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Gespräch per Video: Sonja Frank und Patrick Hingar diskutieren über das Laptop mit der 9 c der Realschule. 

„Jeder Mensch verdient Respekt“

Realschüler diskutieren mit Vize-Bürgermeisterin über Rassismus

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Fast 8000 Straftaten mit rassistischem Hintergrund hat das Bundesministerium des Inneren im vergangenen Jahr in Deutschland registriert. Eine erschreckende Zahl – das fanden auch Schüler der Geretsrieder Realschule mit ihrer Lehrerin Sigrid Roik-Heindl.

Geretsried – Anlässlich des Jahrestages der Bewegung „Mayors for Peace – Bürgermeister für den Frieden“ diskutierte die Klasse 9c mit Zweiter Bürgermeisterin Sonja Frank und Patrick Hingar von der Koordinationsstelle „Integration aktiv“ des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit über das Thema Rassismus. Beziehungsweise die Hälfte der Klasse. „Corona-bedingt“, erklärte die stellvertretende Schulleiterin Christine Venus-Michel. Aus diesem Grund fand das Treffen auch via Videokonferenz statt.

Was Rassismus eigentlich ist, definieren laut Hingar weder Politik noch Wissenschaft. „Es gibt viele Interpretationen. Unumstritten ist jedoch, wie Rassismus entsteht. Unterschieden wird in ,zugehörig’ und ,nicht zugehörig’.“ Dabei werde die eigene Gruppe aufgewertet, die andere als minderwertig abgestempelt.

Ablehnung ist das große Thema. Die Hautfarbe muss dabei nicht ausschlaggebend sein. „Der Charakter spielt eine große Rolle. So wie sich einer verhält, entscheidet, ob man ihn mag oder nicht“, so die Meinung der Jugendlichen. Eine Schülerin berichtete, dass sie eine aus dem Ausland kommende Schulkameradin früher nicht leiden konnte. Heute kämen sie prima miteinander aus. „Das lag aber, wie gesagt, nicht an ihrer Herkunft. Wir hatten andere Freundeskreise und jeder verhält sich in einer Gruppe anders als alleine“, so die 15-Jährige. Und wenn eine Gruppe als „unsympathisch“ angesehen werde, treffe das alle Mitglieder.

Ist Ablehnung mangelnde Toleranz oder mangelnde Akzeptanz? „Toleranz hat für mich etwas damit zu tun, dass man etwas hinnimmt, aber es eigentlich nicht mag“, sagte eine der Schülerinnen. Sie selbst kam im Alter von fünf Jahren aus Rumänien nach Deutschland. „Vielleicht ist Akzeptanz besser – man nimmt den anderen so an, wie er ist, auch wenn er sich von einem selbst unterscheidet.“ Gespräche und Offenheit seien wichtig, um Vorurteile auszuräumen.

Das konnte die Vize-Bürgermeisterin nur unterstreichen. Als vor acht Jahren eine erste Gruppe Asylbewerber aus Afghanistan in eine Wohngemeinschaft nach Geretsried zog, wollte Frank sie bei der Integration unterstützen. „Ich wollte direkt mit ihnen reden und nicht über sie“, begründet sie ihr Engagement. „Aber ich habe mich alleine nicht hingetraut. Das waren junge Männer zwischen 18 und 20 Jahren aus einer Kultur, wo Frauen einen anderen Stellenwert haben.“ Doch als sie ihnen gegenüber stand, fühlte sie sich an ihre eigenen Söhne erinnert. Das anfänglich ungute Gefühl wandelte sich zu einem schönen Kontakt bis hin zur Freundschaft. Oft sei es nur die Angst vor dem Unbekannten, die ein Miteinander erschwere. Frank: „Man sollte sich immer offen auf einer Ebene begegnen. Man kann voneinander und übereinander lernen. Jeder Mensch verdient Respekt.“ 

sh

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