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Freundliche Worte vom Innenminister: Joachim Herrmann mit einigen Flughelfern aus dem Landkreis bei seinem Besuch an der Feuerwehrschule in Geretsried.

Da kommt was auf die Retter zu 

Warum Innenminister Joachim Herrmann die Feuerwehrschule besucht hat

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Die Waldbrandbekämpfung wird immer wichtiger. Das verdeutliche Innenminister Joachim Herrmann bei einem Besuch in der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried.

Geretsried – Frühzeitige Erkennung vom Boden und aus der Luft sowie das richtige Verhalten im Ernstfall: Das sind die entscheidenden Maßnahmen zum Schutz vor Waldbränden und zur Waldbrandbekämpfung, erklärte Innenminister Joachim Herrmann bei seinem Besuch in der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried. Dort stellte er sowohl die Strukturen der Brandbekämpfung in Bayern als auch eine neue Info-Broschüre zum Thema vor. Laut Herrmann werden die meisten Brände „durch den Menschen verursacht“.

Waldbrandbekämpfung aus der Luft: Vor den Augen des Ministers wurde der Einsatz eines Außenlastbehälters demonstriert.

Um eine Ausbreitung des Feuers möglichst schnell einzudämmen, ist schnelles Handeln wichtig. Herrmann setzt auf mehrere Komponenten: „Aufmerksame Bürger, die dank Handy sofort ein Feuer melden können, Überwachungsflüge der Luftrettungsstaffel Bayern, Einsatz der Feuerwehren am Boden und Waldbrandbekämpfung aus der Luft, wenn die Brandstelle mit Löschfahrzeugen nicht zu erreichen ist.“

Das konnte Branddirektor Matthias Ott nur unterstreichen: „Durchschnittlich 15 Minuten nach der Brandmeldung wird mit der Bekämpfung begonnen.“ Den Feuerwehren kommt dabei die gute Infrastruktur zugute. Ott: „Wir haben im Staatswald rund 23 000 Kilometer Forststraßen, die durchaus Lkw-tauglich sind.“ Probleme bereiten indes alpine Gebiete, die schwer oder gar nicht zugänglich sind. Für diese Fälle, so erklärte Herrmann, „sind einige Maschinen der Polizeihubschrauberstaffel mit Lasthaken ausgestattet, die das Löschwasser mit Hilfe von Außenlastbehältern punktuell über dem Waldbrand abwerfen können“. Falls nötig, werden diese noch von weiteren Kräften der Bundespolizei und der Bundeswehr sowie privaten Anbietern unterstützt. Auch die Bergwacht sei ein unersetzlicher Partner.

Bei der Brandbekämpfung aus der Luft kommen die Flughelfergruppen zum Einsatz. Sie betreiben die Landeplätze und koordinieren den Flugbetrieb, beraten den Einsatzleiter taktisch. „Sie sind“, lobte der Innenminister, „bundesweit einzigartige Spezialisten.“

Für Herrmann ist der Wald einer der kostbarsten Schätze, den es zu erhalten gilt. Zwar hatte der Freistaat 2018 mit 132 Einsätzen trotz des trockenen Sommers im Vergleich zu anderen Bundesländern relativ wenig Waldbrände zu verzeichnen. Aber „man muss dennoch gut vorbereitet sein“. Da Waldbrände zunächst vom Boden aus gelöscht werden, muss das Löschwasser oft über lange Strecken an den Brandherd befördert werden. Der Freistaat hat deshalb an zwölf Feuerwehrstandorten in den Jahren 2013 bis 2017 für insgesamt rund fünf Millionen Euro Hochleistungspumpen beschafft.

Eine davon steht in Rosenheim, die für Hochwasser und Brandeinsätze gleichermaßen geeignet ist. Gefördert werden im Druckbetrieb 3500 Liter Wasser pro Minute, bei Hochwasser können 8500 Liter pro Minute abgesaugt werden. „Dazu führen wir 2000 Meter Schlauchmaterial mit uns“, erklärte Mario Zimmermann, Stadtbrandinspektor von Rosenheim.

Zudem wurde die Luftrettungsstaffel Bayern für ihre Beobachtungsflüge mit neuem Digitalfunkgeräten ausgestattet. In Summe, so rechnete Herrmann vor, hat der Freistaat in den vergangenen Jahren zirka 6,5 Millionen Euro investiert. Doch das heißt nicht, dass nun die Hände in den Schoß gelegt werden können. Angedacht ist auch, in Zukunft die Polizei mit stärkeren Hubschraubern, die größere Außenlastbehälter aufnehmen können, auszustatten. „Aber“, so der Minister, „darüber müssen wir noch reden“.

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Wolfratshausen ist einer von derzeit 17 Flughelferstandorten in Bayern. In der Loisachstadt sind auch fünf Außenlastbehälter vom Typ Semat mit einem Fassungsvermögen zwischen 900 und 5000 Litern Löschwasser stationiert. Gegründet wurde die Flughelfergruppe im Landkreis 1997 auf Betreiben des damaligen Kreisbrandinspektors Herbert Schöldere. Die Nähe zu den Voralpen und zum Naturschutzgebiet Pupplinger Au waren damals ausschlaggebend. Heute gehören der Einheit 23 Flughelfer aus den Feuerwehren Lenggries, Benediktbeuern, Wolfratshausen, Schlehdorf, Kochel und Geretsried an.

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In einem einwöchigen Lehrgang („Flughelfer Technik“) an der Feuerwehrschule Würzburg werden die Ehrenamtlichen ausgebildet. Zudem treffen sich die Kräfte aus den Reihen der Flughelfer, der Bundeswehr, der Landespolizei, des Heers und der Luftwaffe regelmäßig zum gemeinsamen Training. Dazu kommen rund 20 Übungsstunden am Standort, jährliche Zertifizierungen und Sicherheitseinweisungen sowie ein zusätzliches Winchtraining (das Aufnehmen und Abseilen von Personen über eine Seilwinde). Aufgabe der Flughelfer ist es, die Piloten mit ihren Maschinen so einzuweisen, dass der Außenlastbehälter von weiteren Flughelfern eingehängt und die Auslöseleitung angeschlossen werden kann. Ebenso werden auf diese Weise Lasten versetzt. Die Finanzierung der Flughelfergruppe läuft über das bayerische Innenministerium – eine Handhabung, wie sie in dieser Art in Deutschland einmalig ist.

Info

Die Broschüre „Waldbrandbekämpfung in Bayern“ ist online erhältlich unter www.bestellen.bayern.de

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