Misshandlung von Schutzbefohlenen in 147 Fällen

Vater schlug seine Tochter 13 Jahre lang – nun steht er vor Gericht

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Mit der Hand ins Gesicht, mit dem Gürtel auf den Rücken: Weil ein Vater seine Tochter jahrelang geschlagen haben soll, musste er sich nun wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in 147 Fällen vor Gericht verantworten.

Geretsried/Wolfratshausen – Seit 13 Jahren werde sie von ihrem Vater regelmäßig geschlagen. Mal mit der flachen Hand ins Gesicht, mal mit einem Gürtel oder Hausschuh auf Rücken, Po, Beine. Ihr jüngerer Bruder habe ein ähnliches Martyrium erlebt. Diese schweren Vorwürfe erhob Ende Mai 2016 eine damals 17-Jährige gegenüber einer Beamtin der Polizeiinspektion Geretsried. Nun musste sich der beschuldigte Vater (43) vor dem Schöffengericht verantworten: Er wurde wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in 147 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Die Beweisaufnahme während des auf zwei Tage angesetzten Prozesses gestaltete sich für das Gericht schwierig. Der Angeklagte sagte nichts zu den Tatvorwürfen. Seine Ehefrau sowie der Sohn machten ebenso von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch wie die heute 19 Jahre alte Tochter. So blieb als Beweismittel nur die Aufzeichnung einer Vernehmung der jungen Frau, die eine Richterin am Anfang der Ermittlungen in München durchgeführt hatte. Das Video wurde von den Prozessbeteiligten unter Ausschluss der Öffentlichkeit angeschaut. Da die Tochter nicht mehr gegen ihren Vater aussagte, konnten gemäß Strafprozessordnung auch tatrelevante Angaben, die sie seinerzeit gegenüber der Polizei gemacht hatte, nicht zur Beurteilung herangezogen werden.

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Die Jugendliche war am 27. Mai 2016 zusammen mit ihrem Freund zunächst bei der Polizei in Wolfratshausen erschienen. „Sie wollte gegen den Willen des Vaters zu ihrem Freund nach Wolfratshausen ziehen“, erinnerte sich der damals mit der Sache betraute Beamte. Sie befürchte „Konflikte, die möglicherweise einen Polizeieinsatz nötig machen“. Ihren Vater habe sie als tobsüchtig bezeichnet und von „gewalttätigen Übergriffen in früheren Jahren“ berichtet. Deshalb wurde sie zur Polizeiinspektion nach Geretsried weitergeschickt. „Es war schwer zu sagen, ob das stimmt, was sie erzählte. Das ist auch für uns nichts Alltägliches“, sagte eine weitere Zeugin.

„Wir können nicht an ein Rachemotiv glauben“

Im Gespräch habe die Geschädigte von familiären Problemen berichtet. So gab es beispielsweise Bußgeldbescheide, weil sie öfter die Schule geschwänzt hatte. Ihr „aufständisches Verhalten“ habe häufig zu Streit geführt. „Mein Eindruck war, dass sie dem ganzen Stress entfliehen wollte“, fasste die Polizistin zusammen. Aber würde die Tochter so weit gehen, derartige Misshandlungen durch ihren Vater zu erfinden, nur um zu Hause ausziehen zu können? „Wir können nicht an ein Rachemotiv glauben“, erklärte der Vorsitzende Richter Urs Wäckerlin in seiner Urteilsbegründung. Für das Gericht sprachen zahlreiche Indizien sowie die differenzierte Einschätzung einer Psychologin für die Glaubwürdigkeit der Jugendlichen im Vernehmungsvideo. Der Eindruck des Gerichts sei: „Sie hat das erlebt.“

Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. An den Angeklagten gewandt, sagte der Richter: „Sie sollten sich Gedanken machen, ob es nicht so ist, dass sie Personen in ihrem Umfeld Schaden zugefügt haben, und den Gedanken nicht mit dem heutigen Tag beenden. Das wäre aus meiner Sicht angezeigt.“ Als Bewährungsauflage muss der Vater insgesamt 3000 Euro an drei gemeinnützige Einrichtungen zahlen, die sich Kindern und Schutzbedürftiger annehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. rst

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Rubriklistenbild: © dpa / Maurizio Gambarini

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