„Dieser Eiertanz bringt Ihnen nicht viel“

 Rentner (70) wegen Falschaussage zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt

Geretsried/Wolfratshausen – Wegen Falschaussage hat das Wolfratshauser Amtsgericht einen 70-jährigen Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro verurteilt.

Eine junge Frau sucht Zuflucht bei Ihren Eltern. Eine Wange geschwollen, Kratzspuren im Gesicht, Druckstellen am Hals – so steht sie am Faschingsdienstag vergangenen Jahres vor der Haustür. Ihr Freund habe sie geschlagen, behauptet die 33-Jährige. Der Vater (70) ruft umgehend die Polizei und erstattet Anzeige. In der Verhandlung gegen den Freund der Frau, der sich am 12. August 2015 wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten musste, macht der Rentner jedoch einen Rückzieher. Entgegen seiner Aussage bei der Polizei behauptet er nun, er habe bei seiner Tochter an jenem Abend keine Verletzungen wahrgenommen. Die 33-Jährige, inzwischen mit dem Mann, der sie geschlagen haben soll, verlobt, macht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Der Mann wird freigesprochen.

Für den Vater hatte die Sache nun ein Nachspiel: Er saß am Dienstag erneut vor dem Richter, diesmal wegen falscher uneidlicher Aussage auf der Anklagebank statt im Zeugenstand.

„Ich hatte viel getrunken, es war Fasching. Ich lag schon im Bett. Meine Frau hat die Tür auf gemacht und gesagt ,Ruf die Polizei an‘“, erklärte der Beschuldigte. Das habe er getan, ohne Fragen zu stellen. Dann sei er runtergegangen zur Nachbarin, um der zu helfen, ihren Sohn zu befreien, der sich auf der Toilette eingeschlossen hatte. Auf die Frage, ob er seine Tochter überhaupt gesehen habe, antwortete der 70-jährige Geretsrieder: „Kann ich nicht sagen. Kann sein, kann auch nicht sein.“

Staatsanwalt Konrad Veitenhansl wurde ungehalten. „Was soll so ein Eiertanz. Ein Vater verhält sich anders. Auch ein besoffener Vater reagiert anders“, fuhr er den Angeklagten an Doch der blieb bei seiner Aussage. Der Verlobte seiner Tochter verfolgte die Verhandlung in der hintersten Zuschauerreihe. Bevor die Ehefrau des Angeklagten aussagte, ließ der Richter die Öffentlichkeit für die Zeit der Anhörung ausschließen. Wie sie sich geäußert hat, wurde nicht bekannt.

Wieder vor Zuhörern widerlegten zwei Polizisten die Aussagen des Angeklagten. „Die Tochter war verletzt, aufgelöst und wirkte eingeschüchtert“, schilderte ein Beamter die damalige Situation. Außer den offensichtlichen Verletzungen habe sie ihnen noch eine Bisswunde am Oberschenkel gezeigt und dafür ebenfalls ihren Freund verantwortlich gemacht. „Beide Elternteile waren in der Wohnung. Und beide Eltern haben ihre Tochter gesehen“, bestätigte der zweite Polizist. „Seit wir die Wohnung betreten haben, ging es um nichts anderes mehr als die Schläge des Freundes gegen die Tochter.“

Dem Gericht genügten die Beweise. Richter Urs Wäckerlin verurteilte den Geretsrieder zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen á 20 Euro.

Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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