Bürgermeister Michael Müller (re.), Florian Stewens (li.)
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Mit gutem Beispiel voran: Bürgermeister Michael Müller (re.) ließ seine Mietwohnung am Johannisplatz von Florian Stewens von der Verbraucherzentrale durchchecken.

Service für alle Geretsrieder

Stromfressern auf der Spur: Stadt ermöglicht kostenlose Energieberatung

Möglichst wenig Energie verbrauchen: Das ist nach wie vor das Gebot der Stunde. Stadt und Verbraucherzentrale machen jetzt gemeinsame Sache.

Geretsried – Ob Eigentümer oder Mieter: Für jeden Bürger bietet die Verbraucherzentrale Bayern jetzt zusammen mit der Stadt eine kostenlose Energieberatung zuhause an. Von der Heizungsanlage über die Nutzung von Solarenergie oder die Wärmedämmung bis hin zum Kauf einer stromsparenden Waschmaschine: Unabhängige Berater nehmen beim Gebäude-Check alles genau unter die Lupe, sodass man oft schon mit geringem Aufwand Energie sparen kann.

„Wenn wir das Thema Energiewende wirklich voranbringen wollen, muss jeder Einzelne von uns mit anpacken“, sagte Bürgermeister Michael Müller bei einem Pressegespräch im Rathaus. Er selbst war zuvor mit gutem Beispiel vorangegangen. Florian Stewens, der ein Planungsbüro für Bauphysik und energieeffizientes Bauen in Dietramszell leitet und als freier Mitarbeiter für die Verbraucherzentrale tätig ist, besichtigte Müllers Mietwohnung am Johannisplatz. Einsparpotenzial sah er unter anderem bei den Fenstern aus dem Jahr 1974 und beim Kühlschrank, einem veralteten Stromfresser-Modell. Letzteren will der Bürgermeister nun auf jeden Fall austauschen. Wegen der Fenster müsse er mit dem Vermieter reden, sagte er.

Die Berater sind zur Neutralität verpflichtet

Grundfinanziert wird die Beratung aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Es zahlt 210 Euro pro Check. Den zusätzlichen Eigenanteil von 30 Euro, den normalerweise der Eigentümer/Mieter übernehmen müsste, legt die Stadt Geretsried drauf, sodass für den Bürger tatsächlich keinerlei Kosten entstehen. „Die jeweiligen Berater sind von der Stadt Geretsried und der Verbraucherzentrale zur Neutralität und Unabhängigkeit verpflichtet“, betonte Sigrid Goldbrunner, Regionalmanagerin für Energieberatung bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Der Verein wird seit 1978 durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Seit 2014 kooperiert er mit der Stadt. Seitdem sei der Strombedarf im gesamten Stadtgebiet jährlich um drei Prozent gesunken, berichtete Andreas Scharli, Energiemanager bei der Energiewende Oberland (EWO). Dazu habe beispielsweise die Wärmepumpen-Tauschaktion vor einigen Jahren beigetragen. Möglichkeiten sieht Scharli noch im Bereich Photovoltaik. Nur sechs Prozent der geeigneten Dachflächen in Geretsried seien mit einer PV-Anlage belegt. Scharli berichtete von Mini-Solarkraftwerken zur Stromerzeugung, die jeder nach Absprache mit seinem Stromnetzanbieter auf dem Balkon installieren könne.

Der Check dauert etwa eineinhalb Stunden

Das Ergebnis des etwa eineinhalbstündigen Gebäude-Checks erhalten die Teilnehmer zusammengefasst in Form eines Kurzberichts inklusive Handlungsempfehlungen. Die Organisation der Beratungsgespräche sowie die Anmeldung erfolgen über die Stadtverwaltung. Energiemanagerin Roswitha Foißner koordiniert die Aktion. Interessierte können sich bei ihr telefonisch unter 0 81 71/6 29 83 24 oder per E-Mail an roswitha.foissner@geretsried.de bis 30. Oktober anmelden. Die Besuche werden dann in den kommenden Wochen und Monaten bis etwa Februar stattfinden.

Bereits im Jahr 2005 gab sich die Stadt Geretsried als Gründungsstifterin der Energiewende Oberland das Ziel, bis 2035 ohne fossile Energieträger auszukommen. Im Jahr 2010 wurde ein Klimaschutzkonzept erarbeitet. Auch als im Jahr 2017 die zweite Geothermiebohrung bei Gelting fehlgeschlagen war, wich die Stadt nicht vom gesetzten Ziel ab und beauftragte Ende 2018 das Kompetenzzentrum Energie der EWO mit der Erstellung eines Teil-Energienutzungsplans.

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In der ersten Sitzung des neu gegründeten Arbeitskreises Klima und Verkehr im Februar dieses Jahres wurde die Beratung der Bürger als eine der wichtigsten Maßnahmen angesehen. Die Mitglieder des AK wünschten sich ausdrücklich, dass die Beratung allen Geretsriedern zur Verfügung stehen solle. Tanja Lühr

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