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Sammelstelle: Hinter dem Unglücksort am Eisstadion werden die Verletzten von Notärzten und Sanitätern versorgt.

24-Stunden-Übung

Das Rote Kreuz probt dramatischen Einsatz am Eisstadion

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Mehrere 100 Retter waren am Samstagabend für eine 24-Stunden-Übung des BRK im Einsatz. Das Szenario war ebenso dramatisch wie realistisch.

Bad Tölz-Wolfrathausen – Ein paar Marktbuden stehen am Geretsrieder Eisstadion, ein Radio spielt lautstark Musik. Dazwischen rund 30 Besucher, ratschend, lachend. Plötzlich schießt ein Auto heran. Sein Fahrer hat aufgrund gesundheitlicher Probleme die Gewalt über den Pkw verloren. Ungebremst rast er in die Menge, knallt gegen eine der Buden. Feuer bricht aus, kleine Explosionen ereignen sich. Als das Auto komplett brennt, bricht Panik aus. Menschen schreien um Hilfe, liegen mit Verbrennungen und Verletzungen am Boden.

Einsatzstelle: In Lengenwies stoßen zwei Fahrzeuge frontal zusammen. Die Insassen müssen befreit werden. 

Zum Glück ist alles eine Übung. Der BRK-Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen hat sie am Samstagabend im Rahmen einer 24-Stunden-Übung für die Einheiten des Katastrophenschutzes, der Wasserwachten, des Rettungsdienstes, der Polizei und der örtlichen Feuerwehren organisiert – und zwar so realistisch wie möglich.

Die ersten eintreffenden Rettungskräfte verschaffen sich einen Überblick. „Die Aufgaben sind klar definiert“, erklärt BRK-Kreisbereitschaftsleiter Jörg Kastner. „Auch wenn es uns als Sanitäter schwer fällt, erst einmal an einem Verletzen vorbei zu gehen, müssen wir zunächst Grundlagen schaffen, um überhaupt helfen zu können.“ Wie viele Verletzte gibt es? Wie schwer sind ihre Verwundungen? Welche Spezialkräfte müssen nachalarmiert werden?

Dass man als Opfer mit dieser Vorgehensweise ein Problem hat, weiß Katharina Böhme (37). Sie ist eine der Mimen und selbst im Rettungsdienst tätig, kennt also beide Seiten. Mit einer (geschminkten) Brandverletzung am Bein liegt sie neben einer der Buden. „Man denkt sich nur noch: Hey, siehst du mich nicht? Warum hilfst du mir nicht?“

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Inzwischen sind auch zahlreiche Notärzte, die Feuerwehr und die Polizei vor Ort. Noch während der Brand gelöscht wird, werden Sammelstellen für die Patienten zur weiteren Versorgung eingerichtet. Nach gut zwei Stunden sind alle Verletzten versorgt und abtransportiert.

Elf Stunden später gehen die nächsten Notrufe in der Integrierten Leitstelle Oberland (ILS) ein: schwerer Unfall auf Höhe von Lengenwies bei Eurasburg. Zwei Fahrzeuge sind frontal zusammengestoßen, ein weiteres ist neben der Straße in eine Gruppe Rafter, die hier mit ihren Booten standen, geschleudert. „Die Disponenten der ILS wussten nichts von der Übung“, sagt Kastner. „Auch hier war dies eine gute Gelegenheit, bestimmte Prozesse zu üben.“ Vor einer „echten“ Alarmierung klärt sie jedoch ein Eingeweihter auf.

Klaus (57) und Michael (32) Söldner vom gleichnamigen Abschleppdienst und Autohof haben dafür gesorgt, dass die Fahrzeuge zum Szenario passen. „Wir haben die Autos, die uns der Entsorgungsbetrieb Frimberger zur Verfügung gestellt hat, nach Anweisung ein bisserl bei uns im Keller bearbeitet“, erzählen sie schmunzelnd. „Genauer gesagt haben wir sie mit dem Gabelstabler gegen die Wand gefahren.“ Überhaupt überließ das neunköpfige Organisationsteam nichts dem Zufall. „Es ist alles so realistisch dargestellt“, sagen Kreisbrandinspektor Erich Zengerle und Kreisbrandmeister Georg Dürr übereinstimmend, „dass so mancher vergessen hat, dass es sich hier um eine Übung handelt.“

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Auch bei der übrigen Organisation bekamen die Verantwortlichen landkreisweite Unterstützung. „Egal ob die Firma Gröbmair, die unseren Abfall entsorgt hat oder die Feuerwehrschule und der RVO, die uns Busse zum Transport zur Verfügung gestellt haben“, zeigt sich Ingo Roeske, Stellvertretender Landesleiter der Wasserwacht, dankbar. Involviert in die Übung waren allein beim zweiten Szenario über 200 Mimen und Einsatzkräfte. „Das ist schon eine Herausforderung.“ Und: „Bei allen drei Übungen – die letzte war eine ausufernde Party – wurde das von uns gesetzte Ziel erreicht.“

Ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass die gestellten Szenarien jederzeit Realität werden können. Damals stellte das Orgateam während der 24-Stunden-Übung einen Unfall mit einem Traktor nach. Der Bulldog zog einen Anhänger mit feiernden Jugendlichen. Monate später passierte ein ähnlicher Unfall in Egmating: Dort verunglückte ebenfalls ein Anhänger mit Feiernden, zahlreiche Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

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