Ausbildungstag "Berufswelt hautnah": Mit Bussen schwärmten vergangenes Jahr 440 Schüler zu 37 Betrieben aus.

Bislang keine Absagen für Ausbildungstag "Berufswelt hautnah"

Steuererhöhung: Was sagt die Wirtschaftsförderin?

Geretsried - Der Stadtrat hat beschlossen, die Gewerbesteuer zu erhöhen. Was sagt dazu die Wirtschaftsförderin?

Als Konsequenz aus der vom Stadtrat beschlossenen Gewerbesteuererhöhung sollen erste Unternehmen ihre Teilnahme am Ausbildungstag „Berufswelt hautnah“ storniert haben. Das berichtete Jochen Pelz, Vorstandsmitglied der Industriegemeinschaft Geretsried (IGG), am Stammtisch der Freien Wähler.

Annette Hilpert, Wirtschaftsförderin der Stadt, kann dies auf Nachfrage nicht bestätigen. Die Anmeldung für den Ausbildungstag am 18. Juli laufe noch bis Ende März, von Absagen sei ihr nichts bekannt. Hilpert hofft, dass dies auch so bleibt – nicht nur im Interesse der Schüler, sondern auch der Unternehmen.

Der Ausbildungstag ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von Stadt und IGG. Mit Bussen werden Schüler verschiedener Schularten zu Betrieben ihrer Wahl gefahren. An der ersten Aktion 2014 hatten sich 27 Firmen beteiligt, vergangenes Jahr waren es schon 35. „Auch für heuer haben wir einige Neuanmeldungen“, berichtet die Wirtschaftsförderin. Die Schnuppertour soll zum einen dazu dienen, den Jugendlichen den Berufseinstieg zu erleichtern. Zum anderen wollen die Veranstalter damit auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Gerade deshalb fände es die Wirtschaftsförderin höchst bedauerlich, wenn Unternehmen aus Protest gegen die Steuererhöhung ihre Teilnahme absagen würden. „Da besteht überhaupt kein Zusammenhang“, sagt sie. Und: „Die Schüler sind dankbar für das Angebot. Es kommt gut an.“

Annette Hilpert, Wirtschaftsförderin der Stadt Geretsried.

Zur Steuererhöhung selbst will sich Hilpert im Gespräch mit unserer Zeitung nicht äußern. „Das ist eine politische Entscheidung“, sagt sie. Das Thema sei intern besprochen worden, dabei habe sie auch ihren Standpunkt vertreten. Als Rathausmitarbeiterin werde sie aber nicht öffentlich Stellung beziehen. Auf die Frage, ob die Arbeit für sie persönlich nun schwieriger wird, antwortet die Wirtschaftsförderin: „Ich denke, dass die Unternehmen zwischen unserer Arbeit als Verwaltung und der Politik unterscheiden können. „Bislang“, so fügt die 30-Jährige lachend hinzu, „bin ich nicht beschimpft worden“.

Und wie wirkt sich die Entscheidung des Stadtrats auf den Wirtschaftsstandort aus? IGG-Vorstandsmitglied Pelz glaubt, dass sich die Stadt nach der Steuererhöhung schwer tun wird, ihr neues Gewerbegebiet Gelting-Ost zu vermarkten. „Vielleicht gibt es Auswirkungen auf die Firmenakquise“, sagt dazu Hilpert. Aber die Gewerbesteuer sei nur einer von vielen Standortfaktoren. „Geretsried ist so dynamisch, so attraktiv, so interessant – das wissen auch die Unternehmen zu schätzen.“

Wie berichtet ist ein Drittel des Gewerbegebiets inzwischen verkauft. Auf dem 30 000 Quadratmeter großen Grundstück siedelt sich der Pharma-Logister Loxxess aus Wolfratshausen an. Seit dies bekannt wurde, hat die Nachfrage deutlich angezogen, berichtet Hilpert. „Es gibt viele Gespräche und auch Reservierungen. Wir sind zuversichtlich, weitere interessante Firmen gewinnen zu können.“ Dies brauche allerdings seine Zeit. „Solche Entscheidungen treffen die Unternehmen nicht auf die Schnelle.“

Annette Hilpert ist seit bald drei Jahren Wirtschaftsförderin der Stadt. Allein die Tatsache, dass es diese Stabstelle im Rathaus gibt, spricht aus ihrer Sicht für die Wirtschaftsfreundlichkeit von Geretsried. Jede Woche ist sie mit dem Bürgermeister auf Firmenbesuch, zudem findet jedes Jahr ein Unternehmerforum gemeinsam mit der IGG statt. Auf die Frage, ob es diese Veranstaltung auch heuer geben wird, antwortet Hilpert: „Von unserer Seite auf jeden Fall. Wir müssen nur noch besprechen, wann und zu welchem Thema.“

Sabine Schörner

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