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Lernen vom Profi: Maiko Alpers hat in den vergangenen 25 Jahren hunderte Schwimmkurse geleitet. 

Deutsche Lebensrettungsgesellschaft

Maiko Alpers über das Problem, dass immer weniger Kinder schwimmen können

Jeder vierte Grundschüler kann nicht schwimmen: Im Interview mit unserer Zeitung erklärt Maiko Alpers von der DLRG, wo er die Ursachen dafür sieht. 

Geretsried – Jeder vierte Grundschüler in Deutschland kann nicht schwimmen: Das bestätigt Maiko Alpers, Vorsitzender der Ortsgruppe Geretsried der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Zu diesem traurigen Ergebnis kommt der Bundesverband der DLRG. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt der 54-Jährige, wo er die Ursachen dafür sieht und was getan werden muss, um Kindern das Schwimmen wieder beizubringen.

Herr Alpers, Sie sind seit 40 Jahren bei der DLRG und seit zehn Jahren Vorsitzender der Geretsrieder Ortsgruppe. Welche Veränderungen haben Sie in dieser Zeit erlebt?

Unsere Ortsgruppe bringt jedes Jahr etwa 150 Mädchen und Buben das Schwimmen bei. Ich selbst habe in den vergangenen 25 Jahren hunderte Schwimmkurse durchgeführt. Und ich stelle fest, dass Kinder immer schlechter schwimmen können. 25 Prozent unserer Grundschüler können überhaupt nicht schwimmen, und 60 Prozent der Zehnjährigen sind noch immer keine sicheren Schwimmer. Als sichere Schwimmer gelten für die DLRG Kinder mit dem Jugendschwimmabzeichen in Bronze.

Wie erklären Sie sich diesen Wandel?

Aus meiner Sicht ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren dafür verantwortlich. Zu wenige Lehrkräfte und große Klassen sind ein generelles Problem. Speziell in Geretsried leben aber auch viele neue Bürger, in deren Kultur Schwimmen keinen so hohen Stellenwert hat. Außerdem schließt in Deutschland im Schnitt alle vier Tage ein Hallenbad. Das ist ein gewaltiges Problem, vor allem weil die wenigen neuen Bäder, die heutzutage gebaut werden, oft reine Spaßbäder sind.

In Geretsried wird gerade das interkommunale Hallenbad gebaut. Es soll ein Schul- und Sportbad werden. Kann der Neubau bei der Lösung des Problems helfen?

Nein. Sobald das neue Bad auf hat, wird das Ascholdinger Hallenbad geschlossen. Dadurch wird die alte Situation im günstigsten Fall lediglich wieder hergestellt und nicht verbessert. Trotzdem ist es natürlich gut, dass das neue Hallenbad kein reines Spaßbad wird.

Welche Möglichkeiten gibt es, um künftig mehr Kindern das Schwimmen beizubringen?

Es müssen unbedingt mehr Sportbäder gebaut werden. Anfangen müssen aber trotzdem die Eltern. Für manche ist es momentan natürlich sehr bequem, sich um diese Baustelle bei ihrem Nachwuchs nicht kümmern zu müssen. Dadurch, dass so viele Kinder nicht schwimmen können, entsteht mehr oder weniger ein Trend unter einigen Eltern, es gar nicht erst zu fördern. Und Kinder, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind, haben es oft noch schwerer wegen der Sprachbarrieren. Bis jetzt haben wir damit aber nie negative Erfahrungen gemacht.

Die DLRG lebt von dem Engagement Ehrenamtlicher. Würden Sie sagen, dass die Bequemlichkeit der Eltern auf deren Schultern ausgetragen wird?

Unser Ziel ist es, aus jedem Nichtschwimmer einen Schwimmer zu machen, und aus jedem Schwimmer einen Rettungsschwimmer. Durch den hohen Nichtschwimmeranteil entsteht ein Zukunftsproblem. Die Anzahl unserer Einsätze steigt jährlich und somit auch die Arbeit für unsere Ehrenamtlichen.

Was halten Sie von einer allgemeinen Schwimmpflicht?

Es wäre schön, eine solche Pflicht durchzusetzen. Aber wer soll die damit verbundene Arbeit leisten?

Können Eltern ihren Kindern das Schwimmen auch in Eigenregie beibringen?

Wenn ich ehrlich bin, haben wir oft mit Mädchen und Buben zu kämpfen, die eine falsche Technik erlernt haben. Den Kindern das Schwimmen selbst beizubringen, ist also nur bei sehr guten Kenntnissen zu empfehlen. Gefährliches Halbwissen ist eher kontraproduktiv.

Was ist das richtige Alter für einen Schwimmkurs?

Wir empfehlen, im Alter von sechs Jahren mit dem Schwimmen zu beginnen. Vorher haben die Kinder häufig Schwierigkeiten, ihre Arme und Beine richtig zu koordinieren.

Lesen Sie auch: Ascholdinger Hallenbad: Warum nur noch Vereine rein dürfen

Möchten Sie den Eltern noch einen Tipp mit auf den Weg geben?

Lassen Sie ihre Sprösslinge beim Baden keine Sekunde aus den Augen, auch wenn sie nicht weit entfernt sind. Die meisten Unfälle passieren aus unserer Sicht im ufernahen Bereich.

Jonas Napiletzki

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