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„Die Welt am Faden“: So hieß das Programm von Albert Ahly-Motta und Karl-Heinz Bille im Hinterhalt. 

Hinterhalt

Ein munteres Eigenleben

Das Tölzer Marionettentheater lässt erstmals in der Kulturbühne Hinterhalt die Puppen tanzen.

Gelting – Kabarett, Mittelalter-Folk, Feuer-Show, Jazz und tanzende Puppen: In der Geltinger Kulturbühne Hinterhalt war vergangene Woche viel geboten (wir berichteten). Vielleicht war dies mit ein Grund dafür, dass die beiden Marionettenspieler Albert Ahly-Motta und Karl-Heinz Bille vor einem vergleichsweise kleinen Publikum auftraten. Es waren überwiegend Frauen, die gekommen waren und schon in den ersten Szenen des Programms „Die Welt am Faden“ herzhaft lachten.

„Sie werden die Puppen sehr schnell als lebendige Wesen wahrnehmen und die Fäden nicht mehr sehen“, versprach Ahly-Motta vorab. Und er hielt Wort: Vor allem in Verbindung mit Musik entfalteten die teils aufwändig kostümierten Holzfiguren in eigenständigen Szenen ein munteres Eigenleben. So sang ein junger Udo Jürgens nochmals seinen Hit „Aber bitte mit Sahne“. Ein Balletthase drehte Pirouetten zur musikalischen Untermalung von Nikolai Rimski-Korsakow. Ein selbstverliebter Clown betrachtete sich narzisstisch im Spiegel. Eine Pinguinpuppe parodierte den verstorbenen Schlagersänger Roy Black.

Den Dialog mit den Zuschauern suchte dagegen die „Tölzer Ratschkathl“, die auch vor Provokationen mit Lokalbezug nicht zurückschreckte. Geretsried brachte die freche Puppe vor allem mit dem guten Abschneiden der AfD bei der jüngsten Bundestagswahl in Verbindung. Auch eine von der CSU gestiftete Parkbank konnte die Grantlerin nicht besänftigen. „Viel zu hart“, schimpfte sie.

Mit einer unnachahmlichen Leonard-Cohen-Parodie sowie der Metamorphose eines neonblau leuchtenden Regenschirms endete ein vergnüglicher Abend, der das Publikum neugierig gemacht hatte. Deshalb gewährten Ahly-Motta und Bille nach der Vorstellung einen Blick hinter die Kulissen. Dort konnten die teilweise recht schweren Puppen noch einmal aus der Nähe betrachtet werden. Auch hier wurde deutlich, wie viel Kraft und Fingerspitzengefühl ein Marionettenspieler aufbringen muss. „Das Führen der Figuren an den drei Meter langen Fäden gleicht dem Spielen eines Musikinstruments und kann nicht von heute auf morgen gelernt werden“, erklärte Albert Ahly-Motta abschließend. 

Peter Herrmann

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