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Volle Kraft voraus: Christoph Strödecke (46) ist der neue Leiter des Geretsrieder Gymnasiums. 

Im Gespräch mit Christoph Strödecke

Übernimmt das Steuer: Dieser Mann ist der neue Leiter des Geretsrieder Gymnasiums

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Er übernimmt das Ruder am Geretsrieder Gymnasium: Christoph Strödecke (46) ist der Nachfolger von Dr. Hermann Deger, der sich in den Ruhestand verabschiedet hat.

Geretsried – Er übernimmt das Ruder am Geretsrieder Gymnasium: Christoph Strödecke (46) ist der Nachfolger von Dr. Hermann Deger, der sich in den Ruhestand verabschiedet hat. Der neue Schulleiter stammt aus dem oberfränkischen Kulmbach, war stellvertretender Schulleiter des Gisela-Gymnasiums in München und lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in der Landeshauptstadt. Im Interview spricht der Mathe- und Physiklehrer über die Gemeinsamkeit von Mathe und Musik – und warum Fehler hilfreich sind.

-Herr Strödecke, das Gymnasium ist auch ohne Baustelle nicht gerade für seine Übersichtlichkeit bekannt. Haben Sie sich schnell zurechtgefunden?

Vor Pfingsten war ich zum ersten Mal hier, da war die Lage noch einigermaßen übersichtlich. Jetzt ist es schon schwieriger geworden. Ich gebe zu, dass ich mich einmal tatsächlich verlaufen habe (lacht). Aber mittlerweile geht es gut.

-Ist die Baustelle eine zusätzliche Herausforderung?

Natürlich, sie betrifft die ganze Schulfamilie. Die Arbeiten fressen Zeit und Ressourcen, einmal in der Woche gibt es eine extra Sitzung dafür. Aber die Baustelle gehört nunmal dazu. Alle halten zusammen, das Landratsamt und die Kollegen unterstützen mich sehr. Für die nächsten zwei Jahre arbeite ich mit meiner Stellvertreterin Christine Kolbeck und dem Sekretariat in einem Großraumbüro, bevor ich in ein eigenes umziehen kann. Das kann ich dann aber nach meinen Wünschen gestalten.

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-Was ist das Besondere an Ihrer neuen Schule?

Mich begeistert das Engagement für Inklusion, auch wenn die Schule kein offizielles Inklusionsprofil hat. Kleine Klassen, engagierte Lehrkräfte – das ist beeindruckend. Außerdem finde ich das vielfältige Schulleben toll. Das Gymnasium ist sehr musikalisch geprägt, auch das Sportangebot ist enorm.

-Worauf legen Sie bei Ihrer Arbeit Wert?

In meiner Tätigkeit als Schulleiter ist es mir wichtig, für Balance zu sorgen – zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. Diese Führungsaufgabe bedeutet, Verantwortung zu tragen für den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schüler, für die Gesundheit der Lehrer, für die Interessen der Eltern. Das Ganze ist wie ein überbestimmtes Gleichungssystem, in dem ich das Gleichgewicht herstellen muss. Kommunikation, auf Leute zuzugehen ist ein wichtiger Bestandteil meines Tuns. Ich möchte mich nicht abschotten, sondern wortwörtlich mit einer offenen Tür arbeiten. Ob das im Großraumbüro klappt, weiß ich allerdings noch nicht.

-Trotz des Schulleiterpostens werden Sie, wie es üblich ist, zwei Stunden unterrichten. Was ist Ihnen in Ihrer Arbeit als Lehrer wichtig?

Ich möchte den Schülern vermitteln, dass Fehler dazugehören, nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Die wichtigste pädagogische Aufgabe ist, die Schüler bei ihrem Lernprozess zu unterstützen. Lehrer und Eltern sollten sich stärker auf den Weg konzentrieren als nur auf Spitzenergebnisse. Gerade als Mathelehrer überlege ich mir, wie ich Kindern helfen kann, die mit diesem Fach auf Kriegsfuß stehen. Ich vergleiche Mathematik oft mit Klavierspielen. Lernstrategien aus der Musik oder dem Sport lassen sich oft auf den Unterricht übertragen. Es braucht Übung, um ein Stück zu beherrschen. Und Fehler können durch Übung reduziert werden. Das ist mit Algebra genauso.

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-In der Schule spielen nicht nur der Unterricht, sondern zunehmend auch die Neuen Medien eine wichtige Rolle.

Ich stehe dieser Entwicklung aufgeschlossen gegenüber. Ich selbst nutze keine sozialen Netzwerke, denn ich möchte meine Daten nicht aus der Hand geben. Doch für die jungen Erwachsenen gehören die Kanäle selbstverständlich dazu. Der Umgang damit ist ein gesellschaftliches Thema, vor dem sich die Schule nicht abschotten darf. Heuer startet das von Frau Kolbeck und Frau Rank vom Jugendamt initiierte Projekt zur Nutzung sozialer Medien. Ein aus Eltern, Lehrern und Schülern bestehender Arbeitskreis, betreut von Dagmar Sosnowska, wird Ideen entwickeln und umsetzen, die den Schülern Wissen und Gespür für Vorteile und Risiken des Internets vermitteln sollen.

-Trotz aller Herausforderungen: Warum würden Sie Ihren Beruf nie tauschen?

Wegen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erlebe ich viele positive Überraschungen, die mich glücklich machen und aufbauen. Die idealistische Denkweise, die Begeisterung für Neues, die Kreativität und das Engagement im Sozialen, in der Musik, im Sport. Das alles findet man in der Erwachsenenwelt eher selten. mh

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