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Es ist aus: Alle Mitarbeiter der Geretsrieder Fleischfirma Sieber wurden entlassen.

"Es ist vorbei"

Alle Sieber-Mitarbeiter entlassen

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Geretsried – Gestern gegen 14 Uhr kamen die Mitarbeiter der Firma Sieber noch einmal zum Firmensitz an der Geretsrieder Böhmerwaldstraße – zum letzten Mal. Sie hatten alle kurz zuvor per Post ihre Kündigung erhalten.

Bei einer Betriebsversammlung mit Ex-Eigentümer Dietmar Schach und Insolvenzverwalter Josef Hingerl erfuhren sie, dass es aus ist. Die Stimmung war gedrückt, die Mienen finster, als die Mitarbeiter vom Auto zum Bürotrakt marschierten.

Eine von ihnen, für die das Kapitel Sieber zu Ende ist, ist Brigitte Özdogan. 42 Jahre hatte die gebürtige Münchnerin bei der Metzgerei gearbeitet, erst im Schlachthofviertel der Landeshauptstadt, später in Geretsried. „Es ist jammerschade“, sagt sie. Aber auf der anderen Seite ist sie froh, dass jetzt wenigstens Gewissheit herrscht. „Es hat immer geheißen, warten, warten. Das ist jetzt vorbei.“

Die letzten zehn Jahre hat Brigitte Özdogan, wohnhaft im Münchner Westend, von Mittwoch bis Samstag im Werksverkauf bei Sieber gearbeitet. Der war bei der Bevölkerung extrem beliebt. „Wir hatten Umsätze, Wahnsinn.“ Und genau das ist der Grund, warum sie an der Maßnahme des Landratsamts zweifelt. „Wenn es auf auf unserem Leberkäse oder sonstwo Bakterien gegeben hätte, dann wäre doch wohl auch irgendwann ein Geretsrieder krank werden müssen. Das war aber nicht so.“ Insofern schließt sie sich der Meinung von Insolvenzverwalter Dr. Josef Hingerl an, dass die Maßnahme des Landratsamts komplett überzogen war.

Özdogan erinnert sich noch sehr genau an den Tag, an dem sie vom behördlich angeordneten Vertriebsstopp erfahren hat. Es war der 27. Mai, der Tag nach Fronleichnam, ein Freitag und daher Brückentag. Am Nachmittag rief Inhaber Dietmar Schach die wenigen Mitarbeiter, die sich noch auf dem Firmengelände befanden, zu sich – darunter Brigitte Özdogan. „Er war wie immer sehr freundlich und menschlich. Wir sind aus allen Wolken gefallen. Wir hatten nicht die geringste Ahnung.“

Überhaupt, auf den Ex-Eigentümer lässt Brigitte Özdogan nichts kommen. „Herr Schach war ein wahnsinnig sorgfältiger Chef und total auf Sauberkeit aus. Wenn irgendwo auch nur ein Krümel gelegen hat, hat er den aufgehoben.“ Auch deswegen glaubt sie nicht an die Behauptung der Behörden, dass die Ware in Geretsried verunreinigt worden sein kann.

In den ersten drei Monaten hat Özdogan Insolvenzgeld erhalten. Dieses war genauso hoch wie ihr Nettolohn zuvor. Doch ab sofort gibt es von Sieber keinen Cent mehr. „Morgen gehe ich zum Arbeitsamt.“ So richtig zuversichtlich ist sie nicht, etwas Neues zu finden. „Ich bin ja schon 57 Jahre alt.“ Aber unterkriegen lässt sie sich auch nicht. „Ich bin ein optimistischer Mensch, es wird schon weitergehen.“

Insolvenzverwalter Josef Hingerl bestätigt, dass er gezwungen war, 40 Mitarbeitern zu kündigen. Insgesamt waren bei Sieber 120 Mitarbeiter beschäftigt, die Hälfte allerdings hatte Werkverträge. Von den restlichen 60 hätten sich einige inzwischen umorientiert, so dass gestern etwa 40 ehemalige Mitarbeiter zu dem traurigen Anlass kamen. „Man kann sich vorstellen, wie die Stimmung war“, sagt Hingerl. „Sie war nicht sehr gut.“ In der Sitzung habe er noch einmal das in seinen Augen grundfalsche Verhalten des Landratsamts dargestellt. Jetzt bereitet er eine Klage über zehn Millionen Euro vor. Ob sie eingereicht wird, entscheidet die Gläubigerversammlung am 12. November.

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