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„Gestatten, ich bin ein Arschloch“: Per Live-Stream und ohne Publikum stellte Dr. Pablo Hagemeyer im Hinterhalt sein Buch über Narzissmus vor. 

„Es ist schon komisch, ins Leere zu lesen“

Corona-Krise: So war der erste Live-Stream aus dem Hinterhalt

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Zum ersten Mal in der 30-jährigen Geschichte der Kulturbühne Hinterhalt gab es  eine Lesung ohne Publikum. Dr. med Pablo Hagemeyer stellte sein Buch über Narzisssmus vor.

Gelting– Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Wolfratshausen las aus seinem ersten populärwissenschaftliches Buch über Narzissmus. Titel: „Gestatten, ich bin ein Arschloch“.

Noch bis kurz vor Beginn tüftelten Tontechniker Hendrik Noeller aus Gelting und der Wolfratshauser Filmemacher Thorsten Thane am Live-Stream ins Internet. Am Ende lief die Echtzeit-Übertragung. Ohne Ankündigung und bei schönstem Frühlingswetter folgten immerhin 35 Besucher live auf YouTube der Lesung. Eine bisher beispiellose Premiere, so Hinterhalt-Wirtin Assunta Tammelleo, initiiert vom Kulturverein Isar-Loisach und der Kulturbühne Hinterhalt.

Gewöhnungsbedürftige Atmosphäre

Es war schon eine gewöhnungsbedürftige Atmosphäre im publikumsleeren Hinterhalt mit nur wenigen notwendigen Protagonisten, die sich strikt an die Abstandsregelung hielten. Wirtin Tammelleo blieb hinter dem Tresen, hatte zuvor schon Getränke und Gläser zur Selbstbedienung auf einem zentralen Tisch deponiert. Autor Hagemeyer saß alleine am Lesetisch. Ihm gegenüber standen Kameras, Tablets und Mischpult, an denen Noeller und Thane die Technik bedienten.

„Es ist schon komisch, ins Leere zu lesen“, fand Hagemeyer nach dem Ende der Übertragung, obwohl der Mediziner durchaus set- und kamerageprüft ist. Seit rund 20 Jahren betreut er neben seiner therapeutischen Tätigkeit als medizinischer Berater Film und Fernsehen. Er arbeite für Serien wie „Bergdoktor“, „Für alle Fälle Stefanie“, „Tatort“ und habe sogar die letzten beiden Folgen der „Schwarzwaldklinik“ betreut, sagt Hagemeyer, der sich selbst als „netten Narzissten“ bekennt.

Narzissten Paroli bieten

In seinem Buch verrät er auf humorvolle und unterhaltsame Weise, wie man Narzissten Paroli bieten kann. Dabei unterscheidet er die „alltäglichen“ und die „giftigen und gefährlichen“. Das Buch ist quasi eine Gebrauchsanleitung mit Tipps und Tricks für diejenigen, die unter den Selbstliebhabern leiden. Das könne der Partner sein, so Hagemeyer, der Vorgesetzte, aber auch die Mutter. Denn mit der Fehleinschätzung, dass es unter Frauen keine Narzisstinnen gebe, räumt der Autor in seinem Buch ebenfalls auf. 

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Pablo Hagemeyer weiß als erfahrener Psychiater und Psychotherapeut, wie diese Menschen ticken. Auch er habe sich seinem eigenen Ego gestellt. Sein neues Buch „Gestatten, ich bin ein Arschloch“ ist eine fachlich fundierte Abhandlung des Themas, humorvoll, lehrreich und voller Selbstironie. Für Hagemeyer ist klar: „Es steckt viel mehr Narzissmus in uns allen, als wir glauben. Und es ist Zeit, sich dem Thema auf menschliche Weise zu nähern.“ 

Info

Das Buch „Gestatten, ich bin ein Arschloch“ von Dr. med. Pablo Hagemeyer ist im Verlag Eden Books erschienen und kann über den Buchhandel bestellt werden. Die Lesung im Hinterhalt ist im Internet abrufbar unter https://www.youtube.com/watch?v=IVIZHNMdvtk.

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