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Bissig, aber treffend: Ludwig Schmid alias Bruder Barnabas schenkte der Politprominenz heuer ganz schön ein.

13. Starkbierfest der Gartenberger Bunkerblasmusik

„Die haben net alle Kerzen am Christbaum“

Genau in der Mitte der Amtszeit gibt es keine Schonung – nicht für den Bürgermeister und nicht für die Stadträte. Einige Politiker mussten ganz schön schlucken, als Ludwig Schmid alias Bruder Barnabas ihnen beim 13. Starkbierfest der Gartenberger Bunkerblasmusik am Wochenende die Leviten las.

Geretsried – Der beste Gag der Freitagsrede ist aus der Situation heraus improvisiert. Der durstige Mönch vorne auf der Bühne haut auf sein Pult und ruft ungehalten: „Wo bleibt ‘n mei Bier? I hob’s doch scho b’stellt bevor i kemma bin“. Über eine Stunde müssen die Besucher in den Ratsstuben am Freitag teilweise auf ihre Salvator-Mass warten.

„Michael Mimose Müller“

Bei der Vorstellung am Samstag klappt der Service etwas besser. Dass so manchem prominenten Gast das eben in den Mund geschobene Stück Schweinebraten im Hals stecken bleibt, liegt nicht an der Küche, sondern am heuer ziemlich bissigen Ludwig Schmid. „Michael Mimose Müller“ wird der Bürgermeister jüngster Zeit betitelt. Robert Lug wird immer noch mit seiner Wahlschlappe vor drei Jahren aufgezogen und nach dem Ersten und dem Zweiten Bürgermeister als „Nullter Bürgermeister“ begrüßt.

Prost beinand: Gut 400 Besucher pro Abend ließen sich das Bier schmecken.

Mit seinem Bäckerkollegen, Landrat Josef Niedermaier, verfährt Bruder Barnabas gnädiger. Ausnahmsweise besuchten Niedermaier und seine Frau diesmal nicht das Geretsrieder Starkbierfest. Er hatte einen Auftritt mit der Tölzer Stadtkapelle. Das lässt Schmid, selbst Klarinettist bei der Gartenberger Bunkerblasmusik, als Entschuldigung gelten. Der arme Landrat stehe ohnehin genügend unter Beschuss wegen der Schließung der Tölzer und der drohenden Schließung der Wolfratshauser Geburtshilfestation. Letzterer fühlt sich der 39-jährige Schmid übrigens „total verbunden“, weil dort entbunden. Das war’s dann aber auch wieder mit Positivem über die Nachbarstadt.

Seitenhieb auf Predigt in der Nachbarstadt

Durch den Kakao zu ziehen gibt’s reichlich: den abgeschafften Christbaum, den von der eigenen Partei geprügelten Bürgermeister Klaus Heilinglechner („Scheinst a lustigs Bürscherl zu sein. Oder a saubana Masochist.“) und die „Monster-Park-Brücke“ von Alfred Fraas über die Loisach. Nicht verkneifen kann sich der Fastenprediger einen Seitenhieb auf die „nachg’machte“ Predigt der Wolfratshauser, gehalten von „Abseil-Engel“ Aloisius Ludwig Gollwitzer, geschrieben vom Geretsrieder Kulturherbst-Vater Günter Wagner. „Koa Inhalt, aber a mords Brimborium“, urteilt Bruder Barnabas. Für den nächsten Kulturherbst schlägt er ein Kabarett-Open-Air vor: Man stelle einfach einen Haufen Stühle an der Stadtgrenze zu Wolfratshausen auf. Mehr Realsatire gehe nicht.

Die isländischen Fans haben bei der Fußball-EM vorgemacht, wie echter Jubel ausschaut - die Geretsrieder taten es ihnen gleich.

Bauunternehmer Reinhold Krämmel sitzt nicht im Publikum, aber er hätte sich bestimmt ordentlich an seinem Essen verschluckt, als der Redner zu einer Abstimmung über die Pläne zur Zentrumsneugestaltung aufruft. Niederschmetternd wenige Besucher heben die Hand für das Projekt. Das Thema lässt sich freilich herrlich ausschlachten. Anstelle der Tiefgarage könnte doch das interkommunale Hallenbad gebaut werden, schlägt Schmid vor. Der Vorteil: eine enorme Betriebskostenersparnis, weil das Becken von allein immer wieder volllaufen würde.

„Geretsried-Jubel“ nach isländischem Vorbild

Dem Publikum gefallen die Sprüche. Es bricht am Ende in einen „Geretsried-Jubel“ nach dem Vorbild der isländischen Fußballfans aus. Die Derbleckten nehmen ihre Schelte mit Humor. „Der nullte Bürgermeister kommt vor dem ersten“, meint Robert Lug trotzig. Er schätze es, dass Schmid den Finger in die Wunde lege. Nur einen roten Faden habe er heuer vermisst, sagt der Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzende. Pressesprecher Thomas Loibl meint lachend, als Niederbayer könne ihn so schnell nichts schocken. CSU-Fraktionssprecher Volker Reeh, der in früheren Reden wesentlich mehr aushalten musste und diesmal wegen seiner Opposition in Sachen Karl-Lederer-Platz sogar als „nah am Bürger“ gelobt wird, bezeichnet die Predigt als „sehr treffend“.

Ludwig Schmid lässt sich seine Mass schmecken, nachdem er aus der Mönchskutte heraus- und wieder in Tracht und Haferlschuhe hineingeschlüpft ist. Als ihm ein Besucher auf die Schulter klopft und sagt: „Guad warst“, grinst er wie ein Lausbub: „Find i aa.“

Zitate aus der Fastenpredigt

Über den Pressesprecher der Stadt, Thomas Loibl:

„Wissts Ihr eigentlich, was die Aufgabe vo so am Pressesprecher is? Aufpassen und beschützen. Jawoi beschützen. Der passt auf, dass der Michael Müller net des sogt, wos in seim Kopf rumgeht.“ 

Über Landrat Josef Niedermaier:

„Du hast ja jetzt Dei Bäckerei verkafft und machst nur noch Politik. Fragst Di Du net aa manchmoi, obs net gscheiter gwesen waar, Du hättst den Kreistag verkafft?“

Zu Freie-Wähler-Fraktionssprecher Robert Lug: 

„I bin ja fast geneigt, genau so viel zu Dir zu sagen, wie Du im letzten Jahr Qualifiziertes von Dir gegeben hast: Annähernd nix. Und des is noch deutlich mehr als die meisten in der Fraktion der Freien Wähler.“ 

Zu CSU-Fraktionsvorsitzenden Volker Reeh:

„Ja, der Volker Reeh is ja das Paradebeispiel von am CSUler. Wia heißts so schön bei der bayerischen Staatspartei: Opposition brauch ma net, des samma seiba.“ 

Zum geplanten Krämmel-Bau:

„Bau ma doch glei an gscheiten Krämmel-Tower drübn auf der Böhmwiesn. Und zwar 100 Meter hoch. Oder 150. Auf alle Fälle so hoch, dass man ihn vo Tölz aus no sieht. Oben drauf mach ma ein zehn Meter hohes, blinkendes, sich drehendes Stadtwappen. Dass in Tölz in der Friah beim Aufstehn scho speibm kannten vor lauter Ärger.“

Über Bauherr Reinhold Krämmel:

„Die Liederheftl der Gartenberger Bunkerblasmusik habts ja schon gseng. Is übrigens koa Werbung drin. Ja, mir hätten beim Krämmel schon nachgfragt, aber er hat abgelehnt. Das Heftl wär ihm nicht groß genug. Wahrscheinlich hätt ers siebenstöckig braucht.“  

Zu den Wolfratshausern:

„Ihr kemmts nur so oft vor, weil mir Eich so gern meng. Und weils es manchmal fast abbettelts.“ 

Über den Eurasburger Bürgermeister:

„Der Moritz Sappl hot abgsagt. Wahrscheinlich suacht a an neien Trinkwasserbrunnen.“

Über die Wolfratshauser:

„Da gibt’s einige, da denkst da nur...wie sogt ma da? Die haben net alle Tassen im Schrank...naa, des wars net. Die haben net alle Latten am Zaun...naa, des wars aa net. Jetzt woass is wieder! Die haben net alle Kerzen am Christbaum.“

Starkbierfest in Geretsried: Die Bilder vom Derblecken 2017

Tanja Lühr

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