 und 20 Jahren in Geretsried geradezu eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Jetzt wurde ihnen vor dem Amtsgericht der Prozess gemacht. 

Geretsried Zerbrochene Scheiben, abgetretene Autospiegel und fünf demolierte Feuerlöscher: Dass ist das Ergebnis eines Streifzugs, den drei junge Burschen in der Nacht auf den 3. Februar 2017 in Geretsried unternommen hatten. Nun mussten sich die Drei wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, Diebstahls und Missbrauchs von Notrufen vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

„Wir gehen von erheblichem Alkoholkonsum aus. Anders ist so ein Verhalten nicht zu erklären“, gab Richter Urs Wäckerlin in der Urteilsbegründung die Meinung des Gerichts wieder. „Das ist derart bescheuert, sowas macht man nur, wenn man nicht mehr Herr seiner Sinne ist.“

Die drei Burschen, damals 17 und 20 Jahre alt, hatten zuvor alle ihnen zur Last gelegten Straftaten eingeräumt. „Wir hatten ziemlich viel getrunken, drinnen war’s langweilig, deshalb sind wir rausgegangen“, erklärte der Älteste des Trios. Dann sei man ziellos durch die Stadt gestreunt, erklärte sein Kumpel, heute 19 Jahre alt und Koch-Azubi. Er war nach Auffassung des Staatsanwalts die treibende Kraft bei den folgenden Aktionen, die der Anklagevertreter in einem knappen Satz zusammenfasste: „Sie haben es richtig krachen lassen.“

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Weil es kalt war und sie ein warmes Plätzchen suchten, hatten die jungen Männer gegen 23 Uhr versucht, mit einer Eisenstange die Hintertür des Jugendzentrums Saftladen aufzubrechen. Das misslang ebenso wie der Versuch, sich mit Gewalt Zutritt zum Hallenbad zu verschaffen. Der Stein, mit dem der heute 22-Jährige ein Fenster einwerfen wollte, zerschlug nur die äußere Scheibe des Doppelglases.

Daraufhin zogen sie weiter ins „Bergviertel“, wo sie auf der Zugspitzstraße an fünf Pkw die linken Außenspiegel abtraten. An der Alpenstraße spazierten sie in eine Tiefgarage, nahmen fünf Feuerlöscher und versprühten den Inhalt in der Umgebung. Als einer der jungen Männer den Feueralarm auslöste, flüchteten sie. Der Sachschaden beläuft sich auf insgesamt rund 3800 Euro.

In der Verhandlung präsentierten sich die wilden Kerle ausgesprochen handzahm. Ihren jungen Gesichtern war nicht anzusehen, dass sie allesamt schon einige Vorstrafen und teilweise Arrest-Erfahrung mitbrachten. Der angehende Koch, der inzwischen in Franken lebt, war nur wenige Monate nach den nun angeklagten Vorfällen bereits wegen anderer Delikte zu einer Jugendstrafe von insgesamt neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Dessen Jugend beschrieb Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch als „ein blankes Chaos“. Seiner „strafrechtlichen Odyssee“ hatte man bislang erfolglos mit allen Mitteln, die das Jugendstrafrecht bietet, vom FRED-Kurs übers Tagwerk bis zum Ungehorsamsarrest versucht, zu stoppen.

Heute macht der junge Mann, wie auch die Mitangeklagten, einen gereiften Eindruck. „Es ist viel Positives passiert. Er scheint sein Leben in den Griff bekommen zu haben. Der positive Ansatz sollte nicht zerstört werden“, plädierte Verteidigerin Ann-Charlott Wamsler für eine weitere Bewährung. Dem kam das Schöffengericht nach, erhöhte Jugendstrafe auf nunmehr ein Jahr und fünf Monate. Zudem muss der Verurteilte „sich nach Kräften bemühen, den entstandenen Schaden zu regulieren“ – mit mindestens 100 Euro pro Monat während der zweijährigen Bewährungszeit.

Hinsichtlich des 22-Jährigen setzte das Gericht die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe für zwei Jahre zur Bewährung aus. Er muss als Auflage 64 Sozialstunden leisten. Der zweite 19-Jährige, der in der Tatnacht wegen einer Fußverletzung auf Krücken humpelte, kam mit 48 Stunden Sozialdienst und einer Arrestwarnung davon, für den Fall, dass er nochmals vor Gericht landet. Rudi Stallein

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