Amtsgericht Wolfratshausen
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Vor dem Amtsgericht Wolfratshausen musste sich ein Geretsrieder rechtfertigen. Der Beweis, dass er es war, der ein junges Mädchen belästigt hat, ließ sich nicht führen.

Mädchen (15) kann Angeklagten nicht identifizieren

Amtsgericht: Freispruch für vermeintlichen Exhibitionisten

  • vonRudi Stallein
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Wegen „Vornahme einer exhibitionistischen Handlung“ musste sich ein Geretsrieder vor dem Amtsgericht verantworten. Er soll sich in einem Bus entblößt haben.

Wolfratshausen/Geretsried – Der Vorfall hatte sich am Faschingsdienstag 2020 gegen 21.10 Uhr in Geretsried ereignet; in einem Bus der Linie 370 oder 379, zwischen den Bushaltestellen Schulzentrum und Sudetenstraße. Die Schülerin – während der Aussage des Mädchens musste der Angeklagte den Sitzungssaal verlassen – berichtete vor Gericht, der Mann habe weiter vorne im Bus gesessen, sie die ganze Zeit angeschaut und sich dabei zwischen den Beinen gerieben. Als er wenig später ausgestiegen sei, sei er draußen vor dem Fenster stehen geblieben und habe sein entblößtes Geschlechtsteil gezeigt. Zu Hause angekommen, habe sie sich im Bad eingeschlossen und geweint, erzählte die 15-Jährige. Etwa sechs Wochen später, Anfang April, war sie sich sicher, den Mann vor einem Supermarkt wiedererkannt zu haben. „Am Bart, an der Statur, am Kleidungsstil, am Käppi.“ Die verständigte Polizei nahm den Mann an Ort und Stelle fest.

Das Mädchen kann den Angeklagten kaum anschauen

Am Ende ihrer Aussage sollte die Zeugin den Angeklagten identifizieren. Als dieser den Gerichtssaal wieder betrat, schüttelte sie sich, begann zu schluchzen und konnte den Mann kaum anschauen. Sie wollte schnellstens raus aus dieser für sie offensichtlich erschreckenden Situation.

Anschließend beteuerte der Beschuldigte: „Ich kenne das Mädchen nicht, ich habe es hier und heute zum ersten Mal gesehen.“ Schon zu Beginn der Verhandlung hatte er erklärt: „Ich habe das nicht gemacht. An den Faschingstagen war ich gar nicht raus aus dem Haus.“ Auch habe er niemals eine weiße Hose getragen und er besitze auch keine Lederjacke. Beide Kleidungsstücke hatte das Mädchen in ihrer Personenbeschreibung angegeben.

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Staatsanwaltschaft und Gericht reichten die Angaben für eine Verurteilung nicht aus. „Man kann als erwiesen betrachten, dass der Zeugin widerfahren ist, was sie beschreibt. Aber der Eindruck, dass der Angeklagte der Täter ist, drängt sich nicht auf“, sagte der Anklagevertreter und beantragte einen Freispruch. Richterin Friederike-Freund folgte dem Antrag. In ihrer Urteilsbegründung betonte sie: „Ich bin überzeugt, dass dem Mädchen das passiert ist. Aber ich habe große Zweifel, dass Sie es waren.“ Eine Wiedererkennung nach so langer Zeit sei bekanntermaßen schwierig, erläuterte die Richterin. Und die Beschreibung Bart, Statur, Baseball-Cap treffe auf Hunderte Männer zu.

Der Angeklagte, der ohne Rechtsanwalt zur Verhandlung erschienen war, hörte aufmerksam zu und blieb sitzen, bis die Richterin ihm bedeutete: „Sie sind frei, sie können gehen.“

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