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Stadtbücherei der Zukunft: So soll der neue Gaming-Raum aussehen. 

Raus aus der dunklen Ecke

Stadtbücherei richtet Gaming-Raum ein

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Die Stadtbücherei Geretsried richtet einen eigenen Raum ein, in dem Computerspiele gespielt werden können und stellt diese zur Ausleihe bereit. Björn Rodenwaldt, Leiter der Stadtbücherei, stellte das neue Konzept am Dienstagabend im Ausschuss für Jugend, Senioren, Soziales, Kultur und Sport (Jusskus) vor.

Geretsried –  Dass es auch Ballerspiele geben soll, gefiel nicht allen Stadträten. Trotzdem stimmten sie geschlossen für die neue Ausstattung.

„Zu meiner Zeit lagen die Karl-May-Bände vorne, später die Bücher von Edgar Wallace“, sagte Bürgermeister Michael Müller. „Wenn wir uns die Stadtbücherei heute ansehen, ist das Angebot vielfältiger geworden.“ Trotzdem erhielt Rodenwaldt im Gespräch mit der Stadtbibliothek München ein schlechtes Zeugnis. „Unsere Stadtbücherei liegt in ihrer Entwicklung mehr als fünf Jahre zurück“, berichtete er im Ausschuss. Das soll sich diesen Sommer ändern. Im Untergeschoss der Bücherei wurde bereits vergangenen Herbst ein Platz für den sogenannten Gaming-Raum geschaffen – abgetrennt durch eine Wand mit Schalldämpfung und Fenster. Hier will Rodenwaldt drei Bereiche zum Spielen einrichten: Es wird eine Nintendo-Konsole, eine Playstation 4 und eine Occulus-Rift 3D-Brille geben.

Die Bücherei garniert dies mit „bequemen, jüngeren Möbeln“, so Rodenwaldt. Außerdem würden sich ein paar Geretsrieder gerne um die Wandgestaltung kümmern. Für die Pläne stehen Haushaltsmittel in Höhe von 30 000 Euro bereit. Der Büchereileiter rechnet mit 18 000 Euro anfallenden Kosten für die Möblierung, 6000 Euro sind für die Hardware und je 3000 Euro für etwa 50 Spiele für beide Konsolen plus die 3D-Brille eingeplant.

„Ja, das ist wirklich so teuer“, sagte Rodenwaldt. Es gebe aber die Möglichkeit einer Förderung von bis zu 50 Prozent durch die Landesfachstelle. „Das zeigt, dass das kein gespinnertes Konzept ist“, warf Bürgermeister Müller ein. Die Stadtbibliothek München, das größte Bibliothekssystem Deutschlands, hat laut Rodenwaldt einen Gaming-Bereich eingerichtet, als das noch in den Kinderschuhen steckte.

„Computerspiele sind längst ihrer dunklen Ecke entwachsen“, erklärte Rodenwaldt. Es sei Aufgabe einer Bücherei, mit der Zeit zu gehen und Medienkompetenz zu fördern. Die Stadtbücherei Geretsried sei die erste im Landkreis, die Computerspiele ins Sortiment aufnimmt.

Vor Ort gespielt werden sollen nur schnellere Spiele mit einer Altersfreigabe von null oder sechs Jahren, etwa Mario Kart oder FIFA. „Das ist nicht auf Mitglieder beschränkt, jeder darf aber nur eine Stunde am Tag spielen“, erklärte Rodenwaldt. Die 3D-Brille werde nur an zwei Stunden in der Woche zum Testen zugänglich sein, da immer ein Mitarbeiter dabei sein muss. „Es kann sein, dass jemandem schlecht wird, wenn er im Petersdom steht, oder Korallenriffe unter Wasser erforscht.“

Stadträtin Vera Kraus (Freie Wähler) befürwortete die Neuerung. „Bei den Ballerspielen habe ich aber totale Bauchschmerzen“, sagte sie. Ihre Fraktionskollegin Heidrun Dodenhöft, Konrektorin der Karl-Lederer-Grundschule, äußerte Bedenken, weil die Erwachsenen-Spiele unter Umständen auch Kindern zugänglich sind, wenn die Spiele offen daheim herumliegen. „Wenn ein paar Leute nach einem bestimmten Ballerspiel fragen, muss ich es anschaffen. So ist es bisher auch“, sagte Rodenwaldt. Bürgermeister Müller ergänzte: „Die Frage ist, wo beginnt Zensur und wo hört sie auf.“ Er regte an, sich darüber nochmal Gedanken zu machen, wenn die Neuerung angelaufen ist.

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