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Wollen die Tennisplätze fit für nachfolgende Generationen machen: Zweiter Vorstand Ingo Lutze (li.) und Vorstand Klaus Köhler.

Geretsrieder Tennisclub möchte, dass die Stadt sein Grundstück am Isardamm samt Verpflichtungen übernimmt

TC-Vereinsheim: Generalüberholung dringend nötig

Geretsried – 220.000 Euro müsste der Tennisclub für die Reparatur der Plätze und die Renovierung der sanitären Anlagen aufbringen – ein Batzen, der aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden nicht zu finanzieren ist. „Wir wollen nur die gleiche Behandlung wie alle anderen Sportvereine“, erklärt Vorsitzender Klaus Köhler. Das heißt, die Stadt soll sich um Instandhaltung und Pflege der zehn Sandplätze und des Vereinsheims kümmern.

Der Tennisclub hat sein 10.900 Quadratmeter großes Grundstück der Stadt zu einem vorab geschätzten Preis von 520.000 Euro angeboten. Der Haushalts- und Finanzausschuss wird in seiner nächsten Sitzung über den Antrag beraten. Bisher kamen die Tennisspieler ganz gut ohne Hilfe zurecht. 1954 baute der ein Jahr zuvor gegründete Verein das Clubheim und die ersten zwei Freiplätze, idyllisch gelegen zwischen Isardamm und Isarhochufer. Die Kosten übernahmen Förderer. Aus Eigenmitteln wurden bis 1969 acht weitere Plätze geschaffen. Die Mitgliederzahl wuchs stetig und erreichte zu Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf die Höchstmarke von 400. 1989/90 wurden die zehn Plätze für 311 000 Mark generalsaniert, zehn Jahre später war das Darlehen dafür getilgt. Auch das neue Dach fürs Clubheim und die neue Küche konnte sich der Verein dank seiner Rücklagen leisten.

Jetzt aber steht nach 26 Jahren dringend eine Generalüberholung der Tennisplätze sowie der Umkleidebereiche an. Die Drainage unterhalb der Courts, die eigentlich das Regenwasser aus den Plätzen ableiten sollte, sei verstopft, so dass sich nach Niederschlägen riesige Pfützen bildeten, erklärt Klaus Köhler. Mit zwölf Tonnen Ziegelsand haben die Mitglieder Anfang April in zirka 1000 Arbeitsstunden die entstandenen Mulden aufgefüllt und eine neue Deckschicht aufgetragen. Doch die optische Schönheitskur ändert nichts daran, dass der Unterbau saniert werden muss.

Zunächst hatte der Tennisclub Geretsried 20.000 Euro jährlich als Zuschuss bei der Stadt beantragt. Dann beschlossen die aktuell 316 Mitglieder in der Jahresversammlung im März, alternativ ihr Areal der Stadt zu übertragen und reichten diese Idee als neuen Antrag ein. „Der Vorstand wird ermächtigt, mit der Stadt Geretsried über die Übertragung des Grundstücks an die Stadt Geretsried zu verhandeln mit der Maßgabe, dass sich die Stadt an den notwendigen Zukunftsinvestitionen zur Erhaltung und dem Ausbau der Tennisanlage entsprechend beteiligt und dem TC Geretsried ein langfristiges und uneingeschränktes Bleiberecht eingeräumt wird“, heißt es im Versammlungsprotokoll.

Zu den Zukunftsinvestitionen, die nachfolgenden Generationen den Freizeit- und Punktspielbetrieb erleichtern sollen, gehören für Klaus Köhler (72) und seinen Stellvertreter Ingo Lutze (68) zwei Allwetterplätze aus Kunstrasen sowie eine Flutlichtanlage. „Sollte es während eines Turniers zu stark regnen, könnten wir auf diese Plätze ausweichen und die Matches auch nach Einbruch der Dunkelheit zu Ende bringen“, sagt Lutze, ein begeisterter Tennisspieler seit rund 30 Jahren.

Dem Ausschuss für Jugend, Soziales, Sport und Kultur hatte die Vorstandschaft die Bedeutung des Vereins für die Stadt bereits darzulegen versucht: Man verfüge über die größte Tennisanlage im Landkreis. Von den 316 Mitgliedern, von denen 90 Prozent aus Geretsried stammten, seien 92 Kinder und Jugendliche und 116 Senioren. In allen Altersgruppen nehme der TCG erfolgreich an Punktspielen teil, die Damen über 65 mischten sogar in der höchsten bayerischen Liga mit. Tennis sei längst nicht mehr der elitäre Sport, der er zu Gründungszeiten einmal war. „In den 1980er Jahren musste man 1000 Mark Aufnahmegebühr zahlen und zwei Bürgen vorweisen. Es gab eine lange Warteliste“, erinnert sich Lutze. Heute liegen die Jahresbeiträge bei 230 Euro für ein Erstmitglied und 125 für ein Zweitmitglied. Kinder zahlen 60 Euro  beziehungsweise 30 Euro, wenn die Eltern dabei sind, Studenten 90 Euro. Allerdings verpflichten sich beim TCG alle Spieler zum Arbeitsdienst von fünf Stunden pro Jahr.

Hätte der Club nicht die vielen Platzpfleger, die unter der Regie von Platzwart Peter Kysilko für ein geringes Entgelt alles in Schuss halten, wäre man schon lange pleite, so Köhler.

Für das Wintertraining müssen die Geretsrieder Tennisspieler in fünf verschiedene Hallen im Umkreis ausweichen. Um den Tennissport in Geretsried noch zukunftsfähiger zu machen, träumt der Ingenieur und Architekt deshalb von einer Halle für den Winterbetrieb mit zwei Plätzen: „Das ist ein langfristiges Ziel, aber die Pläne sind schon mal in Vorbereitung.“

Tanja Lühr

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