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Hilfestellung für Eltern: Pädagogin Enikö Popa macht die Realschule fit gegen Drogenkonsum.

Workshop an Geretsrieder Realschule

Wenn Jugendliche Drogen nehmen: Expertin erklärt, was wichtiger ist als Verbote

Zur Suchtprävention bei Kindern können Eltern einiges tun. Bei einem Infoabend an der Geretsrieder Realschule erklärte eine Expertin,  worauf Mütter und Väter achten sollten.

Geretsried – Woran erkenne ich, dass mein Kind Drogen konsumiert? Wie kann ich einer Sucht vorbeugen? Mit diesen wichtigen Fragen befasste sich ein Elternabend am Dienstag an der Realschule. Die ganze Woche steht dort im Zeichen der Prävention. Der gemeinnützige Verein „Keine Macht den Drogen“ leitet dazu Workshops in den achten Klassen.

Fachleute klären auf, informieren, stärken die Lebenskompetenz und das Selbstbewusstsein der Jugendlichen. Denn wie die Pädagogin Enikö Popa am Elternabend betonte, hänge es von der Lebenskompetenz ab, ob ein junger Mensch eine Abhängigkeit entwickelt. Es sei deshalb viel entscheidender, dass man seinem Kind Liebe und Vertrauen schenkt, dass man ein gutes Verhältnis zu ihm pflegt – gerade in der schwierigen Phase der Pubertät –, als dass man es mit dem erhobenen Zeigefinger belehrt und ständig Verbote aussprecht.

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Erfüllende Hobbys, gute Freunde und Hilfe bei Problemen in der Schule würden die Kinder ebenfalls stark gegen Drogen machen. Damit sind sowohl Alkohol, Nikotin und Cannabis gemeint als auch Medienabhängigkeit, Magersucht oder Bulimie. Laut Popa gibt es bei jedem dritten Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren Hinweise auf eine Essstörung. Immerhin rund zehn Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren haben schon einmal Haschisch probiert; ebenso viele rauchen Zigaretten. Bei den 16- bis 17-Jährigen haben bei einer aktuellen Umfrage über 60 Prozent angegeben, im vergangenen Monat Alkohol getrunken zu haben.

Die Grenzen zwischen Genuss, wozu das gelegentliche Glas Wein am Abend, das Stück Schokolade zwischendurch oder das Shopping-Erlebnis alle paar Wochen gehören, Missbrauch, Gewöhnung und Abhängigkeit sind fließend. Schon wer mehrmals täglich Kaffee trinkt, um leistungsfähig zu bleiben, missbraucht dieses Konsummittel.

Gefährdet ist der Bub, der sechs Stunden am Stück am Computer sitzt und zockt, ebenso wie das Mädchen, das alle paar Sekunden auf sein Smartphone schauen muss. „Anzeichen einer Sucht sind Unkonzentriertheit, Unlust auf Hobbys und Schule“, erklärte die Referentin. Alkohol mache dabei von allen Suchtmitteln am ehesten abhängig, sowohl physisch als auch psychisch. So sollten Jugendliche, die es eine Woche lang auf einer Abschlussfahrt oder einem Festival „richtig krachen ließen“, nicht sofort danach ganz die Finger vom Alkohol lassen. Sonst drohten Entzugserscheinungen, warnte Popa. Nicht umsonst werde Alkoholsucht immer in einer Klinik behandelt.

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Damit es auf keinen Fall so weit kommt, können Eltern einiges tun. Das bereits genannte vertrauensvolle Verhältnis ist für die Pädagogin und systemische Familientherapeutin das A und O. Selbst wenn die Eltern merkten, dass ihr Kind in eine Gewöhnung oder gar Abhängigkeit abgleitet, sollten sie durch ruhiges Reden und Zuhören, die Inanspruchnahme von Beratungsstellen wie dem Schulsozialarbeiter oder dem Jugendamt zu helfen versuchen.

Nicht unterschätzt werden dürfe die Vorbildfunktion. Wenn das Feierabendbier für den Vater normal ist, die Mutter in Stresssituationen jedes Mal zur Zigarette greift oder sich in Fernsehserien vor dem Alltag flüchtet, habe das natürlich Einfluss auf den Nachwuchs. Tanja Lühr

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