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Umweltfreundliche Alternative: In Bienenwachstücher eingewickelt, lassen sich Lebensmittel frisch halten.

Serie: Vom Nektar zum Honig - Teil 9

Imkerin erklärt: So lassen sich Bienenwachstücher selbst herstellen

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Bienenwachstücher selbst herstellen? Imkerin Susanne Karner aus Gelting erklärt, wie das am besten funktioniert - nämlich im Backofen.

Gelting – Mehrweg statt Einweg, Stofftasche statt Kunststoffbeutel: Das Umweltbewusstsein der Bürger hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, und viele Haushalte versuchen, ihren Plastikverbrauch einzudämmen. „Eine Alternative zur beliebten, aber nicht gerade umweltfreundlichen Frischhaltefolie sind Bienenwachstücher“, sagt Imkerin Susanne Karner. „Sie halten Lebensmittel lange frisch und sind wiederverwendbar.“ Die Geltingerin stellt solche Tücher selbst her und verkauft sie auch.

Besser als Frischhaltefolie

Ohne großen Aufwand lassen sich laut Karner solche Tücher auch zuhause herstellen – und zwar im Backofen: Dieser wird auf 80 bis 100 Grad eingestellt. Dann belegt Karner ein Blech mit Backpapier. Darauf kommt ein Stoffzuschnitt – am besten aus Bio-Baumwolle und natürlich frisch gewaschen. „Zum Verschließen von Tassen oder Dosen passt ein Stück in der Größe von 15 auf 15 Zentimeter“, empfiehlt die Geltingerin. Zum Einpacken eines belegten Brotes eigne sich ein Tuch im Format 25 auf 25 Zentimeter. Ein Tuch der Größe 35 auf 35 Zentimeter sei eine Universalgröße.

Von dunkel bis hell: Ob in den Waben Bienen großgezogen oder Honig eingelagert wurde, lässt sich an der Farbe erkennen. Dunkel bedeutet, dass es sich um Wachs aus Brutwaben handelt, hell steht für rückstandsfreies Wachs aus Honigwaben.

Auf dem ausgelegten Stoffrechteck verteilt die Imkerin hauchdünne Locken aus Wachs. „Das kann man beim Imker seines Vertrauens kaufen“, rät die Biologin. Anschließend wandert das Blech in den Ofen. Schon nach ein paar Minuten schmilzt das Wachs, und der Stoff saugt sich voll. Mit einem Silikonpinsel verteilt Karner die Reste gleichmäßig. Das Ganze kurz auskühlen lassen – und fertig ist das Bienenwachstuch. „Das Schöne ist, dass sich diese Tücher endlos wiederverwenden lassen“, schwärmt die Geltingerin. Bei guter Pflege würden sie sogar mehrere Jahre halten.

Auch zum Einfrieren eignen sich die Tücher

Zwischen den einzelnen Benutzungsgängen reinigt sie das Tuch mit einem feuchten Schwamm (glatte Seite) und Spülmittel. Auch zum Einfrieren eigne es sich. Mit der Zeit würden die Tücher zwar ein bisschen Wachs verlieren. Das lasse sich aber problemlos aufbügeln, bis der Stoff wieder gesättigt ist.

Am besten eigne sich das Bienenwachstuch zum Frischhalten von Käse, Gemüse und Obst sowie zum Abdecken von Schüsseln. „Auch zum Einpacken des Pausenbrots ist es ideal“, spricht Imkerin Karner aus Erfahrung. Der gewebte Stoff aus Baumwolle sorge dafür, dass sich kein Kondenswasser sammeln kann – so wird verhindert, dass sich Schimmel bildet.

Das Bienenjahr 2019

Vor drei Jahren entschloss sich Susanne Karner, mit der Imkerei zu beginnen. Inzwischen leben im heimischen Garten sechs Bienenvölker. 2018 freute sich die Geltingerin über gut gefüllte Honiggläser. Dieses Jahr ging Karner leer aus. „Das Wetter war einfach unglücklich“, sagt die Imkerin. Im Frühjahr sei es anfangs zu warm und zu nass gewesen. „Meine Bienen konnten nicht so viel fliegen. Es gab Phasen, wo die Damen tagelang nicht raus konnten.“ 

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Der Sommer sei dann zu trocken gewesen. „Es gab kaum Nektar.“ Dafür habe es heuer ausgesprochen viele Schwärme gegeben – und auch extrem viele Varroa-Milben. Bei der Ernte gebe es zwei Lager: die mit wenig Honig und die mit viel. „Woran diese Inkonsistenz in den Standorten liegt, weiß keiner“, sagt Karner. „Insgesamt war es ein verrücktes Jahr.“ Die Biologin hofft auf ein besseres Jahr 2020. Damit ihre Bienen gut über den Winter kommen, hat sie die Vorräte in den Stöcken aufgefüllt. Außerdem verengte sie die Fluglöcher mit Keilen auf einen kleinen Spalt von acht Millimetern Breite. „Das habe ich gemacht, damit keine Mäuse reinkriechen können, die sich am Honig bedienen.“ 

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Die letzte Varroa-Behandlung hat die Biologin um die Wintersonnenwende geplant. Dann haben die Bienen Ruhe, bis sie im Frühjahr von den ersten warmen Sonnenstrahlen wieder aus dem Stock gelockt werden.

nej

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