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Mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist ein Geretsrieder. Er hatte seine Tochter geschlagen. 

Vor Gericht zeigt er sich einsichtig

Vater schlägt Tochter (12): 600 Euro Strafe

  • vonRudi Stallein
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Auch wenn der Umgang mit pubertierenden Töchtern nicht leicht ist: Schläge gehen nicht. Ein Geretsrieder (47) wurde zu 600 Euro Strafe verurteilt. 

Geretsried/Wolfratshausen– Die pubertierende Tochter benimmt sich nicht so, wie ihr Vater es wünscht. Als sie dann auch noch patzige Widerworte gibt, rutscht dem Papa gleich mehrmals die Hand aus. Dann soll der zur Tatzeit betrunkene Mann auch noch mit einem Gürtel auf den Oberschenkel des damals zwölf Jahre jungen Mädchens geschlagen haben. Nun wurde der Geretsrieder (47) wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der Vater war „alkoholbedingt enthemmt“

Vor Gericht gab sich der Vater einsichtig. „Das war nicht richtig“, sagte der Angeklagte, bevor sein Verteidiger eine Erklärung zu den Vorfällen am 29. September 2018 abgab. Sein Mandant habe sich massiv Sorgen um die Tochter gemacht, die an jenem Abend bei ihm übernachten wollte. „Sie war nach seinem Eindruck massiv verwahrlost, als habe sich seit Tagen niemand mehr um sie gekümmert“, erläuterte Rechtsanwalt Stevan Krnjaic. Als das Mädchen Zicken machte, weil der Papa sie unter die Dusche schickte, kam es zum Streit. „Er hat natürlich übertrieben. Aber er hat es prinzipiell gut gemeint.“

Nach der Tat herrschte zwischen Vater und Tochter ein paar Monate Funkstille. Inzwischen hätten sie sich ausgesprochen und wieder regelmäßig Kontakt. Außerdem habe er seiner Tochter bereits 500 Euro Schmerzensgeld gezahlt. Einen Teil davon wohl für das Handy, das er im Streit ebenfalls zertrümmert hatte. „Sie hat verstanden, ich habe auch verstanden“, sagte der Angeklagte. „Wir haben einen Kompromiss gefunden.“

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Der Staatsanwalt empfahl dem Mann für den Fall, dass die Tochter „wieder mal nervt, was völlig normal ist“, sich zurückzunehmen. „Wenn man es nicht aushält, muss man einmal um den Block gehen“, so der Anklagevertreter. „Aber jemandem derart aufstreichen, ist in größtem Maße unmenschlich.“ Sein Mandant sei, noch dazu alkoholbedingt enthemmt, mit der Situation überfordert gewesen, sagte Rechtsanwalt Krnjaic. „Er hat es gut gemeint, er wollte erziehen, aber mit dem völlig falschen Mittel.“ Der Meinung war auch Richterin Friederike Kirschstein-Freund. „Ihre Tochter war gerade zwölf Jahre alt. Sie soll bei Ihnen Schutz finden, nicht Schläge“, verdeutlichte sie dem Angeklagten die Definition des Begriffs „schutzbefohlen“. Sie folgte mit ihrem Strafmaß von zehn Monaten dem Antrag des Staatsanwalts. Der Vollzug wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Auflage muss der Verurteilte 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Rudi Stallein 

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