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Holzhütten wie dieses könnten mithelfen, die akute Wohnungsnot zu beheben, findet Filmemacher Thorsten Thane. Und plant etwas Ähnliches für Gelting. 

Originelles Vorhaben gegen die Wohnungnot

SPD äußert Zweifel am Tiny-House-Projekt

Ein kleines Dorf aus Holzhütten in Gelting? Es klingt reizvoll, was Thorsten Thane vorhat. Doch die Umsetzbarkeit erscheint SPD-Politikern fraglich. 

Geretsried Für sein „Tiny House“-Projekt warb Vereinschef Thorsten Thane am Sonntag beim SPD-Stadtgespräch im Café Waldmann um Unterstützung. Es geht dem 46-Jährigen darum, eine Mehrheit der Stadträte für seine Idee zu begeistern. Denn nur wenn der Stadtrat grundsätzlich grünes Licht gibt, haben die Initiatoren eine Chance, ihr alternatives Wohnmodell auf einem Grundstück im Außenbereich in der Ziegelei in Gelting zu realisieren.

Die Genehmigung kann nur das Landratsamt erteilen, und da sehen Geretsrieds Zweiter Bürgermeister Hans Hopfner (SPD) und SPD-Kreissprecher Reiner Berchtold das Problem. „Der Außenbereich ist nur in Ausnahmefällen bebaubar. Er ist ein sehr hohes Gut“, meinte Berchtold. Hopfner befürchtet, dass man mit einer Ausnahmegenehmigung einen Bezugsfall schaffe. Thane ist dies bewusst. Er ist jedoch so von seinem Projekt überzeugt, dass er die Behörden gerne zu einer Ausweisung des Grundstücks als „Sondergebiet für ein Wohnexperiment“ überreden würde.

Wie das „Experiment“ aussieht, erläuterte der alleinerziehende Vater einer Tochter, von Beruf Filmemacher, den zehn Stammtischbesuchern. Der vor zwei Wochen in Wolfratshausen gegründete Verein „Einfach gemeinsam leben“ hat einen Investor in seinen Reihen, der das Grundstück in der Ziegelei kaufen und dem Verein verpachten würde. Nach ersten Plänen könnten dort sieben Tiny Houses – voll ausgestattete Holzhütten mit 16 bis 30 Quadratmetern Wohnfläche – rund um einen gemeinsamen Aufenthaltsplatz entstehen. In einem Gemeinschaftsbau könnten Dinge untergebracht werden, die normalerweise im Keller stehen, wie Waschmaschinen.

Die Bewohner unterschiedlichen Alters sollten sich gegenseitig helfen. Thane schwebt eine Mini-Dorfgemeinschaft vor. Er betont: „Wir sind keine religiöse Vereinigung oder so was.“ Eine Kleinkläranlage wäre auf dem Grundstück vorhanden, erklärte er. Ein Häuschen würde rund 40 000 Euro kosten. Hinzu kämen rund 250 Euro monatliche Miete für die Stellfläche.

„Angesichts der Wohnungsnot bei gleichzeitig immer mehr Alleinerziehenden, Singles und Rentnern wäre das unsere Alternative zum Bauen in die Höhe. Was auf dem Karl-Lederer-Platz entsteht, gefällt Thane „persönlich zum Beispiel überhaupt nicht“.

SPD-Stadträtin Edith Peter meinte, sie sehe eine Flächenversiegelung im Außenbereich kritisch. Andererseits habe die Idee des Vereins ihren Reiz. Der Mensch brauche nicht an die 50 Quadratmeter zum Wohnen wie heute üblich. Hopfner erkundigte sich nach bereits verwirklichten Modellen. Vereinschef Thane nannte ein Tiny-House-Dorf im Fichtelgebirge, das auf einem ehemaligen Campingplatz entstanden ist, und ein Projekt in Hessen. Das langfristige Ziel aller Initiatoren sei ein bayernweiter Zusammenschluss, sodass man in den Dörfern auch House-Sharing betreiben könne, sagte er. Das heißt, ein Eigentümer aus Gelting könnte seine Hütte vorübergehend mit einem aus Regensburg tauschen, wenn er dort etwa beruflich eine Zeit lang zu tun hätte. Tanja Lühr

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