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Unten ein Supermarkt, darüber vielleicht die Stadtbücherei: So könnte der Krämmel-Bau am Karl-Lederer-Platz aussehen.

SPD-Stadtgespräch zur Neugestaltung des Karl-Lederer-Platzes

Glücksfall oder Gigantismus ?

Geretsried - Schießt die Stadt bei der Zentrumsneugestaltung übers Ziel hinaus? Oder ergreift sie eine Riesenchance? Darüber diskutierten 15 Besucher beim SPD-Stadtgespräch am Sonntag im Café Waldmann mit Architekt Klaus Kehrbaum und Bauunternehmer Korbinian Krämmel.

Ernst Walko äußerte wie schon am CSU-Stammtisch die Sorge, für die geplanten 7000 bis 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche könnte das Käuferpotenzial fehlen. Er sprach von „Gigantismus“. Zudem befürchtet er, die geplanten Tiefgaragen am Karl-Lederer-Platz und an der Egerlandstraße würden von älteren Autofahrern nicht angenommen. Kehrbaum erwiderte, Supermärkte und Discounter wüssten genau, wo es sich lohne anzusiedeln. Die 8000 Quadratmeter an großen und kleinen Läden würden nach und nach entstehen. Je mehr Geschäfte es gebe, desto besser sei das für die bereits bestehenden. Die Tiefgaragenplätze würden gut erreichbar und mit einem Aufzug gebaut werden. An der Oberfläche würden Kurzzeit-Parkplätze erhalten bleiben.

Ein Anwohner äußerte Bedenken wegen der Lastwagen, die die Lebensmittel anliefern. Kehrbaum versicherte, man werde eine verträgliche Lösung in einem Betreiberkonzept zwischen Investor und Zulieferern festlegen.

SPD-Kreisrat Reiner Berchtold berichtete aus seiner langjährigen Berufserfahrung als Polizist in Geretsried, dass es zum Beispiel am Johannisplatz ständig Probleme mit dem Anlieferverkehr gegeben habe. Er appellierte, bei allen Entscheidungen über Quer- oder Längsparkplätze, Verkehrsführung und Einbahnstraßenregelungen den Verkehrsexperten der örtlichen Polizei hinzuzuziehen. Die Einbahnregelung hatte ein Anwohner für den Martin-Luther-Weg vorgeschlagen.

Positiv über die Pläne zur Zentrumsneugestaltung äußerte sich SPD-Mitglied Wolfgang Kohler. Der geplante, siebengeschossige „Turm“, den die Firma Krämmel an Stelle des ehemaligen Schleckermarkt-Gebäudes errichten will, gefalle ihm. Die Flächen in den Städten seien begrenzt, man wolle Naherholungsflächen erhalten – also müsse man in die Höhe bauen. Eine Stadt sollte nach innen und oben wachsen, erklärte Kehrbaum. Werde der Karl-Lederer-Platz durch das neue Krämmel-Haus enger, sei das nicht schlimm: „Für Feste wie das Patronatsfest der Griechen könnte die Stadt die Straße am Karl-Lederer-Platz zwischen Rathaus und Sparkasse sperren.“

Gast Stephan Heinle meinte, ein Investor, der im Landkreis lebe und arbeite und sich schon im Vorfeld allen Fragen stelle, sei „ein Glücksfall“. Kritischer sehe er das vom Team Kehrbaum/Krämmel geplante Wohngebiet auf dem ehemaligen Lorenz-Areal. Dort müsse auf mehr Aufenthaltsqualität in Form von Treffpunkten und Grünflächen geachtet werden, sagte der ehemalige Stadtteilmanager fürs Münchner Hasenbergl.

Tanja Lühr

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