Fußballtor ist mit Bauzaun versperrt
+
Fußballtor im Lockdown: An regulären Spielbetrieb ist aufgrund der Corona-Pandemie nicht zu denken. (Symbolfoto)

Diskussion um höheren Zuschuss

Geretsried: So geht es den Sportvereinen mit der Corona-Pandemie

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
    schließen

Ein höherer Zuschuss von der Stadt hätte Geretsrieder Sportvereinen in Corona-Zeiten geholfen. Wichtige Einnahmen brechen weg.

Geretsried – Mit den Folgen der Corona-Pandemie haben derzeit fast alle zu kämpfen. Den Vereinen wollte Wolfgang Werner (SPD), Sportreferent des Stadtrats, deswegen finanziell unter die Arme greifen. Er beantragte, den über die Jugendförderrichtlinie möglichen Zuschuss für dieses Jahr einmalig zu erhöhen. Dafür spart sich die Stadt die Kosten für die Sportlerehrung (siehe Kasten). Der Stadtrat schlug Werners Vorschlag allerdings mehrheitlich aus. Ein Argument lautete, dass die Vereine aktuell zwar weniger einnehmen, aber auch nicht so viel ausgeben wie sonst. Ist das so?

„Uns sind deutlich mehr Einnahmen als Ausgaben weggebrochen“, sagt TuS-Vorsitzender Mirko Naumann. Die Mitgliedsbeiträge würden weiter gezahlt, auch wenn es jetzt weniger Neuzugänge gebe. Auf der Haben-Seite stehen auch unverändert Fördergelder. Sponsoren seien angesichts der Krise aber zurückhaltender. Und komplett weggefallen seien Einnahmen durch Veranstaltungen, etwa den Stadtlauf. Die Kosten beispielsweise für Übungsleiter seien aktuell definitiv niedriger, für Online-Training habe der Verein sie jedoch weiterbezahlt. Insgesamt wolle er nicht zu sehr klagen, sagt Naumann. „Es hängt nichts in der Luft.“ Die Jugendförderung zu erhöhen, beim größten Sportverein sind etwas weniger als die Hälfte der Mitglieder unter 18 Jahre alt, hätte er jedoch einen tollen Zug vom Stadtrat gefunden. „Es wäre ein gutes Zeichen der Anerkennung gewesen“, so der TuS-Vorsitzende.

„Es wäre toll gewesen, wenn die Stadt nachgezogen hätte“

Auch Dieter Krampert, Schatzmeister beim ESC, wäre froh über das Geld gewesen. Auch angesichts der Tatsache, dass Freistaat und Landkreis die Zuschüsse aufgrund der Pandemie verdoppelt hätten. „Es wäre toll gewesen, wenn die Stadt nachgezogen hätte“, sagt Krampert. Dem Verein hätte das Polster ein gutes Gefühl gegeben – 200 von 500 Mitgliedern sind minderjährig. Zwar hätte man Verträge für Trainer und Spieler aufgrund einer Pandemieklausel stilllegen können. Doch die Stadionmiete sei weitergelaufen – und es warten Herausforderungen. „Wir wollen früher Eis machen und mit dem Sommertraining beginnen“, so Krampert. Dadurch entstünden höhere Kosten. Zudem wolle der ESC an frühere Erfolge anknüpfen und in den höchsten Klassen Bayerns spielen. „Das kostet richtig Geld.“

Die DLRG hätte die höheren Zuschüsse für ihre jugendlichen Mitglieder ebenfalls gut brauchen können, sagt Vorsitzender Maiko Alpers. „Wir werden aber auch so zurechtkommen.“ Zwei Drittel der Lebensretter sind unter 18 Jahre, wobei wiederum zwei Drittel in Geretsried wohnen, also durch die Stadt gefördert werden. Warum das zusätzliche Geld willkommen gewesen wäre, kann Alpers leicht beantworten. „Wir haben die gleichen Ausgaben wie ohne Corona“, sagt er. Versicherungen laufen weiter, die Fahrzeuge für den Rettungsdienst werden unverändert benötigt und Weiterbildungen finden nun zwar online statt, kosten aber ebenfalls Gebühren. Auf der Haben-Seite gibt es allerdings viele Ausfälle: Mitglieder treten aus, Nikolausdienste und Christkindlmarkt mussten abgesagt werden, ebenso die Schwimmkurse. „Nur daran verdienen wir“, erklärt Alpers.

„Für unsere Vereinsentwicklung brauchen wir Kapazitäten und einen supergut bespielbaren Platz.“

Bei den Fußball-Freunden Geretsried – 60 Prozent der Mitglieder sind unter 18 Jahre – fehlt heuer auch ein entscheidender Zahlungseingang auf dem Vereinskonto. „Die Hallenturniere im Januar, Februar sind unsere wichtigste Einnahmequelle im ganzen Kalenderjahr“, berichtet Vorsitzender Patrick Verbaast. Der Umsatz im fünfstelligen Bereich aus dem Verkauf von Verpflegung werde für gewöhnlich eingesetzt, um Material anzuschaffen und für Sommercamp sowie Trainingslager. „Ich mache mir Sorgen, dass Mitglieder austreten, wenn wir kein Angebot machen können“, sagt Verbaast. Wie die anderen Vereinsvertreter hätte er sich insofern über den Geldsegen gefreut. Allerdings wäre den Fußball-Freunden etwas anderes wichtiger: Dass der Rasenplatz, auf dem man bei Regen knöcheltief im Wasser steht, renoviert wird. Der Verein hat ihn von der Stadt gepachtet. „Für unsere Vereinsentwicklung brauchen wir Kapazitäten und einen supergut bespielbaren Platz.“

Sportreferent Wolfgang Werner nimmt es sportlich, dass sein Antrag im Stadtrat durchgefallen ist. „Es wäre ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen“, sagt er. Erledigt ist das Thema für ihn nicht. Er überlege, dem Ausschuss für Jugend, Senioren, Soziales, Kultur und Sport vorzuschlagen, die Jugendförderrichtlinie grundsätzlich anzupassen und den Förderbetrag dauerhaft zu erhöhen. Werner: „Das ist seit über zehn Jahren nicht passiert.“

Sportlerehrung abgesagt

Jedes Jahr schlagen Vereine Mitglieder aus ihren Reihen vor, die sich mit ihren sportlichen Leistungen hervorgetan haben. Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es jedoch derzeit keine Wettkämpfe und somit keine Ergebnisse. „Ich wüsste nicht, wen wir ehren sollen“, sagt Sportreferent Wolfgang Werner. Aus diesem Grund wurden die 12 000 Euro gestrichen, die für die Sportlerehrung im Haushalt eingestellt waren. Damit ist die Veranstaltung im November abgesagt. Die Vereine sind mit dieser Vorgehensweise einverstanden. Ein paar Namensvorschläge hätte TuS-Vorsitzender Mirko Naumann für die Ehrung gehabt, aber weniger substanzielle als sonst. „Das hätte der Qualität der Veranstaltung nicht gutgetan“, sagt er. Auch Dieter Krampert vom ESC sieht die Absage als „logische Folge der Situation“. Schade sei nur, dass nun auch der Ehrenpreis nicht vergeben werde. Aber „vielleicht lässt sich das nachholen“, so Krampert. DLRG-Vorsitzender Maiko Alpers hätte es ebenfalls nicht sinnvoll gefunden, heuer Geld für die Sportlerehrung auszugeben. „Wir wissen, dass es auch der Stadt schlecht geht“, sagt er. Die nächste Sportlerehrung ist fest eingeplant für 2022, versichert Werner. „Sie soll nicht für alle Zeiten sterben. Wir wollen an der Sportlerehrung festhalten.“

sw

Lesen Sie auch

Immer mehr Bauernhöfe und Läden bieten regionale Produkte unabhängig von Öffnungszeiten: Die Automaten und Selbstbedienungsstände in Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz im Überblick.

Wolfratshausen-Newsletter: Hier geht es zur Anmeldung

Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare