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Rudolf Chemie entsetzt über Pläne der EU - Verordnung wäre „eine Katastrophe“

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Von: Susanne Weiß

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Über die geplante Chemikalienverordnung der EU tauschten sich bei der Rudolf GmbH an der Altvaterstraße in Geretsried aus (v. li.) Wolfgang Schumann und Dr. Wolfgang Anton Schumann (beide Rudolf-Geschäftsführer), Kerstin Schreyer und Martin Bachhuber (beide CSU-Landtagsabgeordnete) sowie Dr. Oliver Kusterle und Dr. Gunther Duschek (beide ebenfalls Rudolf-Geschäftsführer).
Über die geplante Chemikalienverordnung der EU tauschten sich bei der Rudolf GmbH an der Altvaterstraße in Geretsried aus (v. li.) Wolfgang Schumann und Dr. Wolfgang Anton Schumann (beide Rudolf-Geschäftsführer), Kerstin Schreyer und Martin Bachhuber (beide CSU-Landtagsabgeordnete) sowie Dr. Oliver Kusterle und Dr. Gunther Duschek (beide ebenfalls Rudolf-Geschäftsführer). © Stimmkreisbüro Martin Bachhuber

Das Geretsrieder Traditionsunternehmen Rudolf Chemie ist entsetzt über eine geplante Chemikalienverordnung der EU. CSU-Landtagsabgeordnete sichern Hilfe zu.

Geretsried – Die Europäische Union (EU) plant, im Jahr 2024 eine neue Chemikalienverordnung einzuführen. Mit den neuen Regeln sieht Rudolf Chemie große Probleme auf sich zukommen. Die geplante Chemikalienverordnung wäre „eine Katastrophe“, wird Geschäftsführer Wolfgang Schumann in einer Pressemitteilung des Stimmkreisbüros von CSU-Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber zitiert. Demnach stattete Bachhuber dem Unternehmen, das seit über 75 Jahren in Geretsried ansässig ist, jüngst einen Besuch ab. Gemeinsam mit seiner Parteikollegin Kerstin Schreyer, Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag, sicherte er der Firma Rudolf Hilfe zu.

Geretsried: Rudolf Chemie kritisiert geplante EU-Chemikalienverordnung

Den vier Geschäftsführern schwant Unheil, da laut der neuen Verordnung ab 2024 für jedes einzelne Polymer eine Genehmigung nötig wäre. Polymere sind langkettige chemische Verbindungen, die aus sich wiederholenden Einheiten, den sogenannten Monomeren, aufgebaut sind und die Grundlage jedes Kunststoffs darstellen. Für den Textilzulieferer an der Altvaterstraße sind diese Polymere tragende Säulen im Produktportfolio. Bislang reichte es, dass die monomeren Grundbausteine eines Polymers bei den EU-Behörden zugelassen waren. Das aus den wiederholenden Einheiten bestehende Produkt war somit von der Zulassung befreit. Wenn nun für jedes einzelne Polymer eine eigene Genehmigung nötig ist, bedeute das „horrende Kosten für die Gutachten und obendrein einen unvorstellbaren bürokratischen Aufwand“, so Schumann.

Allein bei Rudolf Chemie wären 159 Produkte von diesem neuen Zulassungsprozess betroffen, rechnet der Geschäftsführer vor. Den dadurch verursachten Umsatzausfall schätzt er auf knapp 16 Millionen Euro. „Wir müssten rund 7 Millionen Euro investieren, nur um unser bisheriges Geschäft weiterführen zu können“, sagt Schumann. Was ihn dabei besonders ärgert: „Die Stoffe, die wir verwenden, sind schon alle genehmigt, aber halt nicht in jeder theoretisch möglichen Verbindung.“ Er vermutet hinter der geplanten Verordnung knallharten Lobbyismus in Brüssel. „Die großen Unternehmen der chemischen Industrie stecken diese zusätzliche Belastung locker weg, aber Mittelständler wie wir leiden massiv darunter.“ Die Entwicklung neuer, nachhaltiger Technologien würde aufgrund des massiven Bürokratieaufkommens massiv eingeschränkt werden.

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„Da ist Brüssel drauf und dran, den nächsten kapitalen Bock zu schießen“

Bei Martin Bachhuber lösen die Vorgänge Kopfschütteln aus. „Da ist Brüssel drauf und dran, den nächsten kapitalen Bock zu schießen“, sagt der Heilbrunner. Angesichts derartiger Verordnungen dürfe man sich nicht verwundern, wenn Investoren aus dem industriellen Bereich ihr Engagement in Länder außerhalb der EU verlagern.

Kerstin Schreyer und Bachhuber wollen nun versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. Bachhuber kündigte an, seinen Parteikollegen Manfred Weber, Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europaparlament, auf das Thema anzusetzen, um in letzter Minute noch Korrekturen an der Chemikalienverordnung zu erwirken. Schreyer will den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bitten, den Druck auf Brüssel zu erhöhen. „Wir können es einfach nicht zulassen, dass erfolgreiche mittelständische Unternehmen aus Bayern durch die Regulierungswut aus Brüssel ganz erheblich benachteiligt werden“, betonte Schreyer in Geretsried.

sw

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