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Schade um das schöne Fest: Bis nach Mitternacht verlief die Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi friedlich. Dann tauchte eine Gruppe auf und legte sich mit der Polizei an. Einer der jungen Männer sitzt nun in Haft. 

Täter hat langes Vorstrafenregister

Sonnwendfeier in Geretsried: So hat die Polizei den Masskrug-Werfer gefasst

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Die Polizei hat den Masskrugwerfer von der Böhmwiese gefasst. Es handelt sich um einen 18-jährigen Geretsrieder mit griechischem Pass.  

Geretsried - Das nennt man einen schnellen Fahndungserfolg: Schon wenige Stunden, nachdem ein junger Mann einen Masskrug auf einen Polizisten geworfen hat, ist er dingfest gemacht worden. „Wir konnten ihn am Sonntag gegen 17 Uhr in der Nähe des Tatorts festnehmen“, berichtet Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern. Einen Hinweis aus der Bevölkerung brauchte es nicht, die Polizei wusste, wo und wen sie suchen musste.

Die Gruppe, die am Rande der Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi eine massive Auseinandersetzung mit der Polizei anzettelte, ist den Behörden bekannt. So ist der Geretsrieder trotz seinen jungen Jahre schon mehrfach straffällig geworden, meist durch Eigentums- und Körperverletzungsdelikte. Er hat die Tat auch schon zugegeben und sitzt in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen versuchten Totschlags ermittelt. Denn: Ein Masskrug mit seinem ganzen Gewicht ist eine gefährliche Waffe, die im schlimmsten Fall einen Menschen töten kann.

Den Polizisten schlug blanker Hass entgegen

Die Gruppe war gegen 0.30 Uhr auf der bis dahin völlig friedlichen Sonnwendfeier der Egerländer Gmoi aufgetaucht und hatte sich in der Nähe des Barzelts am Ausgang niedergelassen. Dort benahmen sich die jungen Männer derart aggressiv, dass die Veranstalter die Polizei verständigten. „Kaum waren wir mit zwei Streifenwagen vor Ort, ist es losgegangen“, erklärt Stefan Sonntag. „Wir wollen nicht jammern, als Polizist ist man einiges gewöhnt. Aber in diesem Fall ist den Kollegen blanker Hass entgegen geschlagen.“ Die Auseinandersetzung gipfelte in dem Masskrugwurf, der einen Polizisten am Oberkörper traf. Er hatte Glück. „Der Kollege konnte das Krankenhaus am Montag wieder verlassen“, so Sonntag. „Aber psychisch hat er zu knabbern.“ Ein solcher Gewaltexzess macht auch erfahrenen Ordnungshütern zu schaffen.

Bei der Gruppe handelt sich offenbar um Querulanten aus der Umgebung, die sich zusammengetan haben, um Ärger zu machen. Dabei will Sonntag nicht alle über einen Kamm scheren. „Es gab offenbar auch einige, die versucht haben, mäßigend auf andere Gruppenmitglieder einzuwirken.“ Diese Versuche waren augenscheinlich vergeblich. Es kam zu massiven Straftaten wie Landfriedensbruch, versuchter Gefangenenbefreiung sowie wüsten Beleidigungen. Außer dem Masskrugwerfer wurden noch drei weitere Täter identifiziert, 16, 18 und 19 Jahre alt. Die Polizei bittet erneut um Zeugenhinweise, um die Abläufe lückenlos klären zu können. Die Kripo Weilheim ist erreichbar unter der Telefonnummer 08 81/64 00, die Geretsrieder Inspektion unter 0 81 71/9 35 10.

Die Egerländer Gmoi wünscht dem Polizisten rasche Genesung

Der Vorstand der Egerländer Gmoi, Helmut Hahn, ist erleichtert, dass es dem verletzten Polizisten besser geht. Und er ist auch froh, dass der Täter so schnell überführt werden konnte. „Die Polizei hat super professionell gearbeitet, wir können nur Danke sagen.“ Die Vorfälle auf der Böhmwiese hätten zwar nur am Rande mit der Sonnwendfeier der Gmoi etwas zu tun – der Gewaltexzess ereignete sich nach dem offiziellen Ende der Feier und genau genommen auch außerhalb des Geländes. Dennoch wird man intern über Konsequenzen nachdenken. Wahrscheinlich ist, dass das Barzelt in den nächsten Jahren nicht mehr am Rand, sondern eher in der Mitte steht. Möglich auch, dass man einen Sicherheitsdienst engagiert. Doch all das liegt noch in ferner Zukunft. Hahn: „Jetzt sind wir erst mal froh, dass alles relativ gut ausgegangen ist.“

Polizeipräsident Klopp hofft auf eine strenge Justiz

Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern, ist alarmiert von dem Gewaltexzess gegen einen seiner Beamten. „Ich sehe es mit großer Besorgnis, dass Polizeibeamte und Rettungskräfte schon aus nichtigen Anlässen immer öfter zur Zielscheibe von Aggression, brutaler Gewalt und zunehmender Verrohung werden. Der sinkende Respekt vor der Uniform wird schleichend zum Dauerzustand in unserer Gesellschaft.“ Aus genau diesem Grund werde in diesem Fall besonders akribisch ermittelt. „Normgerechtes Verhalten verliert offenbar immer mehr an Wert.“ Kopp hofft, dass die Justiz „deutliche Strafen“ verhängt, um Polizeibeamte oder Rettungskräfte vor solchen Gewaltausbrüchen in Zukunft zu schützen. vu

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